Kraftklub sind eine der gehyptesten deutschen Bands in diesem Jahr, vor allem die Anti-Hymne "Ich will nicht nach Berlin" hat große Wellen geschlagen. Live war der Titel der absolute Höhepunkt des Konzertes.

Kraftklub sind eine der gehyptesten deutschen Bands in diesem Jahr, vor allem die Anti-Hymne "Ich will nicht nach Berlin" hat große Wellen geschlagen. Live war der Titel der absolute Höhepunkt des Konzertes.

Kraftklub sind eine der gehyptesten deutschen Bands in diesem Jahr, vor allem die Anti-Hymne "Ich will nicht nach Berlin" hat große Wellen geschlagen. Im Januar 2012 wird ihr Debütalbum "Mit K" erscheinen, das sie auf ihrer gerade laufenden "Autobahn zur Hölle"-Tour vorstellen. Im Weinheimer Café Central zeigten die Chemnitzer, dass der Wirbel um sie so bald nicht aufhören wird - volle und ausverkaufte Clubs standen bisher auf der Tagesordnung.

{image}Für Kraftklub läuft dieses Jahr alles wie im Bilderbuch ab: Zuerst supporten sie die Beatsteaks, spielen danach auf allen möglichen Festivals (darunter beim splash! oder bei Rock am Ring), belegen bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest den fünften Platz und gehen schließlich auf ihre eigene Tour durch kleinere Clubs, die oftmals ausverkauft sind. Doch warum schafft es gerade diese Band, die unterschiedlichsten Leute für sich zu begeistern? Sicherlich ist ein TV-Auftritt nicht die schlechteste Variante, um eine Menge Leute in allen Teilen des Landes auf einmal anzusprechen. Aber das hätte auch nach hinten losgehen können, wie die letztplatzierte Band Muttersöhnchen mit Sicherheit bestätigen können. Stattdessen stehen sie im vollen Weinheimer Café Central vor den klassischen Studenten, Teenies bei ihrem ersten Konzert oder auch vor den etwas gestandeneren Herrschaften, die sich das eben mal ansehen wollen.

{image}Dass Kraftklub trotz des angeblich so außergewöhnlichen Mixes aus deutschem Rap und Indiemucke das Rad nicht neu erfinden, sei hier kurz am Rande erwähnt. Ob Anklänge an Deichkind (Fotos von mir) oder Gitarrensounds wie bei den Arctic Monkeys oder The Hives (Ich hau rein), in jedem Song kann man den ein oder anderen Einfluss heraushören. Aber nicht jeder muss mit gezückter Fahne herumlaufen und behaupten, als erster auf dem Mond gelandet zu sein. Und das machen die fünf Chemnitzer auch nicht, sondern zelebrieren schlicht und einfach ihre Musik, so dass das Publikum voll auf seine Kosten kommt. Es macht auch nichts, dass nicht jeder Ton sitzt. Will man Rockklassiker hören, geht man zu Peter Maffay. Will man eine ausgetüftelte Show, ist man mit Daniel Schuhmacher gut bedient. Aber will man einen ausgelassenen, tanzbaren und nicht immer ernstzunehmenden Abend, geht der geneigte Feiermensch zu Kraftklub.

Dass man die Indie-Rapper deshalb nicht gleich als Nonsens-Band abstempeln sollte, zeigen ihre raffinierten und auch kritischen Texte wie zum Beispiel in Zu Jung. Als "DeutschPoeten" werden sie betitelt, was zu einem gewissen Grad auch attestiert werden kann – es lassen sich viele schöne Wortspiele und sprachliche Finessen in den Texten finden. Dazu strahlen sie live noch eine Lockerheit aus, die sie in die Rolle des abgedrehten, aber nicht zu aufdringlichen Entertainers packt.

{image}Als nette Abwechslung haben sich Kraftklub mitten im Konzert ihre Vorband The Durango Riot auf die Bühne geholt, um mit den Schweden einen Song gemeinsam zu spielen. Laut Sänger/Rapper Felix Brummer wurde das zur Gewohnheit, nachdem Schlagzeuger Max bei einer vergangenen Show einfach von der Bühne ging und The Rango Riot für ihn einsprangen. An diesem Abend ertönte dann in trauter Zweisamkeit das besinnliche Blitzkrieg Bob der Ramones im Café Central. Ob The Durango Riot die nächsten Mando Diao werden, wie Brummer prophezeite, bleibt zwar abzuwarten, aber als Support und Zwischeneinlage haben sie ihren Job ordentlich gemacht.

Trotz des aktuellen Hypes um die Chemnitzer hat man in Weinheim den Eindruck gehabt, dass Kraftklub weit davon entfernt sind, ein zu großes Ego mit den passenden Allüren zu entwickeln. Durch die Verbindung zwischen Rap und Indie haben sie zwar auch nach dem Liveerlebnis noch immer nicht der Schwerkraft getrotzt – man kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, dass man in den kommenden Jahren noch mehr von Kraftklub hören wird. Und das Beste an ihren Konzerten: Man bekommt bei Kraftklub genau das, was man erwartet – es gibt sicherlich schlechtere Alternativen!

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