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Käptn Peng & die Tentakel von Delphi (live beim Heimspiel Knyphausen, 2014) © Dominik Gruszczyk

Zwei perfekte Sommerabende sorgen für Wohlfühlatmosphäre beim sechsten Heimspiel Knyphausen auf dem Draiser Hof in Eltville. Dazu gibt es Musik von Olli Schulz, Käptn Peng, Pallett und Die Höchste Eisenbahn. Und die namensgebende Familie ist natürlich auch prominent vertreten.

Falls sich jemand wundert, warum das Heimspiel Knyphausen wenige Wochen nach Beginn des Vorverkaufs restlos ausverkauft war: ein Besuch auf dem Draiser Hof beantwortet alle Fragen.

Das Hotel und Weingut befindet sich seit 1816 in Besitz der Familie Knyphausen. In der malerischen Landschaft des Rheingaus gelegen, umgeben von Weinbergen und altem Baumbestand, bietet es an zwei perfekten Sommertagen echte Wohlfühlatmosphäre. 

Viel mehr als ein Musikfestival

Ein idealer Ort für ein Musikfestival, das viel mehr bietet als nur Musik. Häufig ist von familiärer Atmosphäre die Rede, hier trifft der Satz wirklich zu. Das Heimspiel Knyphausen ist ein Familienevent, alle Mitglieder tragen zum Erfolg bei, vornehmlich Gisbert zu Knyphausen, der dritte von fünf Söhnen.

Fast allen Bands und Musikern an diesem Wochenende ist er freundschaftlich verbunden, mit den meisten hat er schon zusammengearbeitet. Wer nach dem Faden sucht, der alles zusammenhält, findet ihn in Gisbert. Zur entspannten Atmsophäre trägt auch bei, dass sich die gesamte Musik beim Heimspiel Knyphausen auf einer Bühne abspielt. Dadurch gibt es keine Hetze von einer Bühne zur anderen und ausreichend Pausen, um sich zu stärken.

Die Besucher nehmen das Angebot dankbar an, lauschen nicht nur andächtig der Musik, sondern zeigen sich von den Weinen der Familie so angetan, dass der "Patriarch" der Familie Knyphausen es sich nicht nehmen lässt, diesen Umstand lobend zu erwähnen. Für das übrige leibliche Wohl der Zuschauer ist dank hervorragender Speisen und günstiger Getränke ebenso gesorgt. Was soll da noch schiefgehen?

Olli Schulz als Olli Schulz

Die Musik jedenfalls nicht. Für die richtige Einstimmung an einem milden Sommertag sorgen Sarah and Julian Muldoon, ein Geschwisterpaar, das luftigen, harmoniegetränkten Folk-Pop bietet. Dass beide erst seit kurzer Zeit gemeinsam Musik machen, lässt in der Tat auf die Zukunft hoffen.

Olli Schulz bietet wie gewohnt 100% Olli Schulz: amüsante Geschichten, freie Assoziationen, rudimentäre Coverversionen und selbstgeschriebene Songs. Unter den neuen Liedern ragt "So soll es beginnen" heraus, aber natürlich gibt es auch Klassiker wie "Spielerfrau". Dazu müht sich Olli beim Stimmen der Gitarre und unternimmt bei "Wonderwall" seinen gewohnten Ausflug ins Publikum. Das sitzt während des Auftritts entspannt auf dem Rasen. Wohlfühl-Stimmung eben.

Partystimmung mit Käptn Peng

Die Party beginnt dann mit Käptn Peng & die Tentakel von Delphi. Tanzbarer Hip-Hop, den die Besucher zur abendlichen Uhrzeit dankbar annehmen. Kleine Brüche in der Stimmung gibt es durch die Poetry-Slam-artigen Einlagen, die vielleicht nicht nach jedem Song sein müssten.

Für Verwunderung allerorten sorgt die junge Dame, die mittem in Set plötzlich im BH auf der Bühne steht. Ganz der galante Seemann verweist der Käptn sie nicht vom Schiff, sondern lässt sie gewähren, bis sogar ihr Freund nach oben geeilt ist. Bald werden sie freundlich von Bord geleitet.

Orientalisches am Sonntag

Der Sonntag beginnt mit dem Auftritt der iranischen Band Pallett aus Teheran. Sie verleihen dem Heimspiel eine orientalische Note, wobei besonders ihre schnelleren Songs für viel Stimmung sorgen. Ihr letztes Lied, das sie angesichts der aktuellen Krisensituation im Nahen Osten als ihr wichtigstes ankündigen, erweist sich dann auch als ihr bestes, weil eindringlichstes.

Die Höchste Eisenbahn erweisen sich mit ihrem beschwingten Indie-Pop als ein weiterer Glücksgriff für das Heimspiel. Jedenfalls gelingt es ihnen mit ihren originellen Songs das Publikum gut zu unterhalten. War am Samstag noch liegende Betrachtung angesagt, so befinden sich die Besucher am Sonntag in Stimmung zum Stehen und Mitwippen.

Humorvoll-intensiver Abschied

Der große Abschluss ist der Auftritt des Hausherrs: Gisbert zu Knyphausen spielt mit der Kid Kopphausen-Band, die er gemeinsam mit dem verstorbenen Nils Koppruch zusammengestellt hat. Wer sich ein trauriges Gedenken vorgestellt hat, wird eines besseren belehrt. Humorvoll erinnern Gisbert und Band an den zu jung Verstorbenen, bevor sie ein intensives Set aus Kid Kopphausen-Songs, Klassikern und neuen Songs performen.

Wie bereits am ganzen Wochenende erweist sich Gisbert als charmanter Gastgeber, der das Publikum in seinen Bann zieht. Und als dann "Sommertag" erklingt, fühlen sich alle nochmal mehr verzaubert von dieser einmaligen Atmosphäre auf dem Draiser Hof. Kaum ist das Heimspiel Knyphausen vorüber, freut man sich schon auf die siebte Ausgabe im nächsten Jahr.

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