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Angus & Julia Stone (live in Hamburg, 2014) © Falk Simon

Große Emotionen, unzählige Tränen und grenzenlose Liebe: Im ausverkauften Berliner Tempodrom lädt das australische Geschwisterpaar Angus & Julia Stone zum größtmöglichen musikalischen Gefühls-Kino ein. Und hunderte Berliner schmelzen dahin.

Sich knuddelnde, küssende und umarmende Pärchen wohin das Auge reicht: Das ausverkaufte Berliner Tempodrom glich am gestrigen Abend einer Wohlfühloase für Liebende. Der Grund dafür war ein australisches Geschwisterpaar namens Angus & Julia Stone: Ein Duo, das derzeit mit Charme, Witz und jeder Menge aufwühlender Folk-Pop-Rock-Klänge im Gepäck jede mittelgroße Location im Handumdrehen in ein musikalisches Liebesnest verwandelt.

Symbiose aus Wanda Jackson und Doris Day

Auch in Berlin schmachten tausende Augen und Ohren sogleich dahin, als die beiden Hauptdarsteller des Abends mitsamt einer vierköpfigen Band um kurz vor neun die Bühne betreten. Nachdem das Publikum bereits eine halbe Stunde zuvor von den drei engelsgleichen Stimmen des englischen Allgirl-Trios The Staves geschmeidig angewärmt wurde, braucht es gerade mal drei gespielte Akkorde von Angus Stone um aus dem Innenbereich des Tempodroms ein jubelndes Herzschmerz-Tollhaus zu machen.

Mit einer nicht zu aufdringlichen aber dennoch Zeichen setzenden Band im Background pendeln die harmoniegeschwängerten Zweisamkeits-Perlen der beiden australischen Blutsverwandten zwischen seichtem Folk und bluesig untermaltem Americana mit Rock-Einschlag. Dabei präsentiert sich Sängerin Julia Stone wie eine sich lasziv bewegende fleischgewordene Symbiose aus Wanda Jackson und Doris Day, während ihr Bruder den eher introvertierten blues-liebenden Surfer-Beau mimt.

"Ich wollte eigentlich ein Wasser"

Geredet wird nur selten. Die Musik soll im Fokus stehen. Wenn überhaupt, ist es die Sängerin, die zwischen den Songs ein zartes "Hallo Berlin" oder eine kurze Geschichte über ihren Death-Metal-gestörten Ex-Freund ins Mikrofon haucht. Doch auch ohne viele Worte schaffen es die Verantwortlichen auf der Bühne spielend leicht eine innige Verbindung zu ihren Fans herzustellen. Songs wie "For You", der Hit "Big Jet Plane" oder die berührende Interpretation des Grease-Klassikers "You're The One That I Want" sorgen nicht nur bei eingefleischten Anhängern des Duos für feuchte Augen.

Selbst die Bar-Frau ist nach einer guten Stunde Spielzeit dermaßen gefesselt, dass sie zweimal hintereinander das falsche Getränk aus dem Kühlschrank holt: "Ich wollte eigentlichen ein Wasser", grinst ein Mittzwanziger. "Oh, sorry, ich stand gerade irgendwie neben mir. Die sind echt gut da vorne", entschuldigt sich die Verantwortliche für das leibliche Wohl der Anwesenden. Macht alles nichts. Wenn Angus & Julia Stone vor der großen Liebe niederknien, erfrischt sogar das schalste Bier wie eine sprudelnde Quelle Wasser.

Das Leben kann so schön sein

Alles ist gut. Alle haben sich lieb. Nach knapp neunzig Minuten lassen die Australier mit dem Song "Santa Monica Dream" die letzten Akkorde ins Freie. Dann ist Schluss. Das Licht geht an und unzählige Berliner wollen nicht mehr voneinander lassen. Es wird weiter geknuddelt, geknutscht und umarmt. Das Leben kann so schön sein.

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