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Das Brückenaward-Team stand uns kurz vor der 2013er Ausgabe des Winterawards Rede und Antwort © 2012, Brückenaward e.V.

Am 19. Januar 2013 geht der Mannheimer Winteraward im Jugendkulturzentrum Forum Mannheim in die zweite Runde. Die Veranstalter, die 2010 schon den Brückenaward aus dem Boden stampften, versprechen sich durch eine Vereinsgründung das weitere Bestehen der non-kommerziellen Schwester-Festivals. Im Interview mit dem Team erfuhren wir mehr über die Vereinsarbeit und die Entwicklung der vergangenen Jahre. Außerdem erhielten wir einen Ausblick auf den Winteraward 2013 sowie einige Infos mehr darüber, was die Jungs zusätzlich noch anschieben.

regioactive.de: Ihr habt vor kurzem einen Verein gegründet. Warum erst jetzt?

Brückenaward e.V.: Als wir im Frühsommer 2010 das erste kühle Blonde zusammen tranken, waren wir eigentlich nur drei Typen, die gerne mit Generatoren rumspielen. Dass wir uns eines Tages zu Vereinsmeiern aufschwingen würden, war bislang nicht der Plan gewesen. Außerdem mussten wir im kürzlich gegründeten Rama-Studio eine Heizung einbauen. Dafür brauchten wir keinen Verein.

Divide et impera, wie der Lateiner sagt

regioactive.de: Zuvor habt ihr zu viert am Brückenaward gearbeitet – mit Unterstützung natürlich, aber trotzdem eigentlich nur zu viert. Welche Vorteile bringt der Verein jetzt?

Brückenaward e.V.: Es ist einfach schön, wenn man jemanden hat, der einem den Tisch deckt, die Füße hochlegt und das Zepter in die Hand drückt. Da wir so jemanden nicht haben, mussten wir die anfallenden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Für alle, die unsere Arbeit bisher gut fanden, bietet sich jetzt die Möglichkeit, irgendwo zu unterschreiben, bevor es zum Anpacken (und Biertrinken) unter die Brücke geht.

regioactive.de: Wie kann man Mitglied im Verein werden? Wo muss ich mich da melden? Kann man den Verein sonst unterstützen?

Brückenaward e.V.: Wer dem Verein beitreten will, muss natürlich eine Menge Auflagen erfüllen. Dazu zählen Coolness und Stilsicherheit ebenso wie der Wille zum absoluten Gehorsam und die Überweisung von jährlich 25 Euro Mitgliedsbeitrag. Der Kontakt ist jederzeit über unsere Homepage möglich. Wem das nicht entspricht, kann auch Geld- und Sachspenden bei uns abgeben. Wir nehmen bei jeder unserer Veranstaltungen Salat-, Kuchen- und Bierspenden gerne entgegen. Einmal wollte auch jemand seine Videokamera dalassen, aber das war uns zu heikel.

"Wir würden gern morgen hier ein Rockfestival veranstalten"

regioactive.de: Der zweite Winteraward steht bevor. Auf was können wir uns freuen? Was ändert sich im Vergleich zum ersten Winteraward?

Brückenaward e.V.: Stark gewandelt hat sich neben der Jahreszahl auch die Geilheit des offiziellen Plakats, auf dem als Hauptdarsteller einer der Verstärker aus der Sammlung des Rama-Studios mitgewirkt hat. Wir müssen jetzt oft nächtelang immer wieder durch dieselben Straßen und Lokale ziehen, um von Fans geklaute Winteraward-Poster wieder aufzuhängen. An dieser Stelle sei unserer Grafik-Abteilung für ihre absolut professionale Arbeit noch einmal sehr gedankt!

regioactive.de: War der Winteraward eigentlich jemals so geplant wie der Brückenaward? Wir haben den Eindruck, dass er eher zufällig entstand.

Brückenaward e.V.: Ja, ins Forum der Jugend sind wir tatsächlich eher reingestolpert, als uns im Sommer 2011 eine Armageddon-mäßige Gewitterwolke im Nacken saß, und wir nicht tatenlos zusehen wollten, wie all unsere schönen Bands mitsamt ihrem pervers guten Equipment den Neckar runtergeschwemmt, über den Rhein an Holland vorbeigetrieben, und nach Durchquerung der Nordsee ins Packeis gespült werden. Überleg mal! Nicht auszudenken... Im Forum hat uns damals einen Tag vor der Veranstaltung gegen 15:45 Uhr die letzte verbleibende Superpraktikantin eine Viertelstunde vor der Sommerpause noch die Kontakte hergestellt, um keine 24 Stunden später dort den ersten (und hoffentlich einzigen) Indoor-Brückenaward abzuziehen. Nach wie vor gebührt den Jungs und Mädels vom Forum unser ganzer Respekt. Oder wie würdest du reagieren, wenn abends jemand bei dir klingelt und sagt: "Hallo. Wir würden gern morgen hier ein Rockfestival veranstalten. Geht das?"

regioactive.de: Den Brückenaward und Winteraward gibt es jetzt bereits länger als viele Studenten in Mannheim leben. Da lohnt sich ein Rückblick. Seid ihr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung eures Babys oder gibt es Dinge, die ihr hättet besser machen wollen?

Brückenaward e.V.: Die Schnelllebigkeit der Universitäten erschreckt uns natürlich auch. Wir wirken dem allmählichen Verfall der Gemütlichkeit jetzt mit extrem langatmigen Vereins-Sitzungen entgegen. Außerdem benutzen wir on Stage fast ausschließlich Vintage-Mikrofone aus den 70ern oder späten 60ern. Ansonsten sehen wir den bisherigen Gang der Dinge unter der Brücke und um den Award sehr positiv. Was uns jedes Mal aufs Neue begeistert, ist der allgemeine Willen und die Bereitschaft vieler Menschen, mit denen wir zu tun haben, sich mit Rat und Tat an dem Projekt zu beteiligen. Dies gilt sowohl für die unzähligen freiwilligen Helfer, als auch für die beteiligten Firmen und Dienstleister, die uns absolute Spottpreise anbieten und natürlich die Bands selbst, die durch die Bank auf ihre Gagen verzichten.

Weiterlesen: Die musikalische Zukunft des Festivals, das Brückenaward-Zelt auf dem Maifeld Derby und die Relevanz von Sponsoren-Unterstützung…

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"Ein Angebot, das sie nicht ablehnen können"

regioactive.de: Zum Thema Bands: Dürfen sich Freunde gitarrenfremder Klänge auch einmal über den Brückenaward freuen? Bisher ging bei euch ja immer nur Rock in vielen möglichen Spielformen, aber sowas wie richtigen HipHop haben wir noch nie gesehen.

Brückenaward e.V.: Diese Menschen dürfen sich selbstverständlich auch freuen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Außerdem hatten wir mit Home Beat Home im vergangenen Jahr bereits eine HipHop-Combo bei uns auf der Bühne. Die haben sich da so wohlgefühlt, dass wir sie kaum wieder runterbekommen hätten. Allerdings wissen wir nicht genau, wie man sowas bei uns im Rama-Studio mikrofonieren müsste, damit es nach Metal klingt.

regioactive.de: In diesem Jahr habt ihr eine Nachforderung von der GEMA für die letzten Festivals erhalten. Ging das gut aus?

Brückenaward e.V.: Wir haben ihnen ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten. In unserer Crew ist ein Nerd, der sicher auch bei euch ein paar Groschen retten könnte. Generell mögen wir Institutionen wie die GEMA nicht so gern, aber dafür finden wir den Burger aus der Kombüse ganz geil!

Zwischen Schufterei und Bierspende

regioactive.de: Apropos Schleichwerbung; Ihr werdet von vielen Partner und Sponsoren unterstützt, unter anderem auch von regioactive. Wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus?

Brückenaward e.V.: Ganz besonders die Unterstützung von regioactive hilft uns, das tage- und nächtelange Schuften mit ein paar Fässern kühlem Bier besser durchhalten zu können! Im Ernst: Ohne die regelmäßige Bierspende hätte es von Anfang an sehr viel schlechter ausgesehen für uns. Und ohne die unschätzbar wertvolle Hilfe von Lite-Tech oder auch den spendablen Damen und Herren vom Generatoren- oder Toiletten-Verleih müssten wir wahrscheinlich Briefmarken sammeln anstatt Festivals zu organisieren. Wir gehen auch immer wieder gern auf Szene-Neulinge wie den Teufel oder die Kombüse zu, die uns dann mit Mexikaner bzw. vegetarischem Essen versorgen. Danke an beide! Das Rama-Studio hat uns übrigens schon kostenlos Equipment zur Verfügung gestellt, als es noch gar nicht existiert hat. Beeindruckend, nicht wahr?

regioactive.de: Neben den Sponsoren lebt ihr von freiwilligen Spenden, die bisher immer, falls etwas übrig blieb, gespendet wurden. Wer darf sich diesmal über das Geld freuen?

Brückenaward e.V.: Das werden wir wie fast immer erst kurzfristig entscheiden. Es fehlt ja eigentlich überall.

"Streng geheim und total geheimnisvoll..!"

regioactive.de: Bisher bekamen alle Bands von euch immer gleiche Chancen, indem ihr die Running Order vorher nicht öffentlich macht. Gibt es das diesmal wieder und wie kamt ihr auf die Idee? Wie nehmen die Bands das an?

Brückenaward e.V.: Das ist wieder mal streng geheim und total geheimnisvoll..! Bisher waren die Bands auch immer damit einverstanden, dass wir ihnen im Vorfeld trotzdem verraten haben, wann sie dran sind.

regioactive.de: Beim letzten Maifeld Derby gab es ein eigenes Brückenaward-Zelt. Welche Reaktionen gab es darauf? Wird es das im nächsten Jahr wieder geben?

Brückenaward e.V.: Das Zelt an sich war ja farblich eher schlicht, aufgrund des starken Regens am zweiten Tag hat sich daran aber kaum jemand gestört. Viele fanden aber auch die Musik und die faszinierende Lichterschau sehr ansprechend. Einiges davon hat sogar uns selbst gefallen. Die ein oder andere Band wird deshalb sicher in Kürze im Rama-Studio ein Album oder eine EP aufnehmen. Ansonsten wird es auch 2013 wieder ein eigenes Brückenaward-Zelt geben. Wir präsentieren dort ziemlich derben Hardnoise und Shoecore.

Mannheim hat kulturell die Nase vorn

regioactive.de: In letzter Zeit geht es im Bereich Musik, Kunst und den möglichen Orten dafür ja hoch her: In Heidelberg ist der Teufel los, ernsthaft betriebene Unterstützung seitens der Stadt scheint es nicht zu geben. In Ludwigshafen dagegen will sich nicht so richtig etwas herausbilden, obwohl es ebenfalls eine große Stadt ist. Mannheim scheint sowohl örtlich als auch mit seinem ganzen Konzept mittendrin zu stehen. Wie beurteilt ihr die Lage der Stadt im Vergleich zum restlichen Rhein-Neckar-Gebiet: Ist es für Kulturprojekte wie den Brücken- und Winteraward in Mannheim einfacher als in anderen Städten der Region?

Brückenaward e.V.: Nachdem wir das Konzept auch in anderen Metropolen vorstellen und Vergleichsangebote einholen wollten, sind schließlich wir aus Gründen der Pragmatik und auch nicht zuletzt der Heimatverbundenheit in den eigenen viertausend Wänden geblieben. Wir möchten den Kerngedanken jedoch weitergeben und Musikbegeisterte und lokale Bands dazu ermutigen, ihre eigenen Festivals und Konzertabende zu veranstalten. So einen Award zu organisieren ist im Prinzip viel einfacher, als man denkt, und wenn sowas in Mannheim funktioniert, dann müsste das in anderen Städten geradezu ein Kinderspiel sein.

Wir geben da auch gerne Hilfestellung. Heidelberg scheint sich ja leider kulturell von innen selbst zu schlachten, während Ludwigshafen in Kürze aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte. Es ist einfach eine Zeit des Wandels, der Veränderung und der Redundanz. Am Vorabend der Kulturrevolution 2020 scheint einfach alles möglich. Sogar das Selbstverständliche.

regioactive.de: Danke für das Interview; wir sehen uns am neunzehnten im Forum!

Winteraward 2013 am 19.1.13 im Forum Mannheim: mit The Hirsch Effekt, Whalerider, Watered, Juvenalis, Apach-o-matic, The Bamboos und Livin' Desert.

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