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My Baby Wants to Eat your Pussy (live im 7er Club in Mannheim 2010) © Daniel Becker

My Baby Wants to Eat Your Pussy beglückten am vergangenen Samstag den 7er-Club in Mannheim mit einem Gastspiel und ihrer neuen EP "Grace is a wonderful thing to lose, my Friend" im Gepäck. Die Musiker aus dem Dunstkreis der Popakademie stellten dabei wieder einmal ihr exzentrisches Können unter Beweis. Als Support hatten sie die Champions dabei, eine vierköpfige Formation, die sich dem Indie verschrieben hat. Neben unserem Bericht findet ihr hier auch zahlreiche Live-Fotos vom Gig.

{image}Die Popakademie Mannheim hat schon so manches Wunderkind hervorgebracht. In diesem Sinne sind MBWTEYP wohl die berühmte eierlegende Wollmilchsau. Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren begeistern die extravaganten Paradiesvögel mit ihren eigensinnigen Kompositionen irgendwo zwischen Glam Rock und zuckersüßem Zirkus-Pop mit Metal-Elementen und konnten sich bereits auf Rock am Ring und einigen internationalen Veranstaltungen beweisen. Ihr 2008 erschienenes Debüt Ignorance and Vision konnte richtig punkten und bescherte den Pussies eine große Fanschar auch außerhalb des Rhein-Neckar-Deltas. Bei ihrem Live-Termin im Mannheimer 7er-Club kosteten sie ihren Heimvorteil aus und wurden von den geschätzten 100 Gästen im Club ausgiebig gefeiert.

Doch zunächst stand eine andere Kapelle auf der Bühne: Die Champions bespielten den 7er mit eingängigen Melodien und harmonischem Geschrammel. Das noch sehr zurückhaltende Publikum konnte und wollte jedoch nicht so recht auftauen. Sänger Dennis, stilecht im Karo-Hemd und Dandy-Schuhen, versuchte dies mit gelangweilter Miene und coolen Ansagen zu überspielen, was ihm jedoch eher schlecht als recht gelang. Die an diverse "The"-Bands erinnernden Champions legten zwar einen soliden Auftritt hin, konnten das Mannheimer Publikum aber nicht wirklich überzeugen.

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Nach einer etwas längeren Umbaupause sowie verstörenden Zeichentrick- und Werbefilmen, die mittels Beamer auf die Bühne projiziert wurden, betraten MBWTEYP diese dann auch endlich und starteten sogleich mit ihrem furiosen Set. Wie immer machten die Bühnenoutfits einen großen Teil der Show aus: Ziggy Has Ardeur, wie man es von ihm gewohnt ist, mit Zigarette und Zylinder, Sängerin The Tiff im edlen Gothic-Tutu und auch die restlichen Mitglieder fein geschminkt und zurecht gemacht. Anlass des Konzerts war die jüngst erschienene EP der Vollblutmusiker mit dem Titel Grace Is A Beautiful Thing To Lose, My Friend, aus dem die Pussies sogleich den Titeltrack zum Besten gaben. Die Menge im 7er, nun nicht mehr sonderlich zurückhaltend, drängte sich an den Bühnenrand und tanzte sich zu den groovenden Klängen der Mannheimer Popkinder die Seele aus dem Leib.

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MBWTEYP sind ein Mythos, ein geheimnisumwobenes Popexperiment, das gleichermaßen mit Konventionen, Geschlechterrollen und musikalischen Genres bricht. Frontmann Ziggy zerstörte mit einer Aussage, in der er eigentlich das Merchandise der Band bewerben wollte, jedoch einen kleinen Teil dieses Mythos und platzte mit der unschönen Wahrheit heraus: "Mein bügerlicher Name ist Andreas!" Ob soviel Ehrlichkeit musste schnell das Set vorangetrieben werden und mit zahlreichen Hits, darunter So Deep oder Wonderland, wurde das musikalische Bedürfnis der Mannheimer Fans ausreichend befriedigt. Auch ein kleines Intermezzo, in dem der Chip und Chap- sowie der Ducktales-Titelsong dargeboten wurden, sorgte für ausgelassene Stimmung im 7er-Club. Bei Ginger, einem weiteren Track der neuen EP, zeigte vor allem Gitarrist Diva Eva D., was in ihm steckt. Für sein frickeliges Gitarren-Solo der Extraklasse wurde er mit viel Lärm belohnt.

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MBWTEYP beendeten ihr Set nach einer etwa 90minütigen Show mit America und verließen unter tosendem Applaus die Bühne, um mit den Fans die Aftershow-Party einzuleiten. Dieser viel zu kurze Abend mit den Pussies zeigte wieder einmal, wie bunt und facettenreich Musik sein kann und wie unwichtig es ist, diese in Genres einzuordnen. Im Falle der Pussies ist dies ohnehin nahezu unmöglich.

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