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Impressionen (live beim Taubertal Festival 2015) © Akis Konstantinidis

So viel Charme besitzt wohl kaum ein anderes Open Air dieser Größe: das Taubertal Festival feiert seinen zwanzigsten Geburtstag mit großartigen Acts wie Beatsteaks, Farin Urlaub oder Kraftklub. Die tropische Hitze von Freitag bis Sonntag tut der bombastischen Stimmung keinen Abbruch.

In puncto idyllischer Natur ist das Taubertal Festival wohl der Goliath unter den Festivals. Eine bessere Location als die von Hügeln umringte Eiswiese bei Rothenburg ob der Tauber könnte man sich nicht vorstellen.

Wo sonst findet man inmitten eines Flusses hunderte auf Bierbänken sitzende Menschen, die vergnügt planschen oder Trinkspiele im kühlen Nass veranstalten? Bei Temperaturen um die 36 Grad im Schatten am Freitagnachmittag ist dieser Ort sicherlich auch der einzige, an dem sich viele Besucher aufhalten möchten.

Im Zeichen des Wassers

Viele bleiben daher bis in die Abendstunden in der langsam dahinplätschernden Tauber, während eine Minderheit schon zu den ersten Acts pilgert. Heisskalt legen am Freitag auf der Sounds-For-Nature-Bühne, die kleinere der beiden Bühnen, die Messlatte schon mal ziemlich hoch.

Die vier Jungs fachen die ohnehin schon erhitzten Besucher noch weiter an. Danach muss man ein Plätzchen im Schatten oder im Wasser suchen, um den verschwitzten Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen.

Uff-Ta

Und dann tritt bereits am ersten Tag auch schon ein innerer Konflikt auf: The Offspring oder doch lieber den aufgrund einer Terminverscheibung gleichzeitig spielenden Olli Schulz hören? Ganz klar: letzteres.

Sowohl musikalisch als auch unterhaltungstechnisch entpuppt sich diese Entscheidung als Volltreffer. Die Hasstiraden des gebürtigen Hamburgers gegen die Punkrocker sind einfach zu göttlich. "Bei The Offspring klingt sowieso alles gleich. Immer dieses Uff-Ta, Uff-Ta!"

Auch kleinere Acts

Auf der Sounds-For-Nature-Bühne sind nicht nur namhafte Acts wie der stimmgewaltige Whitey Ford a.k.a. Everlast oder die etwas langweilige Kyle Gass Band, sondern auch kleinere Bands zu sehen. Als besonders empfehlenswert erweisen sich die Indie-Rock-Band Kytes aus München und RDGLDGRN aus den USA, die eine coole Show hinlegen. Auch dieses Jahr treten hier Teilnehmer des Emergenza-Bandcontests aus aller Welt "gegeneinander" an.

Son Goku auf einer EDM-Party

Als Sieger geht das japanische Duo Ninja Beats hervor, das am Sonntag nochmals auf der Hauptbühne auftreten darf. Dessen Musik könnte man getrost als "Manga meets Skrillex" bezeichnen: Während eine Hälfte des Duos Ukulele spielt, beatboxt die andere einen an manchen Stellen dubstepartigen Sound.

Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten. Dennoch haben die Songs der zweitplatzierten Band Green Light District aus Finnland einen weitaus angenehmeren Ohwurmcharakter. Ninja Beats klingen eher so, als würde Son Goku eine EDM-Party aufmischen.

Nächtliches Erwachen

Bei Nacht entfaltet das Festivalgelände erst seine wahre Schönheit. Die Baumwipfel der oberen Hänge werden mit Schweinwerfern bestrahlt, und über allem thronen die alten Gebäude Rothenburgs. Eine traumhafte Kulisse.

Da die Temperaturen endlich in einen angenehmen Bereich fallen, wird bei den späten Hauptacts getanzt, was das Zeug hält. Die Zuschauer auf den Hängen, die den am Nachmittag spielenden Bands zuvor nur teilnahmslos im Sitzen zugeschaut haben, stehen jetzt den Leuten auf der Wiese in nichts nach.

Staubwolken

Nach Sonnenuntergang reiht sich nämlich Höhepunkt an Höhepunkt. Farin Urlaub Racing Teams "Zehn" in einer bairischen Version mit Tuba oder das Wett-Crowdsurfen von Kraftklub sind wirklich sehenswerte Highlights. Die Beatsteaks, die ebenfalls ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern, verwandeln die Eiswiese in eine Höllenwüste.

Natürlich darf da auch eine politische Message von Sänger Arnim nicht fehlen: "Viele Leute benehmen sich gegenüber Flüchtlingen wie der letzte Scheiß. Wenn ihr vorhabt, ein Band-T-Shirt von uns zu kaufen, vergesst es. Spendet den Betrag lieber refugees.org." Gut gesprochen.

Für die Erhaltung der Natur

Apropos Engagement: Die Veranstalter setzen sich intensiv für den Umweltschutz ein. Diejenigen Camper, die ihren Zeltplatz am saubersten halten, kommen am Sonntag in den Genuss einer Backstage-Führung. Mit der Aktion "Love Your Tent" werden die Camper zusätzlich dazu ermuntert, sorgsam mit ihrem Zelt umzugehen und Müll zu vermeiden.

Eine hervorragende Aktion, die dazu beiträgt, die idyllische Landschaft des Taubertal Festivals bestmöglichst zu erhalten. Die ruhigen Klänge von Annenmaykantereit als letzter Act am Sonntag laden dazu ein, das Festival Revue passieren zu lassen und nochmals einen Blick auf die alterwührdigen Gebäude in der Ferne zu werfen. Bleibt nur noch eines zu sagen: Auf viele weitere Jahre, Taubertal, du schöne Perle!

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