Mark Knopfler (live in Mannheim, 2010)

Mark Knopfler (live in Mannheim, 2010) © René Peschel

Im Rahmen seiner "Get Lucky"-Welttournee machte Mark Knopfler Station in Mannheim, wo er mit einer Mischung aus Dire Straits-Klassikern und seinen Solosongs mit Unterstützung seiner exzellenten Band nahezu alle Erwartungen erfüllte.

{image}Im letzten Jahr veröffentlichte der Ex-Dire Straits-Kopf mit Get Lucky sein sechstes Soloalbum (lässt man Soundtracks außen vor), das sowohl bei Kritikern als auch bei den Fans gut ankam. Der erste und letzte Song von Get Lucky setzten auch den Rahmen des Mannheimer Konzertes in der ausverkauften SAP-Arena. Zwischendrin fand aber außer diesen beiden Liedern nur der Titeltrack als weiterer neuer Song den Einzug ins Set – was sehr bedauerlich war, immerhin kann man bei einer "Get Lucky"-Tour auch neues Material erwarten. Nahezu prominent war dagegen das 2000er-Album Sailing to Philadelphia vertreten, von dem es gleich vier Songs zu hören gab.

{image}Das Konkurrenzprogramm an diesem Abend war beachtlich, – immerhin spielte an diesem Abend die deutsche Nationalmannschaft ihr entscheidendes letztes Vorrundenspiel gegen Ghana – trotzdem war die SAP-Arena voll besetzt. Vermutlich haben aber auch viele Fans ihre Tickets schon gekauft, bevor der WM-Spielplan bekannt war. Mark Knopfler absolvierte das Konzert sitzend, denn sein Rücken machte ihm Probleme – was ihn aber nicht davon abgehalten hat, auf Tour zu gehen. Bewegung war indes nie ein herausragendes Merkmal seiner Shows, insofern ging dem Konzert ob diesem Umstand nichts ab. Allerdings steht fast zu befürchten, dass er sich auch nach Ende seiner Beschwerden von dem Drehstuhl nicht mehr trennen mag, jedenfalls konnte man das aus einer Ansage diesbezüglich beinahe interpretieren.

Sieben Mann hatte Knopfler neben sich auf der Bühne und nach dem zweiten Song stand der Sound wie eine Eins. Zum Glück für die Zuschauer, deren einziges Augenmerk auf die Musik gerichtet war, denn ein Bühnenbild im eigentlichen Sinne war nicht vorhanden, sondern bestand nur aus einem schwarzen Hintergrundvorhang. Licht wurde auch nur insoweit eingesetzt, um die Musiker zu beleuchten, so it was down to the music. Und die funktionierte nach wie vor. Es waren nichtsdestotrotz die fünf Songs aus den Dire Straits-Zeiten, die die Stimmungs-Highlights des Abends waren. Bei Romeo and Juliet geschah dann das Unerwartete: eine Videoleinwand kam zum Vorschein, auf der Knopflers Finger zu sehen waren, wie sie das Schlusssolo spielten. Beim nächsten Song, dem in klassischer Vierer-Besetzung gespielten Sultans of Swing, blieb die Leinwand, aber zeigte Bilder, die am ehesten an einen Bildschirmschoner erinnerten. Beim Schlusssolo gab es dann wieder den Blick auf die Finger, – und dafür sogar Szenenapplaus – doch leider war der Gesang auf diesem wohl seit über 30 Jahren auf jedem Konzert gespielten Song sehr leidenschaftslos dargeboten.

{image}Viel besser sind dagegen das in tolle instrumentale Parts des Geigers John McCusker und des Flötisten Michael McGoldrick ausufernde Marbletown oder das enorm kraftvolle Speedway at Nazareth geraten. Der Höhepunkt des Konzertes war dann das epische Telegraph Road von dem 82er Dire Straits-Album Love Over Gold, das in voller Opulenz für Begeisterung sorgte. Als erste Zugabe gab es dann Brothers In Arms, das ähnlich wie zuvor schon Sultans of Swing unmotiviert genuschelt wurde und auch der Bildschirmschoner-Videoscreen (diesmal mit Wolken) tat das seinige dazu, den eigentlich atmosphärisch ansprechenden Song belanglos daher kommen zu lassen. Aber abgesehen von diesen beiden leidenschaftslosen Gesangsdarbietungen erlebten die Zuhörer insgesamt ein gediegenes Konzert mit einer geschmackvollen Melange aus Folk, Blues, Rock und Country, dargeboten von versierten Musikern und gewürzt mit ein paar großen Hits aus den Jahren der Frotteeschweißbänder!

SETLISTE Mark Knopfler

Border Reiver | What It Is | Sailing to Philadelphia | Coyote | Prairie Wedding | Hill Farmer's Blues | Romeo and Juliet | Sultans of Swing | Done With Bonaparte | Marbletown | Get Lucky| Speedway at Nazareth | Telegraph Road
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Brothers In Arms | So Far Away
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Piper To The End

 

Alle Fotos des Konzerts vom 23.6.2010 findet ihr hier in unserer Galerie.

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