War ich nach dem Freitag Konzert völlig im Bann der Four Horsemen, möchte ich mir nun auch Zeit nehmen, um über die Vorbands zu reflektieren, denn die Wahl der Bands besaß durchaus einen Spannungsbogen.
Von Menschen mit Haltung...
Mit Avatar startete am Sonntag eine Band mit großer Bühnenpräsenz, charmant, heavy und angenehm eigenwillig und einnehmend. Im Vergleich hatten Knocked Loose mit ihrem Opening am Freitag keinen ganz so leichten Stand. Die Musik ist nicht gerade fürs Stadion gemacht und auch die üblichen Startschwierigkeiten beim Sound machten das Erlebnis nicht zugänglicher.
Bei Gojira sah es dann schon etwas anderes aus. Präzise und mit einigem Erfahrungsschatz durch Auftritte auf großen Bühnen, wirkten sie von der ersten Minute an präsent.
Sicherlich schlau sich einem breiteren Publikum zu präsentieren, aber ihre volle Wucht entfalten sie bei einer eigenen Headliner Show zu ihren Bedingungen. Denn dort können sie auch ihrer reflektierten Haltung gegenüber den brennenden Themen der Welt mehr Raum geben.
…zu einem mit fraglichem Reflexionsvermögen
Anders sieht es da bei Pantera aus. Routiniert und mit großer Professionalität bespielen sie die große Bühne. Mit einem Repertoire voller unsterblicher Songs, ist die Frage auch fast vergessen, ob es eine (gelungene) Reunion ist, eine Hommage an die Brüder Dimebag und Vinnie oder ob der Legendenstatus von Pantera auch ohne diese Konzerte unangefochten geblieben wäre.
Was aber unbestritten ist, dass Phil Anselmo in der Vergangenheit durch Hitlergrüße und White Power Rufe auf sich aufmerksam gemacht hat. Und ich wünschte mir mehr Demut und eine innere Haltung, um nicht nur seine musikalische Größe zu zeigen, sondern auch ein authentisches Reflexionsvermögen an den Tag zu legen.
The Ecstasy of…Metallica
Dass es auch anders geht, zeigen dann wieder die Headliner des Abends. Sie machen für 2 Stunden die Ungerechtigkeiten dieser Welt vergessen und versuchen im Rahmen der schieren Größe der Band, den Raum mit Gemeinschaftsgefühl und dem Respekt vorm Individuum zu füllen.
Und dabei wirken Metallica auch an diesem Abend wieder energiegeladen und voll auf der Höhe. Und auch wenn "No Repeat" nicht bedeutet, dass der Rahmen für dieses Konzert ein anderer ist. Die Dramaturgie der Setlist bleibt gleich gestaltet, sowie auch die Showelemente: Feuer, (die für mich immer noch unnötigen) Bälle
Natürlich wirken manche Moves der Bandmitglieder routiniert und auch im Nachgang zu diesem Konzert kursieren im Internet Ausschnitte von Verspielern mit hämischen Kommentaren (dieses Mal zu Kirk Hammett). Manchmal runzele auch ich die Stirn, aber ich bleibe dabei, dass Metallica am Ende immer noch 99% der anderen Bands an die Wand spielen.
Musikalisches Vermächtnis
Gerade bei dieser unglaublichen Setlist heißt es "all killer – no filler", wieder geschöpft aus der gesamten Discografie. Die Statistiken der beiden Setlists nehmen sich nicht viel, aber der zweite Abend ist nochmal ein kleinen Ticken edgy-heavier, authentischer und emotionaler.
Das einzige Problem, das ich während des No Repeat-Wochenendes ausmache, ist der Drang, beide Abende miteinander vergleichen zu wollen. War man nur einen Abend dabei, denkt man, es fehlt die zweite Hälfte, aber im Grunde sind es zwei eigenständige Konzerte, die für sich stehen. Nur das Marketing erzeugt das FOMO, die Angst etwas zu verpassen.
Wherever I May Roam: die Karawane zieht weiter
Und so ziehen Metallica weiter ins nächste Land, auf die nächste Bühne und bringen ihren riesigen Tourtross und Merchandisezirkus mit, aber auch ein unglaubliches musikalisches Repertoire.
Gleichzeitig im Gepäck haben sie die Verantwortung, die sie mit der Größe der Band wahrnehmen: das Empowerment für ihre Fans und die Strahlkraft ihrer sozialen Projekte.









