EGO 1. Teil Theater Felina-Areal Fotostrecke starten

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Ein sechsjähriges Ringen hat sich ausgezahlt. Ab 2016 werden die Fördergelder für das Theater Felina-Areal in Mannheim fest bewilligt und erhöht - zumindest für die nächsten drei Jahre. Die Freude der Mitarbeiter ist groß, was sich in einem vollen und vielfältigen Terminkalender zeigt.

Wer noch nie im Theater Felina-Areal war, findet sein Ziel wahrscheinlich nicht auf Anhieb. Das Theater, im Februar 2009 gegründet, ist nicht nur von außen recht unscheinbar, sondern liegt auch verborgen in einem Hinterhof in der Holzbauerstraße in Mannheim. Mit seinen knapp 250qm ist es seit dem Tag der Eröffnung eine Bühne für die freie Szene der Rheinmetropole.

Wie viele künstlerische Einrichtungen ist das Theater abhängig von institutionellen Fördergeldern der Kommunen. Bisher bewilligte die Stadt Mannheim Fördergelder lediglich für jeweils ein Jahr, was zur Folge hatte, dass das Theater jedes Jahr neue Anträge stellen musste. Doch ab 2016 weht ein neuer Wind: Erstmals erhält das von Direktor Sascha Koal geleitete Spielstätte eine feste Förderung, die für die nächsten drei Jahre garantiert ist. Außerdem wurde die Fördersumme um 25.000€ erhöht und beträgt jetzt 100.000€ jährlich.

Eine Frage des Geldes

Mehr als 50% der Fördergelder fließen laut Koal in die Infrastruktur des Theaters – die Honorare der Schauspieler und weiterer Mitarbeiter nicht eingerechnet. In Hinblick auf Marketing und den Kontaktaufbau zu Schulen und anderen Institutionen sind noch immer keine großen Sprünge möglich.

Dennoch stellt die Erhöhung der Förderung einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar. Alle Beteiligten hoffen auf die zeitlich unbegrenzte Finanzierung durch die Stadt, aber eine Garantie gibt es bislang nicht.

Neue Gesichter, neuer Enthusiasmus

Beflügelt von diesem Erfolg gehen alle Beteiligten mit Optimismus und hochmotiviert ins neue Jahr. Durch die Erhöhung der Fördergelder können neue Mitarbeiter auf Honorarbasis eingestellt werden, worüber Koal sichtlich erfreut ist: "So bleibt mir mehr Zeit für eigene Projekte."

An künstlerischem Potenzial hapert es im Theater Felina-Areal nicht, was sich durch den Blick auf den diesjährigen Produktionsplan zeigt. In der Vergangenheit schränkten finanzielle Mitteln den Ideenfluss ein. Nun wollen die Veranstalter alles herausholen, was möglich ist: der Kalender platzt aus allen Nähten.

Wie man es vom Theater Felina-Areal nicht anders kennt, ist das Programm für 2016 vielfältig und geht von klassischem Theater über Tanztheater und literarischen Dialogen bis zum aktiven Kindertheater und geplanten Touren durch die Stadt.

Die letzten Glühwürmchen

Eine der diesjährigen Premieren ist das Schauspiel "Glühwürmchen", ein Zwei-Personen-Stück von Rainer Escher nach Nicolas Truong, das im April uraufgeführt wird. Das Stück basiert auf einer Montage aus philosophischen Zitaten, die im Dialog zwischen einer Frau und einem Mann aufgeführt werden.

Wie im Japan des 20. Jahrhunderts nach dem zweiten Weltkrieg, aber auch einem philosophischen Text Pasolinis verkörpert das Verschwinden der leuchtenden Insekten einen kulturellen Bruch, Umweltverschmutzung und generell eine endzeitliche Stimmung.

Andererseits beinhalten Glühwürmchen das philosophische Bild des Begehrens und somit der Hoffnung, denn das neonfarbene Leuchten der ausschließlich männlichen Insekten dient dazu, ihre Weibchen anzulocken. "Es wird ein seltsamer Abend", fasst Rainer Escher zusammen, "wir erzählen eine Geschichte ohne Geschichte."

Der Mensch, dreimal interpretiert

Aus der Tanzsparte sind zwei zur "Trilogie Mensch" zählende Veranstaltungen erwähnenswert, die im Jahr 2015 mit dem ersten Teil "EGO" eröffnet wurde. Der zweite Teil mit dem Titel "Soli-d'arrêter", ein Wortspiel mit dem ähnlich klingenden "solidarité", wurde am 22. Januar uraufgeführt und behandelt die Probleme der Menschen mit Nähe und Empathie.

Mit Hilfe von zeitgenössischer Tanzperformance und dem direkten Vergleich des Menschen mit einem Bären vermittelt der Tänzer und Choreograph Éric Trottiér die Erfahrbarkeit von Nähe und Distanz in der heutigen Zeit.

Der dritte und letzte Teit der "Trilogie Mensch" trägt den Titel "r u extr right" und setzt sich aus Tanz und Zitaten aus religiösen Texten wie der Bibel und dem Koran zusammen. Zentrale Themen des Stücks sind das Leben und sein Sinn, der Begriff Wahrheit und gegenwärtige Situationen. Die Uraufführung ist für den 6. Mai geplant.

Trottiér betont ebenfalls, wie wichtig die Erhöhung der städtischen Förderung sei. Eine langfristige Planung sei bisher kaum möglich gewesen, da man einfach nicht sicher sein konnte, ob das Geld reichen werde. Nun könne das Theater weiter im Voraus zu planen, was vor allem für die Tänzer von großer Wichtigkeit sei. Auch bedeute es einen großen zeitlichen Aufwand, die Anträge jedes Jahr aufs Neue zu stellen. Diese Zeit könne jetzt sinnvoller investiert werden.

Spielplatz, Spaß und Schauspiel

Ein weiterer wichtiger und kreativer Zweig des Theaters Felina-Areal ist das Kindertheater. Drei Erstaufführungen wird es dieses Jahr geben, darunter "Herr Meier und Herr Müller" unter der Regie von Maike Wehmeier, nach dem Bilderbuch von Birte Müller. In dem Stück geht es um zwei Freunde, die zusammen leben und alles teilen, bis sich plötzlich und ohne ersichtlichen Grund eine rote Linie quer durch ihr Haus zieht. Auf einmal gibt es ein Dein und ein Mein und die beiden Freunde beginnen sich zu zanken, bis sie sogar handgreiflich werden.

Geplant ist ein Körpertheater auf verschiedenen Mannheimer Spielplätzen, als Requisiten sind Plastikspielzeuge geplant. Die Regisseurin empfiehlt das Stück für Kinder zwischen zwei und vier Jahren. Aber nicht nur an die ganz Kleinen ist gedacht: Das Theater Felina-Areal kooperiert gerne mit Koorperation mit Schulen, häufig wirken Schüler als Schauspieler mit.

Ein letzter Gruß der besonderen Art

Das Programm "Abgang" zählt seit Jahren zum Repertoire des Theaters und findet seit April 2014 im Theater selbst statt (vorher im Café Prag). Sascha Koal leitet die Lesung, deren Inhalt sich um das Leben und Werke kürzlich verstorbener Promintenter dreht.

Es handelt sich um eine Art Gedenkfeier im Kreise des Theaters. Im Mittelpunkt steht aber nicht die Trauer, das Programm ist chaotisch, humorvoll assoziativ und lehrreich, im Grunde eher ein Happening als eine klassische Lesung.

Ein Stück Mannheimer Kultur

Insgesamt stehen mehr als 35 Stücke auf dem Programm für 2016, was für ein Theater dieser Größenordnung bemerkenswert ist. Es ist noch nicht ganz klar, ob alle Pläne realisiert werden können. Das hat zeitliche Gründe, aber auch räumliche, denn die Aufführungen müssen miteinander kompatibel sein, damit der verfügbare Raum auch optimal genutzt werden kann. 

Schon jetzt steht fest, dass die Verantwortlichen des Theater Felina-Areal sich viel für 2016 vorgenommen haben. Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten wollen sie sich noch stärker im Kulturleben der Stadt verankern. Angesichts ihrer kreativen und vielseitigen Pläne darf man auf das Ergebnis gespannt sein.

Theater Felina-Areal Programm 2016

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