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Tim Bendzko (live in Hamburg, 2018) © Falk Simon

Am 22. August 2020 werden Wissenschaftler der Universitätsklinik Halle das Corona-Ansteckungsrisiko bei Großveranstaltungen bei einem Konzert von Tim Bendzko untersuchen und suchen dafür Freiwillige.

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und das damit verbundene Großveranstaltungsverbot haben bereits zu zahlreichen Absagen von Konzerten und Tourneen geführt.

Doch wie hoch ist das Ansteckungsrisiko bei Großveranstaltungen? Das möchte die Universitätsklinik Halle anhand eines eigens für die Studie konzipierten Konzerts mit Sänger Tim Bendzko herausfinden.

Probanden gesucht

Am 22. August 2020 wird in der Leipziger Arena ein Tim Bendzko Konzert mit 4000 Teilnehmern unter besonderen Bedingungen stattfinden. Die Konzertsimulation dient als Studie unter dem Namen "Restart19", um zu ermitteln, wie mit dem Coronavirus bei Großveranstaltungen umzugehen ist. 

Das Projekt wird mit etwa einer Million Euro von den Ländern Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie aus Eigenmitteln der Universitätsmedizin Halle (Saale) finanziert.

Ziel des Forschungsprojektes ist es mittels eines mathematischen Modells Lösungen zu finden, wie Großveranstaltungen wieder stattfinden können. 

"Wenn wir künftig wieder Großveranstaltungen zulassen wollen, benötigen wir wissenschaftliche Erkenntnisse darüber wie wir das Infektionsrisiko minimieren und für alle Teilnehmer mehr Sicherheit schaffen können.", erklärt Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Freistaates Sachsen.

Zurzeit werden noch gesunde Freiwilige zwischen 18 und 50 Jahren gesucht, die Teil der Studie sein möchten, so teilte das sächsische Sozialministerium mit. 

Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos, eine Aufwandsentschädigung wird aber ebenso nicht gezahlt. Die Teilnehmer erhalten aber Getränke und Verpflegung während der Veranstaltung.

Drei Simulationen

Projektleiter Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle (Saale) erklärt die Durchführung der Veranstaltung wie folgt: "Wir spielen an diesem Tag drei Simulationen durch. Einmal eine Veranstaltungssituation wie vor der Corona-Pandemie, natürlich alles mit dem größtmöglichen Schutz für die Beteiligten. Als zweite eine Simulation mit 4.000 Teilnehmenden, bei der die Ströme gezielt gelenkt werden, und als drittes eine Simulation mit 2.000 Teilnehmenden."

Für alle drei Szenarien bestehen Hygienekonzepte, die Oberflächendesinfektion und FFP2-Masken beinhalten. Außerdem werden alle Beteiligten 48 Stunden vor Veranstaltungsbeginn auf SARS-CoV-2 getestet. Die Forscher wollen ermitteln, mit wie vielen Menschen ein Besucher in Kontakt steht, einschließlich Anfahrt und Abreise. 

"Alle Teilnehmenden erhalten ein sogenanntes Contact Tracing Device, also ein Gerät, das für jeden registriert ist und Intensität im Sinne von Abstand, Dauer und Häufigkeit eines Kontaktes misst und aufzeichnet. Wir haben dafür im gesamten Areal 30 sogenannte Anker angebracht, die mittels Ultrabreitband-Technologie die Position von allen 4.000 Probanden gleichzeitig messen können", so Moritz. Außerdem werden solche Anker auch in Straßenbahnen und auf Parkplätzen eingesetzt.

Die ersten Ergebnisse der Studie werden vier bis sechs Wochen später vorliegen. Die Datenauswertung wird laut Moritz die gröste Herausforderung, da "über einen ganzen Tag hinweg alle fünf Sekunden die Kontakte zu allen anderen Probanden im Umkreis von 30 Metern" gemessen werden. 

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