Das SWR3 New Pop Festival 2026 startet mit einem Garanten für Party, Tanzen und gute Laune. Das Konzert nimmt aber sogleich eine überraschende Wendung.
Gentleman bittet zum Tanz
Kaum steht Gentleman auf der Bühne, ist er auch schon wieder unten – und zwar ganz unten, direkt mitten im Publikum. Er klettert vorne auf die Absperrung, klatscht mit den Zuschauern ab und schon jetzt erreicht die Stimmung einen ersten Höhepunkt. Die karibischen Klänge des ausklingenden Sommers lassen noch einmal geballte Summer Vibes aufkommen.
Nach einigen Songs, darunter auch der deutschsprachige Titel "Garten", kündigt Gentleman "Wildfire" an. Zuvor bedauert er "sehr", dass sein Duettpartner Michael Patrick Kelly nicht da ist. Doch nach wenigen Tönen hört das Publikum eine zweite Stimme und unter aufbrausendem Jubel betritt Michael Patrick Kelly als Überraschungsgast die Bühne. Man spürt sofort die tiefe Verbundenheit der beiden Sänger seit ihrer Zeit bei "Sing meinen Song" 2017.
Weitere besondere Momente folgen. In seinen Hit "To The Top" lässt Gentleman als Snippet "Sweet Dreams" von den Eurythmics einfließen, findet bei einer ersten Zugabe mit zwei Songs wieder den Weg ins Publikum und feiert mit den Zuschauern "Superior" ab. Der letzte Song "Unity" ist dann ein gutes Statement in einer Zeit, in der durchaus darüber diskutiert wird, ob und wie weit sich Künstler auch gesellschaftspolitisch äußern dürfen.
Clueso erklimmt mit der SWR3 Big Band neue Höhen
Mit "Achterbahn" startet Clueso seine Show im Festspielhaus mit der SWR3 Big Band. Das enthusiastische Publikum steht schon jetzt in weiten Teilen und klatscht zum energetischen Flow von Clueso und der SWR3 Big Band mit. Mit den jungen Fans an der Bühne singt er "Flugmodus", schließlich stimmt das ganze Publikum in den Song ein, garniert von einem gefeierten Saxofonsolo.
Aus "Was wäre wenn" wird durch die SWR3 Big Band ein mitreißender Swing-Sound, der diesmal von einem Trompetensolo garniert wird. Mit einer liebevoll gemeinten Parodie auf seinen Freund Udo Lindenberg leitet Clueso "Cello" ein, das natürlich perfekt in diese Konstellation passt. Wieder singt das Publikum die besonders zart gespielte Melodie mit.
Zum Finale singt er zunächst als gefeiertes Highlight "Zusammen", den gemeinsamen Hit mit den Fantastischen Vier aus dem Jahr 2018. Jetzt scheint wirklich jeder Zuschauer im Saal zu stehen und mitzusingen. Es folgt mit "Die schönsten Tage", einem gemeinsamen Song mit SDP, das nächste Highlight. Auch Clueso steigt nun ins Publikum herab und feiert mit seinen Fans. Zwei weitere Songs runden das Konzert ab und wie bei Gentleman scheint auch Clueso so viel Spaß zu haben, dass er einfach nicht aufhören will.
Charlotte Cardin explodiert stimmlich
Mit eleganter Geschmeidigkeit bewegt sich Charlotte Cardin zu ihrem ersten Song "Take Me Back" über die Bühne. Sie tanzt mit lasziver Eleganz und berührt die Zuschauer mit ihrer durchdringenden Stimme. Die Energie ihrer Musik hält auch bei "The Way We Touch" an und der treibende Sound lässt viele Körper im Theater nicht mehr los.
Deutlich ruhiger, aber nicht weniger fesselnd wird es, als sich Charlotte Cardin allein ans Piano setzt. Schon mit "Phoenix" geht sie den Zuschauern stimmlich unter die Haut. Bei "Anyone Who Loves Me" wird es so intensiv, dass so mancher Zuschauer fast die Luft anhält, um am Ende vor Begeisterung zu explodieren. Das anschließende Akustik-Trio mit ihr und zwei ihrer Musiker bei "I Came Here" ist zum Heulen schön und setzt tief liegende Emotionen frei.
Nach dem mitreißenden "Main Girl" und dem energetischen "99 Nights" setzt sie mit einem sehr modernen Cover eines Klassikers ein weiteres Highlight. Das treibende "Voyage, Voyage", ein 1980er-Hit von Desireless, wird durch Charlotte Cardin zu einem hämmernden Powersong mit Disco-Feeling, dem sie durch ihren Gesang dennoch die ursprüngliche Weichheit erhält. Das vom Publikum gefeierte Finale bilden die elektrisierenden Songs "Confetti" und "Feel Good". Damit endet der erste Tag des New Pop mit drei richtig starken Shows.
Fayan lebt seinen Traum
Wenn sich Fayan einer Sache sicher sein kann, dann ist es seine extrem treue Fangemeinde. Einige Fans sind sogar extra aus Niedersachsen nach Baden-Baden angereist, nur um ihn zu sehen. Da er aus der Region stammt, ist auch seine Familie anwesend. Nun lebt er seinen Traum, auf der Bühne des Festivals aufzutreten, bei dem er früher mit seinen Freunden an den Getränkeständen stand.
Mit seinen Versen und seiner Dynamik gibt er dem tanzenden und feiernden Publikum einen guten Rhythmus. Zusätzlich hat er zum ersten Mal neben seinem DJ extra für das New Pop einen Gitarristen mit dabei, der seinen Songs zusätzliche Tiefe verleiht. So ist es wenig verwunderlich, dass die Show am Ende auf das große Highlight zusteuert.
Der eine Song, der ihn wirklich bekannt gemacht hat, wird abgefeiert wie kein anderer. Mit "Verliebt in mich" hat er einen echten Ohrwurm geschaffen, der sein Potenzial deutlich macht. Nicht umsonst wird Fayan vom Veranstalter mit dem SWR3 New Pop Award ausgezeichnet. Um seine Shows noch besser zu machen, sollte er mit verschiedenen Stilen und Rhythmen experimentieren und so für mehr Abwechslung sorgen.
Giant Rooks rocken das Festspielhaus
Beim Thema Potenzial sind die Giant Rooks aktuell wohl die Band, bei der es scheinbar nach oben keine Grenze gibt. Seit ihrem letzten Auftritt beim New Pop 2021 haben sie nicht nur in Deutschland immer mehr Fans gewonnen. Es folgten internationale Konzerte und zahlreiche Festivals wie etwa der Auftritt beim Pinkpop in den Niederlanden.
Jetzt sind sie zurück beim New Pop und entfachen schon beim ersten Song im Festspielhaus eine Energiewelle, die das ganze Publikum mitreißt. Die Fans feiern Giant Rooks, klatschen mit voller Leidenschaft im Rhythmus und auch "Bright Lies" wird ausgelassen mitgesungen.
Neben den bekannten Hits spielen sie als Premiere auch Songs aus ihrem demnächst erscheinenden Album. Dazu versammelt sich die Band rund um ein Old-School-Mikrofon und singt a cappella. Jeder Song ist besonders, die ganze Show ein einziges Highlight.
Umso mehr, als Sänger Frederik Rabe beim letzten Song ins Publikum geht und die Giant Rooks das Publikum endgültig zum Toben bringen. Eine kaum zu bändigende Energie wabert durch das Festspielhaus.
ADMT überzeugt mit seiner durchdringenden Stimme
Schon beim ersten Song "Homeless" werden zwei Dinge klar. ADMT, oder ausgeschrieben Adam Taylor, verfügt über eine durchdringende Stimme, die emotional unter die Haut geht. Aber er ist auch kein Künstler, der angewurzelt hinter seinem Mikrofon stehen bleibt. Er ist ständig in Bewegung, läuft nach links, läuft nach rechts, steht dann kurz hinter dem Mikrofon und läuft wieder los.
Der mitreißende Rhythmus von "Come Along" lässt die Zuschauer mitwippen und der hüpfende ADMT verstärkt diese Energie noch durch seine Bewegungen. Die kraftvolle Folk-Ballade "Forget About Us" zeigt mit Unterstützung einer Akustikgitarre eine ganz andere Facette. Im Zentrum bleiben seine fesselnde Stimme und die unmittelbare Interaktion mit dem Publikum.
Außerdem singt ADMT wie bei "Burn Brighter" gerne mit seinen Fans und bindet sie ins Konzert ein. Tief aus der Seele gesungen ist "Overboard" der nächste fesselnde Song, bei dem die Zuschauer den Rhythmus mitklatschen. Das mitreißende "Can't Get Back" und das emotionale "North" zeigen die Vielschichtigkeit seiner Musik. Jeder Song überzeugt und am Ende ist "Cover To Cover" das gefeierte Finale eines starken Konzerts.
Holly Humberstone setzt auf große Gefühle
Holly Humberstone setzt auf Emotionalität und geht damit den Zuschauern unter die Haut. Schon beim ersten Song "To Love Somebody", ihrem aktuell bekanntesten Hit, legt sie so viel Gefühl hinein, dass die Zuschauer sofort zu träumen beginnen können.
Ihre einnehmend positive Energie trägt sie und ihre Fans durch die "Cruel World" und die wunderschöne Melodie von "Blue Dream" lädt wieder zum Träumen und Genießen ein. Wieder an der Akustikgitarre spielt sie die emotionale Ballade "Die Happy" und es kann leicht passieren, sich in dieser wunderschönen Stimme zu verlieren.
Mitreißende Songs kann sie aber auch singen. Bei "Falling Asleep At The Wheel" klatschen die Zuschauer im Kurhaus den Rhythmus mit und auch "Too Cute To Be Lonely" lässt zahlreiche Körper im Saal mitwippen. Mit dem letzten Song "Scarlett" beendet sie ein wunderschönes Konzert voller grandioser Melodien, die wunderbar eingängig ins Ohr gehen und so manchen Fan direkt ins Herz treffen.
Sienna Spiro wird zur Queen des Festivals
Nach Holly Humberstone folgt mit Sienna Spiro das absolute Highlight des SWR3 New Pop Festivals. Ihre Stimme geht den Zuhörern so tief unter die Haut, dass sie wahre Gefühlsausbrüche hervorrufen kann. Die sanfte Melodie von "The Visitor" und ihre alles durchdringende Stimme sind nur der Auftakt. Mit "Material Lover" explodiert sie mit souliger Wucht wie bei einer großen Soul-Revue.
Der nächste Song "Time, You And Me" klingt mit seiner dramatischen Spannungskurve und ihrem energiegeladenen Gesang schon wie der nächste Titelsong für James Bond. Zart gehaucht und zugleich von brachialer Intensität ist "Autumn Leaves" das nächste Highlight. Mit "Pure" taucht sie wieder in die ganz große Gefühlswelt ein und trifft die Zuschauer mitten ins Herz.
Mit eleganter Geschmeidigkeit baut sie auch Klassiker in ihre Songliste ein. Zuerst lässt sie den funkigen Soul-Groove von Otis Redding bei "Hard To Handle" wieder aufleben. Dann wird der Hit "Doo Wop (That Thing)" von Lauryn Hill zum gefeierten Erlebnis. Das große Finale ist einer der Hits des Jahres. Kaum ein Song hat 2026 musikalisch so geprägt wie "Die On This Hill". Es ist ein Erlebnis, Sienna Spiro diesen Song live singen zu hören. Einfach pure Gänsehaut.
Luiza bringt die ganze Welt der Musik ins Theater
Von allen Künstlern des Wochenendes liefert Luiza ganz sicher die wildeste Mischung. Geboren in Frankreich und mit französischen und brasilianischen Wurzeln ist sie eine explosive Künstlerin, die eine riesige Bandbreite abdeckt. Von karibischen Klängen über brasilianischen Samba bis zu Balkan-Musik und französischem Chanson ist alles dabei.
Neben ihren vier Musikern an Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Saxofon greift die extrovertierte Sängerin auch mehrfach zu ihrem bevorzugten Instrument. Sie spielt die Kaval, eine Längsflöte, die man vor allem aus der traditionellen Balkan-Folklore kennt. So geben Luiza und ihre Musiker vom ersten bis zum letzten Song ständig Vollgas.
Vom Opening mit "Western" über ihren größten Hit "Soleil Bleu" bis hin zum vermeintlich letzten Titel "La Capitaine" heizen sie dem tanz- und feierwütigen Publikum permanent ein. Sie lässt die Zuschauer mitsingen, die Hüften kreisen und alle haben eine richtig gute Zeit. Als ungeplante Extra-Zugabe für das ausdauernd applaudierende Publikum singt Luiza noch ein ruhiges, fast gewispertes französisches Chanson.
Rundes Wochenende
Für alle Partygänger, die immer noch nicht genug haben, gibt es am Samstag in Baden-Baden noch viele Möglichkeiten. Zunächst steigt im Kurhaus die SWR3 New Pop CUPRA DJ Night mit YouNotUs x Topic. Mit dieser letzten offiziellen Show sind am Ende rund 50.000 Menschen an drei Tagen beim SWR3 New Pop Festival 2026 unterwegs.
Aber auch in der Innenstadt von Baden-Baden ist bei bestem Wetter bis spät in die Nacht überall reges Treiben. Die Leute sitzen in den Restaurants und Cafés, schlendern durch die Fußgängerzone oder zieht es in die Clubs. So geht ein wunderbares Wochenende zu Ende.









