My Baby Wants To Eat Your Pussy
Fotos: Christian Netter

My Baby Wants To Eat Your Pussy Fotos: Christian Netter © regioactive.de

Welch ein Jahr 2008 für MBWTEYP. Wüsste man es nicht besser, nämlich dass es schon längst so war, dann müsste man zu dem Schluß kommen: Das Baby hat das Laufen gelernt. Die Veröffentlichung des Debütalbums "Ignorance & Vision" war sicherlich nur eines der Highlights für die Band, aber eines, das einen großen Erfahrungsschatz in die Kasse spülte. Beinahe nebenbei spielte sich die Combo live die Finger wund - und stürzte die Welt in eine Finanzkrise. Zeit, mit Ziggy Has Ardeur (Voc.) Bilanz und Ausblick zu wagen.

{image}RA: Hi Ziggy. Schön, sich wieder einmal mit dir unterhalten zu können (Interview Januar 2008). Vor, zur Zeit der, und nach der Veröffentlichung eures Debüts habt ihr euch Finger und Kehlen auf allen möglichen Bühnen in Deutschland wundgespielt. Ihr habt neue Preise eingeheimst. Wenn man das alles betrachtet, habt ihr für euch schon so etwas wie eine "Bilanz 2008" gezogen?

Ziggy: 2008 war ein wichtiges Jahr, in dem wir viel gelernt haben. So einen Platten-Release von Anfang an mitzumachen, von der Vorbereitung bis zu den Resonanzen... das ist ziemlich strapaziös und großartig zugleich, weil's ja um die eigene Kunst geht, der man sich und sein Leben so schonungslos hingibt. Ich glaube man kann sagen, dass sich MBWTEYP persönlich sehr weiterentwickelt haben. Jeder Einzelne für sich weiß noch mehr, was er will und was nicht. Nach dem ersten Album-Trara war's erstmal Zeit für eine Besinnungsphase. Neue Inspirationen, neue Eindrücke, neue Erfahrungen. Davon war das Jahr dann, neben den fast durchweg fantastischen Konzerten, sehr geprägt.

RA: Gab es einen ganz besonderen Höhepunkt in diesem Jahr?

{image}Ziggy: Natürlich die Veröffentlichung von Ignorance & Vision im Mai. Das restliche Jahr haben wir mit Shows zugepflastert. Die Resonanz darauf war, wie erwartet, sehr unterschiedlich. Das Album war eine Spätgeburt. Wir haben sehr lange und unglaublich intensiv und selbstzerstörerisch daran gearbeitet. Wir brauchten dann auch sehr lange, um die richtige Veröffentlichungsweise für uns zu finden. Die Veröffentlichung war dann so etwas wie der überfälligste Orgasmus ever. So kommt's auch, dass wir uns nach dem Release geistig ziemlich schnell von dem Material verabschiedet haben. Das heißt nicht, dass wir es nicht mehr gut finden oder den Spaß an den Shows verloren haben. Wir sind immer noch sehr stolz auf dieses große Geschöpf. Aber nach so langer Zeit entwickelt man so ein großes Bedürfnis nach neuer Musik. Nach der America-Tour sind wir jetzt alle sehr froh darüber, dass wir damit etwas abschließen können.

Die America-Tour endet mit einem vorweihnachtlichen Event in Weinheim. Wir kennen euch. Ihr habt euch da doch 100% wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Gibt's einen kleinen Hinweis für die Leser, was das sein könnte?

Ziggy: Erstmal wird man eines der letzten klassischen MBWTEYP-Konzerte erleben dürfen, aber trotzdem wird's natürlich keine normale Show werden. Diesmal gibt's zwar keine neue Staffel der PussyMediaWorld.com, aber das Konzert an sich wird sehr speziell. Für die PMW hatten wir diesmal einfach keine Zeit. Hat uns letztes Jahr gute zwei Monate beschäftigt, und wir haben dann während der Show in Weinheim alles auf die Server geladen und das Ganze auf DVD verschenkt. Aber natürlich haben wir uns auch für dieses Jahr wieder ein bisschen was überlegt, was die Show zu einem Unikat macht. Ich muss zugeben, dass wir uns in Weinheim ja auch immer etwas intensiver als sonst selbst feiern.

Die Sache mit der Finanzkrise: Es gab da pünktlich zur America-Tour quasi ein Schuldeingeständnis von eurer Seite. Was macht euer Gewissen? Wie erleichtert ihr es?

Ziggy: Ach, damit sind wir mittlerweile schon wieder total cool. Wir hatten ja eine etwas manipulierte Spendenbox auf der Tour dabei, in der auch locker ein Fuffi gelandet ist. Wir haben aber, entsprechend unserer finanziellen Situation, auch einen Schlitz daneben angebracht, in welchen man für uns was spenden konnte. Irgendwie ist alles bei uns gelandet. Und mit Spendengeldern geht man ja selbstverständlich vertrauenswürdig um.

Wie geht die musikalische Reise nach diesem "Abschluss", wie du selbst sagst, weiter? Gibt es schon ganz neues Material?

{image}Ziggy: Es gibt schon ganz neues Material. Aber das ist alles noch nicht final ausgearbeitet. Wir wollten einfach schon neues Zeug mit auf Tour nehmen. So richtig Zeit hatten wir aber noch nicht. Wir werden uns nächstes Jahr erstmal von den Bühnen der Welt verabschieden und uns in unser neues Proberaumparadies einschließen. Da das alles jetzt inhaltlich noch viel mehr Konzept bekommen wird, ist es nicht so leicht, nebenbei neues Material mal eben so zu spinnen, da man so wenig Sinn darin sieht, wenn man eine so klare Vision, so ein Ziel hat. Seit Mitte des Jahres schon hat sich Stück für Stück eine Idee für den nächsten Schritt festgebissen, die momentan schon fleißig eingepflanzt und gepflegt wird. Mit dem Beginn des neuen Jahres wollen wir vom absoluten Nullpunkt ausgehend neu anfangen.

Darf man sich darauf verlassen, dass ihr euch dennoch treu bleiben werdet? Euer Stil wird ja durchaus kontrovers rezipiert.

Ziggy: Wenn die Frage so angedacht ist, dass wir uns darin treu bleiben, dass wir uns nicht treu bleiben... dann kann ich sie mit Ja beantworten. Wir werden uns jetzt nicht, anhand der Kritiken, in Richtung 'MögtIhrUnsJetztAlle?' bewegen. Wir sind doch da eh irgendwo auf des Messers Schneide zwischen Kultur und Mainstream. Das bringt mit sich, dass man auf beiden Seiten Verehrer und Hasser hat und ist auch so richtig unser Ding. Ob wir uns dem treu bleiben, kann man auch nicht so einfach beantworten. Wenn wir Lust auf einen Popsong haben, dann machen wir einen Popsong, und wenn wir Lust auf Noise und Trash haben, dann machen wir das. Mich persönlich zieht es momentan wieder etwas mehr in Richtung griffigere Songs, kleinweniger Verwirrung, mehr Sound, mehr Atmosphäre. Mehr Konzept im Inhalt und weniger Konzept im Musikalischen. Das ändert sich aber wahrscheinlich im nächsten Monat wieder und sagt noch lange nicht aus, was dann rauskommt, wenn wir zusammen Musik machen.

Ich will, dass wir noch viel kompromissloser werden. Extremer in alle Richtungen... Pop und Avantgarde.

Was bedeutet "musikalische Weiterentwicklung" für euch und wie sieht der ideale Song aus, den ihr gerne schreiben und spielen würdet? Oder gibt es den schon längst?

{image}Ziggy: Nein, den gibt's nicht und wird's nie geben. Für uns als Band bedeutet 'musikalische Weiterentwicklung' was Ständiges und Allumfassendes. Wir waren noch nie auf der Suche nach unserem Sound oder Song. Jeder von uns hat mit Sicherheit auch eine andere Auffassung von musikalischer Weiterentwicklung. Was wir gemeinsam haben ist, dass wir unglaublich hungrig danach sind und uns gemeinsam und gegenseitig massiv weiterentwickelt haben, es gerade tun und immer tun werden. Hossa.

Als Songwriter kann ich für mich sagen, dass ich mich immer weiterentwickle und Erfahrungen sammle, so viele es geht. Ich höre unglaublich viel Musik, erforsche andere Künstler, probiere viel aus. Wenn man schreibt, dann will man immer einen besseren Song als davor. Neue Farben, neue Attitüden und Emotionen. Und gleichzeitig schreibt man nicht zwingend einen besseren Song. Ich geb mich aber mit aller Leidenschaft dem Zufall hin. Sehe noch so viel, was man und ich darin besser machen könnte. Genauso ist es für mich aus der Sicht des Sängers. Ich habe noch lange keinen Sound gefunden, dem ich treu sein will. Aber ich genieße auch die Vielfalt und die Möglichkeiten. Ich glaube, es geht uns allen mit unseren Instrumenten so. Progress bedeutet für uns 'tun was wir wollen', 'sehen wo es uns wie hinbringt' und dann daraus wieder 'neue Bedürfnisse' ziehen.

Verändert sich euer Workflow im Laufe der Jahre, z.B. beim Songwriting?

{image}Ziggy: Selbstverständlich. Man probiert alles aus. Grenzenlos. Und wir wollen alle noch viel mehr ausprobieren. Bisher war's meist so, dass ich mit einem Song oder Songfragmenten, und den Lyrics in Form von üblen Layout-Aufnahmen, in den Proberaum kam und wir dann am Sound und an zusätzlichen Songparts sowie der Songstruktur gebastelt, arrangiert und komponiert haben. Eine Arbeitsweise, die es ermöglicht hat, dass sich jeder einbringen kann, man die Qualitäten der Einzelnen auskostet und wir letztlich auch gleichzeitig gemeinsam unsere Sounds zu einem Bandsound fügen können. So ein MBWTEYP-Song wird nicht einfach mal schnell von irgendwem geschrieben. Wir haben eigentlich immer Live-Arrangements gemacht... und erst vor der Albumproduktion einen ganzen Monat investiert und alles neu arrangiert. Gerade in der Herangehensweise an den Sound und in der Herangehensweise an sich, stellen wir uns jetzt erstmal auf 'Zero' zurück. Es muss irgendwie unberechenbar bleiben, aber wir haben Großes vor, was eine Arbeitsweise erfordert, von der wir alle keinen Plan haben.

Inhaltlich wird der ganze Vorgang etwas gezielter ablaufen. Bei dem, was wir vorhaben, braucht es ein sehr ausgereiftes Konzept, so gut wie fertige Lyrics... ein Libretto... musikalische Themen und Entwürfe. Eine runde Vision, die aber noch viel, viel, viel Platz für Kreativität, Spontanes, Ideen, Zufälle in allen Schritten zulässt. Jeder wird noch mehr gefordert und intensiver das tun, was wir bis jetzt getan haben. Wir freuen uns alle wahnsinnig auf unseren weiteren Schritt.

Ein neues Jahr steht vor der Tür und ihr recht gut da. Wie geht es weiter mit der Band, zu der ja obendrauf auch noch ein Medienimperium gehört? Willst du mehr zu deinen Andeutungen verraten?

Ziggy: Wie schon erwähnt werden wir nächstes Jahr kaum zu sehen sein. Wir wollen vielleicht schon im Herbst 2009 mit einer ziemlich großen Produktion auffahren und bis dahin eine komplett neue Show und ein neues Album gestalten. Ein audiovisuelles Theater, eine Oper, ein Film. Aber ich will nicht zuviel verraten oder versprechen...

Gibt es ein definitives Versprechen, das ihr euren Fans für 2009 geben könnt?

Alles wird glänzen... wir machen neu. Folgt uns ans Ende der Welt!

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