Makaya McCraven gilt als einer der bemerkenswertesten Schlagzeuger der Gegenwart. In der Alten Feuerwache in Mannheim bei Enjoy Jazz 2025 stellt er seine unheimliche Kreativität und seine spielerische Klasse unter Beweis.

Makaya McCraven war beim Frisör. Sein charakteristischer Wuschelkopf hat ausgedient und einem Kurzhaarschnitt Platz gemacht. Im Ergebnis ist er kaum wiederzuerkennen.

Hoher Wiedererkennungswert

Glücklicherweise handelt es sich um eine rein optische Veränderung, denn seine Energie und Kreativität sind ungebrochen, wie sein Konzert bei Enjoy Jazz in der Alten Feuerwache in Mannheim zeigt. 

Dort begleiten ihn Bassist Junius Paul, Gitarrist Matt Gold und Trompeter Marquis Hill – allesamt fantastische Musiker, die über charakteristische Stimmen mit hohem Wiedererkennungswert verfügen. Das ist in der aktuellen, akademisch geprägten Jazzszene absolut keine Selbstverständlichkeit.

Während des neunzigminütigen Auftritts zieht McCraven alle Register – und das sind viele. Mit unbändiger Leidenschaft setzt er den Beat. Gemeinsam mit Pauls funkigen, wabernden Bass, Golds fein akzentuierter Jazzgitarre und Hills vergleichsweise warmen Trompetensound entsteht ein dichter Bandsound, der vollkommen einnehmend ist.

Auf der Suche nach dem perfekten Sound

Die Musik stammt zu einem Gutteil von McCravens neuem Album "Off the Record", das an diesem Abend sehr viele "Off the Record/On the Record"-Witze inspiriert. Das Album ist aber eigentlich gar kein Album, sondern besteht aus jeweils vier EPs, die in jeweils unterschiedlicher Besetzung über einen Zeitraum von zehn Jahren (!) aufgenommen und dann von Makaya McCraven im Studio nachbearbeitet wurden. 

Bei allen anderen Musikern würde man einem so wahnwitzigen Konzept sicheres Scheitern vorhersagen, aber nicht in diesem Fall. Stattdessen vermittelt "Off the Record" McCravens irre Bandbreite, aber auch seinen Perfektionismus und seine Akribie. Die Teil-EP "Hidden Out!" wurde in derselben Besetzung eingespielt, die auch an diesem Abend in Mannheim auf der Bühne steht, aber im Jahr 2017.

Makaya und Miles

Makaya McCraven ist in der Lage, etabliertes Material neu zu erfinden und im Zeitraum von vielen Jahren völlig umzugestalten. Der Vergleich zu Miles Davis' immer noch missverstandener elektrischer Phase zwischen 1969 und 1975 liegt sehr nahe.

Auch damals diente das Studio mit den damaligen technischen Möglichkeiten als Instrument, um kreative Visionen zu verwirklichen und Live-Konzerte dienten dazu, Stücke neu zu arrangieren und zu interpretieren.

Weltklasse in Mannheim

Die vergleichsweise kurzen Stücke auf "Off the Record" werden im Konzert auf zehn oder fünfzehn Minuten erweitert, ohne dass sie auch nur einen Hauch an Spannung verlieren. Die Musik erklingt wie aus einem Guss, völlig harmonisch und offensichtlich durch jahrzehntelanges Zusammenspiel gestärkt.

Selten hat eine Band in der Alten Feuerwache so perfekt geklungen wie an diesem Abend: dicht und durchdringend, aber gleichzeitig warm und einnehmend. Die Zuschauer sind dementsprechend begeistert und applaudieren reichlich und ausdauernd. Das Konzert von Makaya McCraven war nicht nur ein Highlight der diesjährigen Ausgabe, sondern ein Highlight in der gesamten Geschichte von Enjoy Jazz.