Neben der Liebe zur Musik und Experimentierfreude verbindet die fünf Mitglieder des 2015 gegründeten Quintetts ein aktivistischer Anspruch. So setzt etwa Saxophonist Keir Neuringer gleich zu Anfang ein unmissverständliches Zeichen als er die Bühne mit Palästinaschal betritt und diesen gut sichtbar auf seinem Mikrofonständer drapiert.
Besonders zur Geltung kommt der gesellschaftliche und politische Einsatz der Gruppe jedoch im Sprechgesang von Camae Ayewa. Insbesondere die afroamerikanische Geschichte und Gegenwart sind der Künstlerin ein Anliegen.
Auch in der Alten Feuerwache wird sie zur Geschichtenerzählerin, die die Bühne kurzerhand zum Lagerfeuer erklärt, an dem das Publikum Platz nehmen soll.
Aus dem Vergangenen lernen
Während Ayewa die Wichtigkeit betont, sich mit Geschichte – der großen und den vielen kleinen einzelnen, die ihr angehören und sie ausmachen – auseinander zu setzen, werden The Irreversible Entanglements ihrem an das physikalische Phänomen der Unumkehrbaren Quantenverschränkung angelehnten Namen gerecht, wenn sie nicht nur versuchen geschichtliche und identitäre Zusammenhänge zu beleuchten, sondern sich auch musikalisch auf geschickte Art und Weise der Improvisation miteinander verhäkeln.
Die Instrumente untermalen nicht nur die Spoken-Word-Poetry von Ayewa, sie tragen gleichermaßen zum Gesamtbild einer ständigem Wandel unterliegenden Klanglandschaft bei, verschmelzen mit den Musikern und erhalten dabei eine eigene Persönlichkeit.
Saxophon, Trompete, Bass, Schlagzeug, Kuhglocke, Rinderhorn und Co. spiegeln wieder, was Ayewa in Worten beschreibt und ergänzen es durch eigene Beiträge. Ein aufgeregtes Saxophonsolo, ein Dialog zwischen verschiedenen Perkussionsinstrumenten – hier beherrschen gleichermaßen die Musiker ihre Instrumente als die Instrumente ihre Musiker und allesamt haben sie wiederum das Publikum fest im Griff.
Zwischen Ungewissheit und Hoffnung
Trotz teilweise bedrohlichen Klängen, verlieren die Worte von Ayewa nicht an Hoffnung. Sie erinnert daran, dass sich in der Beschäftigung mit Geschichte auch ein Weg auftun kann, der aus der Dunkelheit und dem Chaos herausführen kann. Letztendlich so erinnert sie, führt Selbstreflexion auch immer zu wichtigen Lerneffekten.
Für die Zugabe, tauchen Ayewa und Aquiles Navarro dann jedoch selbst noch einmal in die Dunkelheit ab und zwar indem sie die Bühne verlassen und sich fast ein wenig geisterhaft im Zuschauerraum bewegen. Das letzte Stück bleibt rein instrumental und verklingt schließlich mit dem leisen Rückzug der Gruppe.
So stellen die Irreversible Entanglements bei ihrem Auftritt im Rahmen von Enjoy Jazz eindrucksvoll ihre Vielschichtigkeit unter Beweis, und präsentieren sich als eingespieltes Ensemble, dem es gelingt, das Publikum in einen beinahe tranceartigen Zustand zu versetzen.
Als dann das Licht wieder angeht, dauert es ein bisschen, bis der Bann bricht und die Leute schließlich ihre Plätze verlassen – nicht zuletzt auch aufgrund des lang anhaltenden Applauses.










