Nas

Nas © Universal

Als hätte die afrikanische Sonne ihre Fühler ausgestreckt, um Nas und Damian Marley in noch hellerem Licht erscheinen zu lassen, gab es unter einem strahlend blauen Himmel eine Reggae-Hip-Hop-Fusion der Extraklasse.

{image}Zunächst wurde aber das Publikum mit feinsten Dancehall-Vibes der jamaikanischen Vier-Mann-Formation T.O.K. eingestimmt, wobei das Ärschewackeln alsbald zum Kopfnicken umfungiert wurde, als der DJ die Bühne betrat. Es folgte ein exzellentes Oldschool-Hip-Hop und Reggae Medley, bei dem eines jedoch bereits klar wurde: Die zweite musikalische Kollaboration der beiden Urgesteine Nasir Jones a.k.a Nas und Damian "Jr. Gong" Marley (das erste Mal setzte man sich vor fünf Jahren für Road to Zion zusammen) stand ganz im Sinne einer politischen und kulturellen Afrika-Aufklärungsarbeit – auch der gesamte Erlös des im Mai veröffentlichten Albums Distant Relatives geht an ein afrikanisches Charity Projekt. Das beachtenswerte politische Engagement der beiden sollte am Dienstagabend aber nicht mit Tadel und Vorwürfen vollgepacktem Müßiggang à la Nneka, sondern durch musikalische Höhenflüge vom Winde getragen und verbreitet werden.

{image}Zwar blieb der finale Orkan letztendlich aus, aber gute zwei Stunden wehte eine wirklich angenehme Brise. Ungewohnt dezent, in grauer Jogginghose, schwarzem T-Shit und einer unscheinbaren schwarzen Sonnenbrille, stürmte Nas mit "Jr. Gong", seinem Bruder im Geiste, dessen Dreads wie gewohnt fast bis zum Boden reichten, mit As We Enter unter lautem Beifall die sonnengeladene Bühne. Von da an präsentierte sich dem Publikum ein feines, musikalisches Pingpong-Spiel. Klar definiert, hatte jeder seinen Part in diesem harmonischen Schlagabtausch. Während Damian Marley für den eher besonnenen Part zuständig war und mit entkrampfter Stimme verkündete "I got the ganja", nahm Nas mit leichter Hand den Ball entgegen und schmetterte ihn unverfroren und unausweichlich mit einem "And I can speak rap star" in Richtung Publikum.

So präsentierten sie fast alle Songs des neuen Albums in einem harmonischen Nebeneinander, ohne jedoch wirklich jemals richtig miteinander zu verschmelzen. Nur bei dem Lied Patience schien dies zu gelingen und was bis dahin ohnehin schon ein exzellentes Windspiel gewesen war, wurde für einen kurzen Anflug sogar noch zu einem echten Gänsehauterlebnis. Der poetische Tiefgang beider Musiker ergänzte sich perfekt mit einem lyrischen Schlagabtausch wie:

"Huh, we born not knowing, are we born knowing all? / We growing wiser, are we just growing tall? / Can you read thoughts? / Can you read palms? / Huh, can you predict the future? /Can you see storms...coming?" (Damian Marley) 

und

“Who made up words? / Who made up numbers? / And what kind of spell is mankind under? / Everything on the planet we preserve and can it / Microwaved it and try it"  (Nas).

{image}Durchweg auf musikalischer Augenhöhe präsentierten Nas und Damian Marley dem Publikum dann auch jeweils getrennt ihre wichtigsten Hits. Während bei Marleys Welcome to Jamrock alles in rot-gelb-grünes Licht getaucht war, streckte die Hip-Hop-Fraktion bei Klassikern wie Nas Is Like, Hip Hop Is Dead, Hate Me Now oder auch If I Ruled The World die Fäuste gen Himmel. Der legendäre Lauryn Hill Ohrwurm verfolgte einen dann auch noch auf wundersame Weise bis spät in die Nacht.

Dann wurde die Sonne langsam aber sicher von der Dunkelheit abgelöst und Nas und Damian Marley gingen mit dem Bob Marley & The Wailers Klassiker Could You Be Loved von der Bühne, wie sie gekommen waren: vom Winde getragen.

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