Alice Cooper (Pressefoto, 2011)

Alice Cooper (Pressefoto, 2011) © Hammerl Kommunikation

Gespenster, Zombies, Monster, Kürbisse, Alice Cooper. Pünktlich zur schaurigen Jahreszeit verschlug es den Erfinder des Schockrocks im Rahmen seiner "No More Mr. Nice Guy"-Tour in die heiligen Hallen des Mannheimer Rosengartens. Und mit ihm 2.000 weitere finstere Gestalten, die teilweise selbst gerne in die Schminkkiste griffen. Vorboten des Fürsten der Finsternis waren ausnahmsweise nicht vier apokalyptische Reiter, sondern das Rockquintett The Treatment aus Campridge.

{image}Bevor der Meister persönlich die Bühne betrat, bereiteten die Jungs von The Treatment ihm den Weg – mit einem Sound, der vermutlich durch ausgiebiges Wühlen in Daddys alter Plattenkiste und Stephen Hereks Film Rockstar entstand. Dass The Treatment gut ankamen und prächtig gefeiert wurden, lag nicht nur an den Analogien zu Def Leppard, Thin Lizzy, Judas Priest und Aerosmith & Co, sondern auch am beherzten In-die-Saiten-Greifen. Obwohl die fünf Engländer dem Publikum zahlen- und vor allem altersmäßig deutlich unterlegen waren, hauten sie der Zuhörerschaft ihr Debüt This Might Hurt souverän um die Ohren. Nach einer guten dreiviertel Stunde war es dann soweit: Zum von Horror-Legende Vincent Price (Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes) verlesenen Intro, wurde Mr. Alice Cooper auf einem überdimensionalen Rednerpult mitsamt 8-Arm-Spinnen-Outfit angekarrt – passend zum Opener Black Widow. Zu seinen Füßen in militärischer Formation: Guiness Buch-Rekordhalter Glen Sobel (für die meisten Trommelschläge pro Minute) hinter der Trommelbatterie, Chuck Garric am Bass sowie Tommy Henriksen, Steve Hunter und Orianthi an den elektronisch verstärkten Gitarren. Einzig die 24-jährige Blondine Orianthi wirkte neben den Herren optisch etwas deplaziert, was aber durch ihre spielerische Perfektion musikalisch nicht auffiel.

{image}Die Setlist war mit Titeln wie I’m Eighteen, Billion Dollar Babies und Poison mindestens genauso voll gepackt und abwechslungsreich wie Coopers Garderobe. Fast zu jedem Stück musste wenigstens in einem neuen Oberteil über die Bühne stolziert werden. Dies hatte jedoch nicht nur stilistische Hintergründe, Cooper nutzte seine Klamotten auch gerne als Werbefläche in eigener Sache. Songs aus dem neuen Welcome 2 My Nightmare Langspieler wurden gar per Glitter-Schriftzug "New Song" auf der Rückseite seiner Ledertracht angekündigt. Selbstverständlich durften dann die Songtitel wie  I’ll Bite Your Face Off in "blutenden" Lettern auf dem sich darunter befindlichen weißen Shirt nicht fehlen.

{image}Da Lehrer bekanntlicherweise genau wissen, was es mit einer Erwartungshaltung auf sich hat, packte Alice Cooper all die beliebten Utensilien vergangener Shows in die leicht angestaubte Bühnenshow. Seit Wayne’s World dürfte wohl auch dem Letzten bekannt sein, dass Herr Cooper sich in seinem lang zurückliegenden zivilen Leben die Brötchen als Geschichtslehrer verdient hat. Somit waren ein vier Meter hohes Frankensteinmonster, eine inszenierte Paparazzo-Hinrichtung, eine Guillotine sowie eine Schlange (der niemand den Kopf abbiss) auf dem Spielplan vertreten.

Nach gut 90 Minuten war es dann soweit: nach diversen Soli seiner treuen Spielmänner und -Frauen, diversen Hieb- und Stichwaffen und einer Wiederauferstehung, erklang das von allen ersehnte School’s Out – mitsamt Pink Floyd-Zitat. Der Mann hat es immer noch drauf. Dass Mister Cooper nicht bis zur Geisterstunde und ohne Zugabe gespielt hat, sei ihm unter Berücksichtigung seines doch stattlichen Alters verziehen. Das Erbe des Shock-Rock haben ja mittlerweile andere angetreten.

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