Alex Max Band (live beim SWR3 New Pop Festival, 2010)

Alex Max Band (live beim SWR3 New Pop Festival, 2010) © René Peschel

Seit 1994 lädt der SWR3 alljährlich nach Baden-Baden zum New Pop Festival und verwandelt dadurch den mondänen Kurort in eine Bühne für aktuelle Popmusik. Die Stadt nutzt die Gelegenheit, um sich als "New Pop City" selbst zu feiern und sich Besuchern aus nah und fern von einer ganz ungewohnten, jugendlichen Seite zu präsentieren.

{image}Alex Max Band ist nicht der Name einer Band, sondern der einer Person, nämlich des ehemaligen Leadsängers von The Calling, der mit Nachnamen eben Band heißt. Nach der Auflösung seiner alten Gruppe ist Alex Max jetzt auf Solopfaden unterwegs, genauer gesagt mit einer Band (ha!), deren Aufgabe darin besteht, möglichst unauffällig zu spielen und so wenig wie möglich von dem gutaussehenden, stimmgewaltigen Sänger abzulenken. Auf eine Vorstellung der Bandmitglieder verzichtet der Sänger daher. Alex Max Band spielt und singt einen generischen Hardrock, der so durchgeplant und konstruiert ist, dass zu keiner Zeit der Eindruck übermäßiger Kreativität oder Originalität entsteht.

{image}Er verkauft sich als Rocker, der sich nicht scheut, Gefühle zu zeigen und erobert damit die Herzen der kreischenden Teenies genauso wie der ihrer Mütter und Großmütter. Sogar einige ältere Herren nicken anerkennend im Hintergrund, denn Alex Max Band bedient sich der klassischen Instrumente und Posen der Rockmusik, so dass an seiner Männlichkeit trotz Emo-Frisur keine ernsthaften Zweifel bestehen. Das gesamte Konzert ist so familientauglich wie ein Ausflug in einen Vergnügungspark. Die glänzende Stimmung wird höchstens durch seine ständige Selbstbewerbung und Selbstbeweihräucherung getrübt, die im Publikum deutlich vernehmbaren Unmut und Spott erregt. Andauernd erwähnt Alex Max Band die Veröffentlichung seines just an diesem Tag erschienen Albums, blickt mit glänzend gespielter Demut und Bescheidenheit auf die ihm zuteil gewordenen Erfolge zurück und vergisst dabei nie, gut auszusehen. Da Alex Max Band aber aus einem Fundus ordentlicher Songs schöpfen kann und über eine gewisse Bühnenpräsenz verfügt, liefert er einen routinierten Auftritt ab, der nie wirklich langweilig oder gar unerträglich ist.

Robert Francis präsentiert sich in optischer Hinsicht als das krasse Gegenteil von Alex Max Band. Lässige Jeans, Holzfällerhemd und Dreitagebart signalisieren, dass nicht jede Bühnenbewegung von einer Armada aus professionellen Beratern geplant wurde. "Seht her, ich bin authentisch", scheint er dem Publikum zuzurufen, "mir geht es wirklich nur um die Musik – und euch auch, denn ihr seid hier!" Allerdings bedient Robert Francis eine ganz ähnliche Zielgruppe wie Alex Max Band vorher, ohne freilich nur über einen Bruchteil des Charismas zu verfügen. So schloddert sich Francis durch seinen Auftritt, der abgesehen von seinem Hit Junebug kaum Höhepunkte bereit hält. Dafür versorgt er das duldsame Publikum mit einigen Rocksongs, die planlos durch die Gegend poltern und mit vor allem zahlreichen Herzschmerzballaden, die Francis zur Freude seiner jugendlichen Fans in den ersten Reihen inbrüstig dem Publikum entgegenschmettert.

{image}Angesichts seiner banalen und flachen Lieder verwundert es nicht, dass Robert Francis zu keinem Zeitpunkt zu überzeugen vermag. Da man in den USA weitaus bessere Singer und Songwriter bzw. Softrocker an jeder Straßenecke findet, stellt sich die Frage, wie ausgerechnet Francis zu der gänzlich unverdienten Ehre dieses Auftritts kam. Eine Antwort darauf liefert wohl seine Herkunft, denn sowohl sein Vater, als auch seine Mutter verfügen als Musikproduzent bzw. Sängerin über zahlreiche Kontakte in der Musikszene von Los Angeles. Seine erste Gitarre bekam Francis beispielsweise, so erzählt er, von Ry Cooder geschenkt. Diesen Hintergrund hat er mit Alex Max Band gemein, der ebenfalls aus Los Angeles stammt und dessen Vater als Filmproduzent arbeitet. So erweisen sich die angeblich unverfälschte Authentizität von Francis und die hochglanzpolierte Professionalität von Band lediglich als zwei unterschiedliche Aspekte der kalifornischen Musik- und Showbusinessszene, die in Deutschland als das jeweilige next big thing verkauft werden. Kein Wunder, dass man vom Showbusiness redet.

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{image}Fotogalerien: Das SWR3 New Pop Festival 2010 in Baden-Baden:

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