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Battles © Warp Records

Was tun, wenn sich vier Ausnahme-Musiker langweilen? Einfach schnell eine neue Band gründen, Laptops kaufen und sich mit allerlei Effektgeräten im Proberaum einquartieren. Das New Yorker Quartett Battles besteht tatsächlich aus einer Art All-Star Band.

Angefangen bei Ex-Helmet und Tomahawk-Schlagzeuger John Stanier und Ian Williams, dem ehemaligen Gitarritsten von Don Caballero, über den Soundtüftler Tyondai Braxton bis hin zum letzen im Bunde, dem Lynx-Bassisten Dave Konopka. Das aktuelle Album Mirrored, welches auf dem britischen Label Warp Records erschienen ist, wurde von der Fachpresse hoch gelobt und gilt schon als Meilenstein in diesem Bereich: Selten sind komplexe Elemente aus Electronica so intensiv mit den im Rock üblichen Instrumenten verschmolzen, wie es auf Mirrored der Fall ist. Im Rahmen einer ausführlichen Tour sind Battles auch in Deutschland unterwegs und man durfte gespannt sein, ob sich dieser innovative Sound auf der Bühne ebenfalls umsetzen lässt.

Trotz der sperrigen Arrangements auf diesem Album ist der Karlstorbahnhof in Heidelberg gut besucht, was die Hoffnung auf ein aufregendes Konzert schon vorab stärkt. Ziemlich pünktlich zum offiziellen Konzertbeginn betritt Dave Konopka die Bühne und begibt sich an seine Position, nur kurze Zeit später erscheinen auch Tyondai Braxton und Ian Williams. Die bis dahin noch leicht zurückgehaltenen Jubelrufe des Publikums animieren letztendlich auch John Stanier auf die Bühne zu kommen und sich an sein Schlagzeug zu setzen. Wirklich bemerkenswert ist der Aufbau der Instrumente: John Stanier sitzt mit seinem Set ganz vorne, während Dave Konopka hinter ihm steht und sich so auch um die Verstärker-Konfigurationen kümmern kann. Tyondai Braxton befindet sich mit Keyboard, Gitarre und Laptop links neben Stanier, während Ian Williams rechts platziert ist.

Schon der erste Song lässt Großes erahnen, denn die dargebotene Präzision und Energie – ganz zu schweigen von dem hohen Tempo – sind nahezu unfassbar. John Stanier bearbeitet die Snare dermaßen intensiv, dass er schon nach wenigen Minuten so aussieht, als käme er gerade von einem Marathonlauf. Ian Williams spielt währenddessen Gitarre und Keyboard gleichzeitig und Tyondai Braxton kümmert sich um die Effektsektion. Die Stimmung im Karlstorbahnhof ist hervorragend und schwankt regelrecht zwischen Faszination und ausgelassenen Tanzeinlagen. Spätestens ab dem Song Atlas haben Battles auch die skeptischsten Gäste im Griff und es kommt sogar richtige "Saturday Night Club"-Stimmung auf. Gelegentlich fällt es einem schwer, überhaupt an eine Live-Band zu glauben, denn die Musik ist stellenweise sehr tanzbar und klingt, als käme sie aus dem Rechner. Doch das hämmernde Fußpedal von John Stanier holt jeden auf den Boden der Realität zurück. Auf der Bühne scheint die Dynamik für die Band eine weit größere Rolle zu spielen als im Studio, denn während die Songs auf Platte recht programmiert wirken, wird live ständig zwischen lauten und leisen Passagen gewechselt.

Gespielt werden Songs vom aktuellen Album und von den ersten EPs, die zusammengefasst als Album ebenfalls auf Warp erschienen sind. Bis zum Ende liefern Battles ein wahnsinniges Konzert ab, das den Adrenalin-Spiegel gehörig nach oben treibt. Eine kurze Zugabe und nach etwa 60 Minuten ist dieses Spektakel vorbei. Vielleicht etwas zu kurz, doch zumindest John Stanier hat eine Pause mehr als nötig.

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