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Lemmy Kilmister von Motörhead (2015) © Rudi Brand

"Wenn ich irgendwann einmal sterbe, sollten die Leute besser mit Jack und Coke auf mich anstoßen und dazu 'Killed By Death' aufdrehen", sagte Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister einst. Jetzt ist es an der Zeit für diesen traurigen Toast.

Manche Leute widmen ihr ganzes Leben einer Passion und werden dadurch zur Legende. Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister war eine solche Person.

Der Mann mit der Reibeisenstimme, die Steven Spielberg angeblich als Inspiration für den T-Rex-Schrei in "Jurassic Park" diente, verkörperte wie kaum ein anderer im gesamten Rockgeschäft den Rock'n'Roll-Lebensstil.

Humorvoller Jubilar

Dazu nahm er sich selbst nicht allzu ernst. "Man muss im Leben lachen. Lachen trainiert alle Gesichtsmuskeln und hält dich jung. Ernst zu schauen verursacht schreckliche Falten. Ich rate auch zu starkem Trinken – das hilft dem Sinn für Humor auf die Sprünge." Kilmister handelte nach diesem Motto. Er war kein Kostverächter, der Whiskey und später auch der Wodka sein Lebenselixier.

2015 war für Lemmy ein Jahr der Jubiläen: vier Dekaden Motörhead und an Heiligabend sein eigener siebzigster Geburtstag. Auch wenn er in letzter Zeit nicht wirklich gut und leicht abgemagert aussah und einige Konzerte absagen musste – wer seine Band kürzlich noch live gesehen hat, konnte glauben, es ginge noch ewig so weiter.

Zuletzt noch gut in Schuss

In der Frankfurter Jahrhunderthalle präsentierten sich Motörhead Ende November laut, bratzig und brachial wie immer. Kaum ein Anwesender hätte an jenem Abend gedacht, eines der letzten Konzerte der Band miterlebt zu haben. Dafür war die Performance einfach zu gewaltig und energiegeladen. Es ging, wie immer bei Motörhead, "voll auf die Zwölf".

Ein Rentnerdasein kam für Lemmy nie in Frage. "Warum sollte jemand entscheiden, wann man zu alt für etwas ist? Ich bin nicht zu alt. Und solange ich nicht selbst entscheide, dass ich zu alt bin, werde ich das verdammt nochmal auch nicht sein." Auch mit 70 wollte er weitermachen. Der Vorverkauf für mehrere Shows in Deutschland im Februar war ja bereits angelaufen.

Trotz des Alters weiterhin ein Kind

Es sah erneut danach aus, als könne nichts und niemand Kilmister kleinkriegen, weder seine Diabetes-Erkrankung noch die anderen gesundheitlichen Probleme, die im Sommer zu verstärkten Konzertabsagen geführt hatten. Abgesehen von seinem Äußeren gab sich Lemmy auf den jüngsten Shows hierzulande nämlich gut aufgelegt und schnodderig wie eh und je. Umso überraschender kommt jetzt die traurige Meldung seines relativ plötzlichen Todes.

Laut seinen Bandkollegen erfuhr Kilmister erst am zweiten Weihnachtstag davon, dass er an Krebs erkrankt sei – bei seinem Lieblingsvideospiel. Sein dazu passender Ausspruch aus diesem Jahr ist in dieser Hinsicht vielleicht geradezu prophetisch: "Rock'n'Roll ist definitiv nichts für alte Leute, das ist amtlich. Unser Geheimnis ist wohl, dass wir eigentlich immer noch Kinder sind."

Nichts zu bereuen

Womöglich hat sich Lemmy durch die Krebsdiagnose zum ersten Mal in seinem Leben wirklich alt gefühlt. Er kann zumindest froh sein, dass er nicht noch lange unter dieser schlimmen Krankheit leiden musste. Es hätte auch nicht zu dem Mann gepasst, der einst wegen Drogenbesitzes festgenommen und daraufhin von seiner alten Band Hawkwind gefeuert wurde.

Auf der anderen Seite kann Lemmy nun mit seinen alten Freunden, wie Ronnie James Dio und dem kürzlich verstorbenen, langjährigen Motörhead-Drummer Phil 'Philthy Animal' Taylor weiterfeiern. Denn, wie er es selbst bereits so schön formuliert hat: "Ich bereue nichts. Reue ist sinnlos. Du hast es ja schon gemacht – du hast dein Leben gelebt. Es nützt dir nichts, zu wünschen, es wäre anders."

Ruhe in Frieden, Ian 'Lemmy' Kilmister (1945-2015).

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