BAP (live in Ludwigshafen, 2014)

BAP (live in Ludwigshafen, 2014) © Rudi Brand

Die Zeit, in der BAP eine Band waren, ist endgültig abgelaufen. Wolfgang Niedecken bestätigt, dass "Niedeckens BAP" in Zukunft keine feste Besetzung mehr haben wird. Es scheint, als ordne er nach seiner schweren Erkrankung sein musikalisches Leben neu.

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Nachdem wir vor zwei Monaten die offizielle Umbennung  der "Band formaly known as BAP" bekannt gegeben haben und Vermutungen über die Konsequenzen dieser Entscheidung geäußert haben, ist die Katze jetzt aus dem Sack: BAP als Band ist endgültig Geschichte, für weitere Projekte unter dem Namen Niedeckens BAP wird Wolfgang Niedecken seine Mitmusiker situativ aus einem Pool möglicher Kandidaten auswählen.

Ohne zwei langjährige Begleiter

Zu diesem Pool werden allerdings zwei langjährige Mitstreiter nicht mehr gehören: Jürgen Zöller (seit 1987 am Schlagzeug) und Helmut Krumminga (seit 1999 an der Leadgitarre) sind raus. Während der Abschied von Zöller vor zwei Tagen völlig unerwartet bekannt gegeben wurde, gab es über den Verbleib von Krumminga schon seit der Ankündigung, dass er auf der just beendeten Unplugged-Tour nicht dabei sein werde, in Fankreisen wilde Spekulationen.

Während Zöller zeitgleich mit dem BAP-Management und auch Niedecken selbst seine Entscheidung bekannt gab und auch klar nachvollziehbar begründet – ihm werden die langen Tourneen zu viel und er möchte mehr Zeit mit der Familie haben – ist der Fall Krumminga undurchsichtiger. Krumminga gab vor der Tour persönliche familiäre Gründe auf seiner Homepage an, Niedecken vermied das Thema in seinen Tour-Logbuch anzusprechen und äußerte jetzt in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen, dass man sich "auseinandergelebt" habe.

Neuordnung eines Lebens

Auch im Bandumfeld gab es im letzten Jahr einige personelle Veränderungen. Der langjährige Manager Didi Hentschel wurde ohne öffentliche Bekanntgabe ausgetauscht. Und der Germanist Oliver Kobold, der von Niedecken über die letzte Dekade als guter Freund und "Geheimrat" bezeichnet wurde, ist nach der Veröffentlichungen des zweiten Teils ("Zugabe") der gemeinsam verfassten Autobiographie auch offenbar aus dem inner circle gerutscht.

Keine Zweifel, Niedecken ordnet sein Leben nach dem überstanden Schlaganfall neu. Die Hintergründe der jeweiligen Entscheidungen sind nur in Ansätzen bekannt. Offensichtlich ist Niedecken aber der Meinung, dass diese Veränderungen notwendig sind.

Das Ende der Rockband BAP?

Dennoch ist die Aufregung in den Fankreisen derzeit groß: Nachdem die Phase 3 der Band nach dem Ausstieg von Klaus "Major" Heuser und Alex "Effendi" Büchel im Jahr 1999 von vielen Fans als ein harter Schnitt erlebt wurde, ist jetzt das Ende der Ära Krumminga für viele das drohende Ende der Rockband BAP. Das derzeit von Niedecken ausgegebene Primat "schön höösch" (ganz entspannt) trifft nicht auf jedermanns Zustimmung. Für viele Fans ist BAP synonym mit rockigen Gitarrenriffs und –soli und ein Konzert wird als gelungen empfunden, wenn man laut mitklatschen kann.

Aber es gibt auch viele Stimmen, die analog zu der Entwicklung des Bandgründers einen Schritt hin zu entspannter, aber dafür hochklassig arrangierter Musik wie zuletzt sehr reizvoll finden. Das jüngst veröffentlichte Livealbum "Das Märchen vom gezogenen Stecker" beweist, dass in der Umbesetzung gewaltige musikalische Chancen liegen und gibt Anlass zur Hoffnung, dass aus dem Hause Niedecken auch in Zukunft noch tolle Musik kommen wird. Lassen wir uns von dem überraschen, was das Jahr 2016 bringt, für das Niedecken zum 40-jährigen BAP-Jubiläum eine Best-of-Tour angekündigt hat.

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