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Mark Knopfler (live in Mannheim 2019) © Torsten Reitz

Mit einer beeindruckenden zehnköpfigen Band euphorisiert Mark Knopfler die Zuschauer in der Mannheimer SAP Arena trotz einer Setlist, die durchaus Wünsche offen lässt.

Mark Knopfler ist etwas in die Jahre gekommen – das lässt sich an seiner Figur und Köperhaltung festmachen.

Zwischenzeitlich sitzt er auf einem Barhocker, um die minutenlange Vorstellung seiner zehnköpfigen Band, die es auf die beeindruckende Zahl von insgesamt 48 Instrumente bringt, in bequemer Sitzposition zu vollführen.

Guitars Everywhere

In dieser Situation erzählt er auch so manchen Schwank aus seinem Leben. Wie er etwa mit Koffer und Gitarre als Jugendlicher durch England trampte und das Vagabunden-Leben genoss. Dass er schon mehrfach überlegt hat, in Rente zu gehen, das Live-Spielen aber doch zu sehr liebt, um es sein zu lassen.

Mark Knopfler ist redselig, wirkt gut aufgelegt und kann sich den ein oder anderen Scherz nicht verkneifen. Als ihm einer der Roadies eine neue Gitarre umschnallt, sagt er: "When I was a kid I wanted to have one guitar, now they are everywhere."

Nicht festmachen lässt sich Knopflers Alter von beinahe 70 Jahren an seiner grundsoliden Sprech/Sing-Stimme und seinen markanten Fingerfertigkeiten an eben jenem umfangreichen Gitarrensortiment. Sein Gitarrenspiel wirkt frisch, spielerisch, beinahe juvenil.

Once Upon A Solo

In Kombination mit Nigel Hitchcok am Saxophon und Tom Walsh an der Trompete, beide etwa halb so alt wie Knopfler, steht die Show in der ausverkauften Mannheimer SAP-Arena von Beginn an im Zeichen schwungvoller Soloeinlagen. Beim ersten Song "Why Aye Man" solieren Geige und Trompete im Wechsel, schließlich Knopfler. Der elfstimmige Männerchor wirft seine geballte Stimmkraft in die Waagschale.

An dritter Stelle folgt bereits "Sailing To Philadelphia" von Knopflers gleichnamigem und bestem Soloalbum. Er präsentiert hier zwei seiner Markenzeichen: Die rote Fender-Stratocaster aus Dire Straits-Zeiten und ein schwarzes Schweissband am Handgelenk. Es solieren Flöte, erneut Saxofon und Knopfler, bevor mit "Once Upon A Time In The West" der erste Dire-Straits-Song folgt.

Smartphone-Ärgernis

Für ein Ärgernis sorgen die massenhaft gezückten Smartphones, deren Bedienung einige Nutzer überfordert. Manche Besucher filmen mit ständig angeschaltetem Flashlight. Nicht nur angeleuchtete Besucher sind sichtlich genervt, auch Knopfler zeigt mindestens zweimal mit dem Finger auf Übeltäter.

Man wünscht sich an diesen Stellen, dass das von Künstlern wie Bob Dylan, King Crimson oder Tool praktizierte absolute Handyverbot Schule macht. Zum Ende der Show lässt die Filmlust glücklicherweise etwas nach und weitere Dire-Straits-Klassiker wie "Your Latest Trick" und "On Every Street" lassen sich ungestörter genießen.

Stärken abseits der Dire Straits

Der letzte Song des regulären Sets stammt nicht von den Dire Straits und gerät dennoch zum vorläufigen Höhepunkt der Show. Das spricht abermals für die Qualität des Albums "Sailing To Philadelphia".

Bei "Speedway At Nazareth" zeigt Knopfler eindrücklich, warum der Saiten-Virtuose zu den markantesten Gitarristen der Welt zählt. So erleben die Zuschauer ein fulminantes Finale, das auf einem lauten Paukenschlag endet und die Erwartungen für die Zugaben erst so richtig in die Höhe treibt.

Aus erster Reihe beklatscht

Guy Fletcher, Knopflers Weggefährte aus Dire-Straits-Zeiten kommt als erster zurück auf die Bühne – und stimmt am Keyboard die magischen vier Worte an: "I want my, I want my MTV". Die Besucher hält es nicht länger auf den Sitzen, von den Tribünen überennen einige manch überforderte Ordner, um "Money For Nothing" im Innenraum aus nächster Nähe zu bejubeln.

Es ist der Höhepunkt des Abends, der insgeheim Hoffnung auf weitere Leckerbissen weckt, die dann nicht mehr kommen. Die Band verschwindet noch zweimal von der Bühne, kommt zweimal zurück, um mit "Piper To The End" und "Going Home: Theme Form Local Hero" zwei eher verzichtbare Zugaben zu geben. Songs wie "Brothers In Arms" oder "Sultans Of Swing" hätten stattdessen für kollektiven Jubel gesorgt. 

Eigenwillige Entscheidungen

Das Konzert von Mark Knopfer ist musikalisch einwandfrei, enthält aber manchen Durchhänger in der Setlist.

Man kann Knopfler dafür bewundern, dass er es seinem Publikum nicht einfach macht und sein Soloschaffen stets in den Mittelpunkt seiner Konzerte stellt. Nicht immer reicht dabei allerdings die Qualität seiner neuen Lieder an die Dire Straits-Tage heran.

Setlist

Why Aye Man / Corned Beef City / Sailing to Philadelphia / Once Upon a Time in the West / Romeo and Juliet / My Bacon Roll / Matchstick Man / Done With Bonaparte / Heart Full of Holes / Your Latest Trick / Postcards From Paraguay /On Every Street / Speedway at Nazareth // Money for Nothing // Piper to the End / Going Home: Theme from Local Hero

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