Felix Grädler, einer der beiden Geschäftsführer, vor der halle02 in Heidelberg.

Felix Grädler, einer der beiden Geschäftsführer, vor der halle02 in Heidelberg. © halle02

Es ist eine wirklich schockierende Nachricht: Die halle02 in Heidelberg schließt bis auf weiteres für kulturelle Veranstaltungen ihre Pforten. Diese Nachricht wirft ein helles Licht auf die katastrophale Lage vieler Clubs und Kulturhäuser.

Im Gegensatz zu vielen anderen Musikclubs und Kulturstätten erhält die halle02 in Heidelberg seit 2017 keine staatliche Förderung und ist daher auf Einkünfte aus dem laufenden Geschäft angewiesen, das seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ruht. 

An der immer dramatischeren Situation konnten auch Spendenkampagnen, der Verkauf von Masken, die Eröffnung des Biergartens "Kleine Freiheit" im Außenbereich sowie der Erlass der Miete durch die Stadt Heidelberg nichts ändern.

Geschäftsmodell unter Corona nicht tragbar

Bislang finanzierte sich die halle02 aus einem Mix aus Kulturveranstaltungen und Business-Events, wobei letztere das Defizit der Kulturveranstaltungen in Höhe von 250.000 Euro ausglichen. Die Coronakrise hat dieses Geschäftsmodell über Nacht zerstört. 

Daher haben die Geschäftsführer der halle02, Felix Grädler und Hannes Seibold, beschlossen, das Kulturprogramm in der halle02 auf absehbare Zeit zu pausieren. "Wir sehen in dieser Lage kein Szenario, das unser bisheriges ökonomisches wie kulturelles Betriebskonzept in einer Mit-/Post-Corona-Phase wirtschaftlich erscheinen lässt. Und, glaubt uns, wir haben dutzende dieser Szenarien durchgespielt."

Konzentration auf "andere Geschäftsbereiche"

Für Konzerte und Partys bedeutet diese Entscheidung auf absehbare Zeit das Aus: Sie werden auch dann nicht stattfinden, wenn sie rein rechtlich wieder möglich wären. Ob die Kulturevents irgendwann zurückkehren, ist ungewiss. Im Augenblick fehlen jegliche Perspektiven "für eine wirtschaftliche Geschäftsgrundlage als Kulturbetrieb" wie auch Perspektiven "für nachhaltige, innovative und kreative Kulturarbeit".

Die halle02 erklärt dazu: "Die Folgen der Corona-Pandemie können wir aber aus eigener Kraft nicht mehr stemmen. Aus diesem Grund haben wir uns schweren Herzens und nach Abwägung sämtlicher Vor- und Nachteile dazu entschieden, unser Konzept und die Marke halle02, die wir über 18 Jahre aufgebaut und entwickelt haben, bis auf weiteres zu pausieren und uns zunächst auf andere Geschäftsmodelle zu konzentrieren, um ein Überleben des Betriebes vor Ort und damit seine Existenz zu sichern.

Das bedeutet, in der halle 02 werden künftig nur noch wirtschaftlich tragbare Events stattfinden wie beispielsweise Firmenveranstaltungen, Konferenzen oder andere nicht defizitäre Formate. Auch die Entwicklung neuartiger Veranstaltungs-Konzepte ist geplant. Der Bestand der halle02 ist durch Kredite und staatliche Hilfen bis Ende 2021 gesichert.

Keine Abrechnung

Die Geschäftsführer suchen keine Schuldigen. Ausdrücklich betonen sie: "Wir sind aktuell sehr froh, in einem demokratischen Land zu leben, dessen Regierung nüchtern und analytisch den Herausforderungen der Pandemie entgegentritt und somit das Geschehen bislang gut gemeistert hat." 

Ebenso äußern sie sich positiv über die Möglichkeit der Kurzarbeit, über das Konjunkturpaket und Zuschüsse des Landes. An ihrer Entscheidung, keine kulturellen Veranstaltungen mehr durchzuführen, ändert das aber nichts.

Ein herber Verlust

Mit dieser Entscheidung verliert die Rhein-Neckar-Region einen ihrer führenden Musikclubs. Für die gesamte Region ist das ein unersetzlicher Verlust. 

Zudem verdeutlicht das Aus für die Kulturevents in der halle02, dass die deutsche Clubkultur vor einer existentiellen Herausforderung steht. Angesichts fehlender wirtschaftlicher Perspektiven hat die halle02 als erster deutschlandweit bekannter Club die Konsequenzen gezogen.

Es bleibt abzuwarten, wie viele Veranstaltungshäuser in naher Zukunft folgen werden. Die halle02 ist leider nur der Anfang.

⇒ Ein ausführliches Interview mit Felix Grädler zu den Hintergründen findet ihr hier.

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