Guns N' Roses (live in Mannheim 2018)

Guns N' Roses (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Wenn sich erfolgreiche Bands trennen, dann häufig aufgrund von Konflikten, die bereits seit langer Zeit schwelen. Wir haben für euch sechs prominente Beispiele zusammengetragen, bei denen sich das Verhältnis zwischen den Bandmitgliedern als besonders problematisch erwies.

Guns N' Roses – Größenwahn

"Slash hätte entweder von Beginn an nie in Guns [N' Roses] sein sollen oder er hätte nach "Lies" gehen sollen. Kurz gesagt: Ich betrachte ihn als Krebsgeschwür, das man besser entfernen und vermeiden sollte, und umso weniger irgendjemand von ihm oder seinen Anhägern mitbekommt, umso besser" – solch liebliche Worte hatte Axl Rose in einem Interview aus dem Jahr 2009 für seinen ehemaligen Bandkumpanen übrig, mit dem er in den späten 80er und frühen 90er Jahren zu einem der letzten ganz großen Rockphänomene avancierte.

Mit dem unschönen Zerfall von Guns N' Roses im Laufe der 90er Jahre könnte man vermutlich ein eigenes Buch füllen. 1990 wird zunächst Drummer Steven Adler aufgrund seines Heroinkonsums gefeuert. Nach der Show in Mannheim 1991 hat dann Izzy Stradlin, Rhythmus-Gitarrist und womöglich einer der wichtigsten Songwriter der Band, die Nase voll. Durch Rose' "Tyrannei" fühlt er sich ins Abseits gedrängt, mit der Lebensweise der Kollegen kann sich der nun trockene Alkoholiker nicht mehr identifizieren.

Auch Slash hat nach einem bereits seit längerem strapazierten Verhältnis irgendwann genug von Rose Verhalten, der Personal- und Veröffentlichungsentscheidungen mittlerweile offenbar im Alleingang trifft, und widmet sich seinem Solo-Projekt. 1996 informiert Rose MTV per Fax, Slash sei kein GNR-Mitglied mehr. Es folgt ein jahrelanger Rosenkrieg – Rose verbietet später sogar Fans, ein GNR-Konzert mit einem Slash-T-Shirt zu besuchen.

Mit Bassist Duff McKagan steigt 1997 schließlich das letzte Originalmitglied neben Axl aus. Rose führt die Band dennoch unter dem Namen Guns N' Roses weiter. Auf die Frage, ob es jemals zu einer Reunion mit dem Original-Lineup kommen würde, antwortet er 2012 "not in this lifetime" – und erfindet damit unbewusst den Titel, den 2016 die Reunion-Tour der Band tragen wird, zu der immerhin drei der fünf Originalmitglieder gehören.

Oasis – Bruderstreit

Bereits lange bevor Oasis endgültig getrennte Wege gingen, sorgten die Gallagher-Brüder immer wieder für Aufsehen durch ihr offenbar alles andere als harmonisches Verhältnis. Einer der frühen "Höhepunkte": Noel Gallagher soll seinem Bruder 1995 mit einem Baseball-Schläger attackiert haben, als letzterer mit mehreren Leuten ins Studio kam und dadurch Noel bei der Arbeit störte.

Im August 2009 war es schließlich so weit: Vor ihrem Auftritt beim Rock En Seine Festival in Paris kommt es wieder einmal zum Streit zwischen den Brüdern und offenbar auch zu Handgreiflichkeiten. Kurze Zeit später wird der Rest der Tour abgesagt und Noel Gallagher verkündet seinen Austritt "mit ein wenig Trauer und viel Erleichterung".

Doch damit war der Streit noch lange nicht beendet: Trotz zwischenzeitlicher Annäherungsversuche seitens Liam Gallaghers (erst im letzten Jahr appelierte er vergeblich auf Twitter an seinen Bruder, einer Reunion der Band zuzustimmen) liefern sich die beiden auch heute noch zuweilen heftige – und häufig auch amüsante – Gefechte auf Twitter. Zuletzt drohte Noel damit, seinen Bruder zu verklagen, wenn dieser Oasis-Aufnahmen für seine in Kürze erscheindende Doku "As It Was" verwende.

Weiterlesen im 2. Teil ›

Teil 1  Teil 2  Teil 3  

Teil 1  Teil 2  Teil 3  

Eagles – Politik & Geld

Als eine der erfolgreichsten Bands der 1970er-Jahre konnten die Eagles eigentlich aus dem Vollen schöpfen. Aber Erfolgsdruck, Drogen, Alkohol und die gewaltigen Egos insbesondere von Don Henley und Glenn Frey verwandelten die Band in ein Pulverfass.

Dieses explodierte im Jahr 1980. In diesem Jahr spielten die Eagles auf Wunsch von Glenn Frey ein Benefiz-Konzert, um Geld für die Wiederwahl des kalifornischen Senators Alan Cranston zu sammeln. 

Gitarrist Don Felder war davon nicht begeistert. Als er Cranstons Ehefrau hinter der Bühne traf, sagte er: "Schön Sie kennenzulernen" und fügte wenig charmant hinzu: "Vermute ich jedenfalls" ("I guess"). Frey hörte das und erlitt einen Tobsuchtsanfall. Auf der Bühne drohten sich Felder und Frey gegenseitig Schläge an. Kein Wunder, dass die Band danach 14 Jahre nicht mehr auf der Bühne stand.

Die Eagles-Reunion folgte dann im Jahr 1994, nachdem Don Henley jahrelang erklärt hatte, die Eagles würden erst dann wieder gemeinsame Konzerte geben, wenn die Hölle zufrieren werden. Prompt veröffentlichte die Band ein Livealbum mit dem Titel "Hell Freezes Over".

Dass die Spannungen zwischen den Bandmitgliedern fortbestanden, erfuhr die Öffentlichkeit im Jahr 2001, als Don Felder von den Eagles gefeuert wurde. Felder verklagte die Band auf 50 Millionen $ Schadensersatz, einigte sich aber außergerichtlich. Danach trafen sich die ehemaligen Bandkollegen hauptsächlich in Gerichtssälen und kommunizieren über ihre Anwälte – bis Glenn Frey 2016 starb.

Nicht nur The Dude hasst die Eagles. Offensichtlich hassen sich die Eagles auch untereinander. 

Sex Pistols – Drogen & Chaos

Mit erhobenem Mittelfinger beförderten die Sex Pistols in der zweiten Hälfte der 70er Jahre den Punk in den Mainstream. Der britische Telegraph bezeichnete auch 2017 noch "God Save The Queen", pünktlich im Jahr 1977 zum silbernen Jubiläum der Queen veröffentlicht, als den "kontroversesten Song der Geschichte", obwohl ihn Sänger John Lydon, genannt Johnny Rotten, viel später lediglich als "Spaß" bezeichnen würde.

Doch der Höhenflug der Sex Pistols sollte nicht nicht lange andauern. Bereits die berüchtigte erste U.S.-Tour der Band setzt ihr ein jähes Ende. Am Schluss einer katastrophalen Show in San Francisco am 14. Januar 1978 mit schlechtem Sound, technischen Problemen und einem Sid Vicious, dessen Zustand jenseits von gut und böse ist, fragt Lydon nach der lediglich aus dem Stooges-Song "No Fun" bestehenden Zugabe: "Jemals das Gefühl gehabt, betrogen zu werden?"  – und verkündet damit seinen Ausstieg. 

Lydon hat genug von den Querelen mit Manager Malcolm McLaren. Anstatt größere Hallen für die Tour zu buchen, beschränkt sich dieser auf "Redneck"-Bars, um gezielt Chaos zu provozieren und damit das wilde Image der Band weiter auszubauen. Zudem ist Sid Vicious aufgrund seiner schweren Heroinsucht (an der er ein Jahr später sterben wird) zu kaum noch etwas zu gebrauchen und wird von Lydon gar als lebende "Platzverschwendung" bezeichnet.

Die restlichen Bandmitglieder zeigen sich jedoch wenig begeistert von Lydons Austritt und lassen ihn kurzerhand ohne Geld und ohne Flugticket in die Heimat in Los Angeles zurück. "Wir waren keine Band im Sinne einer Einheit", erklärt Gitarrist Steve Jones 2017 dem US-amerikanischem Rolling Stone. "Es war ein totales Chaos, und Amerika machte es nur noch schlimmer, da wir nicht an dieses große Land und all die Aufmerksamkeit gewohnt waren." Erst lange Zeit später sprachen Jones und Lydon wieder miteinander; 1996 ging es schließlich zum ersten Mal wieder gemeinsam auf Tour.

‹ Zum 1. Teil Weiterlesen im 3. Teil ›

Teil 1  Teil 2  Teil 3  

Teil 1  Teil 2  Teil 3  

The Police – keine netten Kollegen

"Ich bin keine nette Person, wenn entgegen meiner Wünsche gehandelt wurde. [...] Ich bin ziemlich schrecklich [lacht]" – So urteilte Sting in einem Interview des SPIN Magazines im Jahre 1987 über sein Verhalten gegenüber seinen Mitstreitern bei The Police. Nach der Stadiontour zu ihrem Album "Synchronicity" im Jahr 1984 entschied sich Sting, seinem "Instinkt" folgend, eine Solokarriere zu verfolgen.

Doch konfliktbeladen war die Beziehung unter den Bandmitgliedern bereits lange zuvor. Besonders oft geraten Sting und Schlagzeuger Stewart Copeland aneinander aufgrund von "starken Geschwisterrivalitäten", wie Sting es später einmal nennen wird. "Nach den ersten paar Jahren habe ich es gehasst, in The Police zu sein. Es war sehr schwierig eine Balance zu finden zwischen dem, was ich mit meinem kreativen Leben machen wollte, und was die Band als ganzes wollte. Als ich die Band verließ, musste ich nicht mehr diese Kämpfe mit Leuten austragen", gab Sting dem SPIN Magazine gegenüber an. 

Gitarrist Andy Summers beschrieb 2015 seine Schwierigkeiten mit Sting in der New York Post folgendermaßen: "Er war ein sehr gutaussehender Typ mit einer tollen Stimme und er zog sich auf der Bühne aus. [...] Es ist eine klassische Geschichte – der Leadsänger erhält zunehmend mehr Aufmerksamkeit da er der Typ ist, der tatsächlich singt, und natürlich ist da dann das Ego, das damit einhergeht, und Kontroll-Probleme."

"1981 war aus der fragilen Demokratie eine Diktatur geworden", so Summers in der Dokumentation "Can't Stand Losing You: Surviving The Police" aus dem Jahr 2015. Eine Diktatur, in der sich die anderen Bandmitglieder offenbar alles andere als wohl fühlten. "Sting stinkt", stellt Summers sogar am Ende besagter Doku fest.

Zwar standen die Bandmiglieder auch nach 1984 vereinzelt miteinander auf der Bühne, doch stets stellte sich schnell heraus, dass es nichts von Dauer sein würde. 2007 ging die Band sogar auf Reunion-Tour, bei der die schlechte Stimmung zwischen den Bandmitgliedern deutlich spürbar wurde.

The Smiths – der längste Break-Up

Die Auflösung der Smiths war vornehmlich ein Ergebnis von Konflikten zwischen Sänger Morrissey und Gitarrist Johnny Marr, die sich neben unterschiedlichen musikalischen Interessen auch auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden zurückführen lassen. Das eigentliche Drama begann aber danach.

Schlagzeuer Mike Joyce und Bassist Andy Rourke verklagten Morrissey und Marr, da sie nur 10% der Band-Einkünfte erhielten, während Morrissey und Marr 40% einsteckten. Während sich Rourke außergerichtlich mit Morrissey und Marr einigte, prozessierte Joyce weiter und erhielt schließlich im Jahr 1996 25% der Tantiemen der Band zugesprochen.

Dieses Urteil erbitterte vor allem Morrissey, der gemeinsam mit Marr alle Songs der Band geschrieben hatte. Eine Reunion schloss er mit den Worten aus: "Ich würde lieber meine eigenen Hoden essen, als die Smiths wiederzuvereinen, und das will für einen Vegetarier schon etwas heißen".

Aber auch Marr lehnt eine Wiedervereinigung ab, obwohl er zwischenzeitlich mit Morrissey wieder persönlichen Kontakt hatte und die beiden wohl auch eine Reunion diskutierten. Sollte diese wider Erwarten doch zustandekommen, wird Mike Joyce aber mit Sicherheit nicht dabei sein.

‹ Zum 2. Teil

Teil 1  Teil 2  Teil 3  

Alles zu den Themen:

guns n’ roses oasis eagles sting morrissey

Das könnte Sie auch interessieren