Mannheimer Gastronomen kämpfen an allen Fronten gegen die Coronakrise

Mannheimer Gastronomen kämpfen an allen Fronten gegen die Coronakrise © regioactive.de

Die Coronakrise stellt insbesondere für die Gastronomie eine existenzielle Bedrohung dar. Wir stellen verschiedene Konzepte vor, mit denen Kneipen- und Barbesitzer in Mannheim und Umgebung die Krise bewältigen wollen. Bitte unterstützt alle!

Die Coronakrise ist allgegenwärtig und betrifft mittlerweile nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens. In dieser Phase vermisst sicher jeder das gesellige Leben und bunte Treiben in Bars, Kneipen und Restaurants. Doch gerade die Gastronomie ist von den aktuellen Maßnahmen in erheblichem Maße betroffen.

Ob nach dem Lockdown die Stammkneipe oder Lieblingsbar wieder öffnet, hängt maßgeblich davon ab, wie die jeweiligen Akteure mit der Situation umgehen. Wir haben die Gastroszene in Mannheim und Umgebung unter die Lupe genommen und geben einen Überblick über unterschiedliche Ideen, Konzepte und Maßnahmen im Umgang mit der durchaus anspruchsvollen Situation. 

Spendenaufrufe

Kneipen wie das Blau im Jungbusch und die Nachtschwärmerboutique starteten nahezu zeitgleich am 22. März Spendenkampagnen, um Liquiditätsengpässe durch Kampagnen auf GoFundMe zu kompensieren. Dass die Bereitschaft für Spenden sehr groß ist, zeigen die jeweiligen Beträge, die bis dato gesammelt werden konnten.

Das Nachtleben-Urgestein Blau im Jungbusch hat bis zum 14. April bereits einen Betrag von 9.420 Euro erhalten, die vergleichsweise junge Nachtschwärmerboutique immerhin 6.130 Euro. In beiden Spendenaktionen wird deutlich gemacht, dass die Spenden lediglich zur Begleichung der Fixkosten herangezogen werden und überschüssige Einnahmen in andere Projekte in Existenznot fließen.

Lieferservices

Obwohl Spendenaktionen schnell aufgesetzt sind und offensichtlich eine hohe Akzeptanz unter den Gästen genießen, greifen nicht alle Gastronomen zu diesem Mittel. Viele versuchen sich aus eigener Kraft über Wasser zu halten, indem sie ihre Produkte Corona-conform anbieten oder gar ihr Produktsortiment anpassen. So wirbt z. B. der für leckere IPAs bekannte Taproom mit Flaschenverkauf und bietet sogar einen Lieferservice an, über den auch Shirts im coolen Taproom Design erworben werden können. 

Wer also auf Pale Ales steht und seine Sommergarderobe aufpeppen will, der kann mit einer Bestellung gleichzeitig Mannheims bunte Kneipenszene supporten. 

Für eine ähnliche Strategie haben sich auch die Betreiber des Maloik und Hagestolz entschieden. Beide liefern Ihre Produkte an z. T. beliebige Plätze. Je nachdem wo man sich gerade aufhält. Wer draußen unterwegs ist und sich mit Hunger auf der "Parkbank 3" niederlässt, der sollte sich an die Worte des Maloik-Chefs erinnern:

Das Maloik ist neben harten Metal-Riffs für leckere Burger, Spareribs, Pulled Pork etc. bekannt. Wer es also mal deftig will, sollte unbedingt an den Grill im Zeichen der Pommesgabel denken. Hier liefert der Chef aktuell persönlich – mit Mundschutz und Handschuh. Sauwere Sach, Longa!

Auch die findigen Bar-Profis des Hagestolz setzen sich aktuell persönlich aufs Lastenrad und liefern das "Hage Care Paket" aus. Für 40,- Euro kann man sich ein Stück "Edel-Bar-Atmo" ins Haus strampeln lassen. Mit einer Flasche 0,5l Hage Hage Gin, einem Liter Thomas Henry Tonic Water, einem Sack Volleiswürfel und dehydrierten Grapefruits fließt dadurch auch zu Hause ein wenig Jungbusch-Feeling über den quarantänisierten Gaumen.

Kult contra Corona

Etwas ganz Besonderes hat sich das Urgestein der Jungbusch-Gastroszene einfallen lassen. Das Contra-N bietet Sixpacks der Biersorte Junghölz zur Abholung an. Wer noch nie etwas von diesem Bier gehört hat, der sollte es probieren. Das leckere Getränk kann täglich zwischen 14:00 und 23:00 Uhr abgeholt werden. Ab 6 Sixpacks gibt es sogar noch eine Klopapierrolle oben drauf. Da bleiben keine Wünsche offen!

Das Team um Beo bleibt sich einfach in jeder Situation treu und stellt sich den Herausforderungen. Übrigens: mit dem Kauf von Junghölz Bier unterstützt ihr direkt auch eine Tierschutzorganisation (z. B. Sea Shepherd, Soko Tierschutz oder Tierhilfe Hoffnung).

Zum Thema Spendenaktion hat das Contra-Team übrigens seine ganz eigene Meinung: "In der jetzigen Zeit ist es ja hip die Leute anzuschnorren, ob um gerade mal 10.000 € oder 9.000 € oder 6.500 € oder "nur" 5.000 € – ist ja Peanuts, obwohl "Da muss eine alte Frau lange für stricken". Aber die Leute geben ja gerne, wenn man aber nun bedenkt, dass Geld nur eine andere Begrifflichkeit für Zeit ist, so kommt man doch ins Grübeln, denn da gibt es Mitmenschen, die einen Teil von deiner Lebenszeit wollen. Aber egal, sollen die Leute mit IHRER ZEIT machen was sie wollen."

Gutschein-Aktionen

Neben Spenden und Lieferservice gibt es noch eine dritte Variante, mit denen sich Gastronomen durch den Corona-Lockdown kämpfen. Die kultige Pfälzer Kneipe Maffenbeier (Maffe) in Ludwigshafen bietet Gutscheine in beliebiger Höhe an, bei deren Erwerb bzw. Einlösung der Käufer noch ein original Maffenbeier-Dubbeglas als Dankeschön erhält. Immerhin könnte diese Variante den Cashflow in der aktuellen Zeit etwas aufrecht erhalten und einen Teil der akuten Kosten decken.

Inwieweit sich über die Gutscheine nicht einfach nur eine Verschiebung des Liquiditätsproblems einstellt, wird sich zeigen, sobald die Schließung der gastronomischen Betriebe wieder aufgehoben wird und die Gutscheininhaber ihren Betrag einlösen wollen.

Aufgrund der sehr ernsten Situation sollte aber durchaus davon ausgegangen werden, dass viele nur ein Teil des Gutscheins einlösen bzw. bei ihrem ersten Besuch die langersehnte Normalität weit über den Gutscheinbetrag hinaus abfeiern. Möge der Biergarten bald wieder aus allen Nähten platzen!

Die im Musikpark Mannheim ansässige Agentur Millenium hat sich dem Thema Gutscheine angenommen und eine Plattform unter der Domain https://lokalpatriot.net/ ins Leben gerufen, über die Gutscheine erworben werden können. Hier findet man neben weiteren Kneipen und Restaurant auch Gutscheine für andere Geschäfte. 

Gemeinsam die Krise überstehen

Sicherlich gibt es noch viele weitere Ideen und Ansätze mit denen Kneipenbesitzer und Gastronomen durch diese Krise navigieren. Wir freuen uns sehr, wenn ihr uns über die Kommentarfunktion über weitere Beispiele informiert. Wir wünschen auf diesem Weg allen Bar-, Kneipen-, Restaurant-, Clubbesitzer, dass sie diese Krise überstehen, ohne ihr "Baby" aufgeben zu müssen.

Ebenso bitten wir alle Leser darum, die Gastro- und Veranstaltungsbranche zu unterstützen. Schaut auf die jeweiligen Webseiten eurer Kneipen und Clubs und holt euch eine Prise Normalität ins Haus. Denkt dran: das Ende des Lockdowns macht nur Spaß, wenn wir uns in coolen Läden in alter Frische wieder treffen können. Support your local scene! 

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