Metallica sind nach 2009 wieder in der Stadt. "No Repeat Weekend" nennt es die Band und meint, dass sie innerhalb ihrer Welttournee M72 im Rahmen ihres neuen Albums, zweimal in einer Stadt auftreten und an an beiden Abenden keinen Song doppelt spielen werden.
Blick in die Vergangenheit
Ich erinnere mich beim Konzertbesuch zwangsläufig an mein erstes Metallica Album. Strenggenommen keine offizielle Veröffentlichung, sondern ein Bootleg von 1993 – "Live at Stadium / Basel" – heißt es und ich höre es immer noch wahnsinnig gerne.
Es dokumentiert eine Übergangsphase der Band, bei der sie noch fest im Bay Area Thrash verwurzelt waren, aber mit dem schwarzen Album in den großen Stadien angekommen waren. Diesen Spagat haben sie damals gemeistert, auch wenn hinter den Kulissen einiges Porzellan zu Bruch ging.
Charmant und nahbar
Mittlerweile mit beiden Beinen auf den größten Bühnen der Welt angekommen, wird jeder Schritt im Internet kritisch inspiziert, jede Note überanalysiert. Aber vor allem werden Metallica gefeiert – gerade hier in Frankfurt.
Durch ihre Biografien wirken sie menschlich und so wie James Hetfield durch den Abend führt, geradezu nahbar. Er ist charmant, wenn er die Fans beneidet, dass sie das "Death Magnetic" Album hätten, da sein Exemplar gestohlen wurde.
Getragen von 64.000 Fans
Er wirkt aufrichtig berührt, wenn er Emily im Snake Pit anspricht, die eine lange Leidensgeschichte durchlebt hat, aber mithilfe der Metallica Family und der Foundation Support erhält. Und wie muss sich Emily fühlen? Von "Papa Het" angesprochen und von knapp 64.000 Fans durch Jubel und Applaus getragen. Gänsehaut!
Mit der Setlist wird ein großer Bogen gespannt von "Kill´em All" zu "Load", von "…and justice for all" zum neuen Album. Hervorheben möchte ich dabei exemplarisch jedoch einen Song vom angesprochenen "Death Magnetic" Album. Bei "The day that never comes" sitzt James Hetfield anfänglich auf einem Hocker, die restliche Band bespielt die 360 Grad Bühne, es wirkt getragen, bis der Song zum Ende in diese impulsive Raserei ausartet.
Ein Gesamtkunstwerk
Über jeden Zweifel erhaben auf einem technisch hohen Niveau und ja, auch mal mit charmantem Schlagzeugspiel, aber wen kümmert es eigentlich wirklich? Die Band muss schon lange niemandem mehr etwas beweisen, muss nicht mehr auf Tour gehen, um ein neues Album zu promoten, es geht um das Gesamtkunstwerk Metallica. Und das ist schon lange nicht mehr nur die Musik.
Es geht darum, dass die Menschenmassen in einem Stadion alles Individuen sind mit ihren ganz persönlichen Geschichten und Zugängen zu Metallica, es geht um Menschen wie Emily, es geht um den Zusammenhalt. Und es geht natürlich auch darum den Leuten eine gute Zeit zu machen, die Zeiten sind verrückt genug.
Geborene Entertainer
Als jedoch bei "Seek & Destroy" die mittlerweile zum festen Bestandteil der Show gehörenden riesigen Bälle durchs Stadium fliegen und es kein Halten mehr gibt, wird es mir jedoch etwas viel mit dem Entertainment. Aber dann denke ich daran, dass ich auf meinem Bootleg gerade die 20-minütige Version von diesem Song so überragend finde, weil die Band schon damals das Publikum aktiv miteingebunden hat.
Und so lasse ich einen dieser Bälle besonders kraftvoll ins Rund des Stadions fliegen und kann mich auf den zweiten Teil am kommenden Sonntag freuen. Metallica haben sich eine Aufgabe gesetzt, wenn sie die Show vom Freitag noch übertreffen wollen.









