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Crosby, Stills & Nashs boten in Mannheim einen erhellenden, unterhaltsamen Abend. © BB Promotion

Crosby, Stills und Nash hätten mehr Zuschauer verdient gehabt, als die knapp 4.000, die sich am 23. Juni in der SAP-Arena in Mannheim versammelten. Wer Hippie-Besinnlichkeit erwartete, wurde enttäuscht. Stattdessen boten CSN ein facettenreiches Rockkonzert, das die Unterschiedlichkeit der Protagonisten offenlegte und gleichzeitig zeigte, dass CSN gemeinsam eben doch am stärksten sind. Das zeigte auch der Jubel des Publikums.

Seit ihrem Debüt des Jahres 1969 haben Crosby, Stills und Nash (mit gelegentlicher Mitwirkung von Neil Young) nur eine Handvoll Alben veröffentlicht, darunter einige wirklich missratene. Ihr Auftritt in der Mannheimer SAP-Arena verdeutlicht die Ursache. Crosby, Stills und Nash sind keine Band, sondern ein fragiles Projekt dreier Musiker, das immer knapp vor dem Kollaps steht.

Egos und Eitelkeiten haben im Zusammenspiel dieser drei höchst individualistischen Musiker stets eine große Rolle gespielt. So verwundert es nicht, dass ihr Konzert so wirkt, als sei es in Kontingente eingeteilt worden, um einen Ausgleich zwischen widerstreitenden Interessen herzustellen. Umso schöner ist es dann, wenn CSN das vergessen machen und beseelt ihre Musik zelebrieren. Auch das gab es in Mannheim – aber nicht nur.

Griffig und gradlinig

Der Auftakt ist jedenfalls grandios: In Carry On verschmelzen die berühmten Stimmen so harmonisch, dass das Publikum gleich begeistert ist. Wer nur die Studioalben der Band kennt, mag davon überrascht sein, wie heftig die Band rockt, aber Crosby, Still und Nash bieten keine wässrigen Pappsound, sondern griffige, gradlinige Rockmusik. Dabei werden sie von fünf exzellenten Begleitmusikern, darunter David Crosbys Sohn James Raymond unterstützt.

Was folgt ist ein facettenreicher, aber nicht immer hochklassiger Abend. Weite Teile des Konzerts werden von Crosby & Nash dominiert, die wunderschöne, leidenschaftliche Interpretationen von Klassikern wie Long Time Gone und Just A Song Before I Go bieten. Auch einige neue Lieder wie Crosbys melancholisches Time I Have oder Nashs apokalyptisches Exit Zero besitzen ausreichend Klasse, um großen Beifall des Publikums zu erhalten.

Stills zerschossene Stimme

Sobald Stephen Stills ans Mikrophon tritt, ist es aber aus mit der Harmonie. Stills Stimme ist komplett zerschossen, besitzt weder Volumen noch Dynamik und schlimmer noch: keine Ausdrucksstärke. Man würde gerne etwas Positives über Stills-Songs wie Southern Cross oder Treetop Flyer sagen, aber nötig waren sie wirklich nicht.

Bei seinem Buffalo Springfield-Klassiker Bluebird macht sich die fehlende stimmliche Flexibilität besonders bemerkbar. Bluebird ist ein feines Lied, das mehr Eleganz und weniger bratzigen Rock benötigt hätte, um eine postive Wirkung zu erzielen.

Harmonie zwischen Crosby & Nash

Auch im persönlichen Verhältnis offenbart sich etwas, das von außen wie eine Kluft aussieht: Wenn Crosby und Nash gemeinsam auf der Bühne stehen, zieht sich Stills häufig zurück, verschwindet sogar von der Bühne. Wenn Crosby und Nash sich herzlich umarmen, bleibt Stills außen vor. "Ihr wollt nicht wissen, was hier oben manchmal abgeht", sagt Crosby dazu.

Dennoch ist Stills nicht überflüssig, denn er hat inzwischen die Rolle des Leadgitarristen übernommen, die einst Neil Young zugedacht war. In seinem unverfälschten und angemessen rotzigen Gitarrensound sind Youngs Einflüsse deutlich zu erkennen. War es ursprünglich Young, der dafür sorgen sollte, dass CSN nicht zu soft rüberkamen, erledigt diese Aufgabe heute Stills.

Herausragendes Finale

So ungern man sich den Besuch eines Stills-Solokonzerts erwägen würde, er erfüllt die wichtige Rolle dafür zu sorgen, dass das Konzert nicht zu harmonisch, zu besinnlich, kurz gesagt zu nett wird. Wie wichtig das ist, zeigt sich im herausragenden Finale des Auftritts, der mit Triad eingeleitet wird, dem Lied über eine Dreiecksbeziehung, das (so Crosby) für seinen Rauswurf aus den Byrds verantwortlich war.

Von hier an geraten alle Songs fast überbordend leidenschaftlich. Nashs neues Lied Burning For The Buddah fügt sich nahtlos in den Reigen ein. Cathedral gerät erhaben, mit einer fantastischen Steigerung, die alle Kräfte nochmals zu bündeln scheint. Love The One You're With animiert das Publikum zu Mitsingen und bei Almost Cut My Hair und Wooden Ships hält es die Zuschauer nicht mehr auf den Plätzen.

Jetzt lächelt und jubelt auch Stills, der sichtbar gelöst wirkt und gemeinsam mit seinen Bandkollegen mit Suite: Judy Blue Eyes einen wunderbaren Abschluss des Abends bietet. Crosby, Stills und Nash haben vielleicht nicht das musikalisch beste Konzert des Jahres abgeliefert, aber eines der interessantesten. Es lohnt sich hinzugehen!

Setlist

Carry On/Questions | Marrakesh Express | Long Time Gone | Just a Song Before I Go | Southern Cross | Lay Me Down | Our House | Time I Have | Exit Zero | Bluebird | Déjà Vu | Teach Your Children | (Pause) | Helplessly Hoping | In Your Name | Treetop Flyer | Guinnevere | Triad | Burning For The Buddah | Cathedral | Love The One You're With | Almost Cut My Hair | Wooden Ships || Suite: Judy Blue Eyes

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