The Avett Brothers (ohne Jacob Edwards)

The Avett Brothers (ohne Jacob Edwards)

Obwohl das letzte Album der Avett Brothers "I and Love and You" schon vor über einem Jahr das Licht des Musikmarktes erblickte, beglücken die sympathischen Amerikaner aus North Carolina ihre deutschen Fans zur Zeit mit einer kleinen Tour durch die Republik. Am Mittwoch waren sie zu Gast im Berliner Astra Kulturhaus und zeigten, dass sie auch ohne neues Album zu musikalischen Höchstleistungen fähig sind.

{image}Endlich mal wieder ein schöner warmer Sommerabend in Berlin. Dennoch haben sich an diesem Mittwoch viele Menschen entschieden, diesen zumindest teilweise drinnen zu verbringen. Der Grund: die Avett Brothers sind in der Stadt. Spätestens als diese ihr Konzert ein paar Stunden später beenden, steht fest, dass die Entscheidung, den Abend mit den Jungs im stickigen Saal anstatt mit kühlem Radler und frischer Luft zu verbringen, eine gute war. Damit das Publikum nicht unaufgewärmt dem Konzert der Amerikaner beiwohnen muss, machen an diesem Abend die Berliner von The Charcoal Sunset den Anfang und schaffen es schnell, trotz ihrer eher geringen Bekanntheit viele Frischluftfreunde vor die Bühne zu ziehen. Zur Verstärkung hat sich die vierköpfige Band Boris Exton von Chikinki eingeladen, der sie auf dieser Tour tatkräftig an Geige und Keyboards unterstützt. Das kommt dem Sound der Band wirklich zu Gute und lässt die etwas Folk und Country beeinflussten Rocksongs wesentlich voller klingen, so dass diese einen leichten und direkten Weg ins Ohr finden. Auch die Begeisterung des Publikums wächst mit jedem Song. Da kann man nur sagen: weiter so!

{image}Kurz darauf betreten dann die Avett Brothers die Bühne und zeigen gleich beim Opener Head Full Of Doubt, Road Full Of Promise, dass sie an diesem Abend in Topform sind. Der Gesang der beiden Brüder Seth und Scott Avett harmoniert durchweg perfekt, wie man es auch von ihren Studioaufnahmen kennt und auch sonst scheint die Band in bester Laune zu sein. Neben den beiden Brüdern fällt vor allem der Cellist Joe Kwon angenehm auf, indem er sein normalerweise weniger mobiles Instrument herumwirbelt, dass Apocalyptica neben ihm blass aussehen würden. Beim zweiten Song wünscht man sich dann einen Cowboyhut auf den Kopf und einen Grashalm zwischen die Zähne. Die Avett Brothers kommen aus Richtung Country und das ist auch gut so. Denn sie tragen gehörig dazu bei, dass dieser Musikstil mal ordentlich entstaubt wird und auch wieder jüngeres Publikum dieser Musik zugetan ist.

{image}Zwischendurch machen dann die beiden Avett-Brüder eine kleine Duo-Show und lassen mit melancholischem, zweistimmigem Gesang bei Ten Thousand Words so viel amerikanisches Familienideal ins Publikum fließen, wie man es sonst nur aus Disneyfilmen kennt. Aber auch das ist in Ordnung, denn das gehört dazu. Da darf man auch mal ein Tränchen verdrücken und laut "Hach..." sagen. Danach wird dann weiter geschunkelt und gehüpft, die Avett Brothers betonen wieder und wieder ihre Dankbarkeit für das freundliche Publikum und dieses antwortet mit viel "Wuuhuu!", Mitklatschen und Liebe. Das haben sie sich auch verdient.

Nach guten 90 Minuten ist dann auch die letzte Zugabe verklungen und statt Wüstenwind und Pferd warten draußen nur Biergarten und BVG auf die glücklichen Konzertbesucher. Jetzt heißt es wieder warten, auf das nächste Album und das nächste Konzert.

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