In Stuttgart beweist Ed Sheeran einmal mehr, wie gut er als Musiker und Entertainer ist. Seine Fähigkeit, Musik stilsicher zwischen explosiven Hits und emotionalen Balladen in perfekter Harmonie und Balance zu halten, zeigen sich auch bei dieser Tour.

Das Konzert von Ed Sheeran mutiert fast zu einem halbem Festivaltag. Um 18 Uhr startet der Konzertmarathon von 5 Stunden bei sengender Hitze mit der Sängerin Tori Kelly. Obwohl sie bei ihrem Konzert am Anfang mit einigen Verzerrungen zu kämpfen hat, zeigt sie mit stimmgewaltiger Kraft ihre gesanglichen Fähigkeiten.

Die Mischung aus rhythmischem Popgesang und emotionalen Balladen wie dem Soulklassiker "Don't You Worry 'bout A Thing", ein Cover von Stevie Wonder, geht teils richtig unter die Haut. Sie bietet beste Unterhaltung zum Auftakt und schon jetzt gehen viele Zuschauer enthusiastisch mit.

Myles Smith gibt Gas

Fast 45 Minuten dauert die Show von Myles Smith ab 19 Uhr.  Mit explosivem Rhythmus an der Akustik-Gitarre und kraftvoller Stimme heizt er dem Publikum bei "Wait For You" richtig ein. Er ist sehr aktiv, rennt ständig im Kreis auf der Rundbühne herum und bindet das Publikum gesanglich mit ein.

Mit jedem Song steigt die Stimmung an. Der Höhepunkt seiner 9 Songs ist als Finale dann sein großer Hit "Stargazing". Der weltweite Top Ten Hit wird vom Publikum abgefeiert, vor allem, als Myles Smith von der Bühne runter geht und einen Rundlauf im Innenraum um die Hauptbühne macht. Er wird mit tosendem Applaus und viel Geschrei begeistert verabschiedet.

Bewährtes Konzept

Zunächst fällt auf, dass sich die Bühne bei Ed Sheeran im Vergleich zur letzten Stadiontour nicht verändert hat. Die Rundbühne mit dem runden Videoschirm als absenkbare Kuppel darüber und die sechs Stehlen, die samt Videoschirmen in den Himmel ragen, sind exakt gleich geblieben. 

Als Ed Sheeran die Bühne betritt und dem Publikum sofort mit "Castle On A Hill" einheizt, tanzen, springen und klatschen viele Zuschauer schon auf den mitreißenden Rhythmus. Viel explosiver ist dann das rockige "BLOW", bei dem diverse Feuersäulen hochgehen und man den Pyrogeruch im ganzen Stadion riecht.

Alles live

Wie bei jeder Show betont Ed Sheeran, dass er jeden Sound mit seinen Loop-Stations auf der Bühne live einspielt. Dies zeigt er sogleich bei "Shivers" und das Publikum geht den Rhythmus des Songs mit. Purer Genuss ist der folkige Song "The A Team". Ed Sheeran singt mit dem Publikum.

Deutlich explosiver in Sound und Darbietung ist wiederum "Don't". Wieder steigen die Feuersäulen hoch und Ed Sheeran klatscht den Rhythmus für das begeisternd mitgehende Publikum an. Richtig laut wird es dann bei "Lego House". Die Fans schwenken die Arme und schreien am Ende enthusiastisch ihre Begeisterung heraus.

Neuer Song

Aus dem aktuellen Album "Play" ist der erste Song des Abends "Sapphire". Der coole Rhythmus und die mitreißende Energie des Songs entfacht wieder jede Menge Energie im Stadion. Das glatte Gegenteil ist die emotionale Ballade "Eyes Closed". Berührend und mit viel Gefühl, ohne aber das Publikum runterzuziehen, singt Ed Sheeran über den Verlust eines geliebten Menschen.

Auf die nächste Ballade "Live Goes On" folgt mit "Give Me Love" wieder ein grooviger Song. Der Rhythmus der Gitarre zieht im Verlauf des Songs immer weiter an. Ed Sheeran peitscht das Publikum beim Klatschen immer weiter hoch.

Die Masse tobt

Gemeinsam mit Tori Kelly singt Ed Sheeran anschließend die zarte, gefühlvolle Ballade "I Was Made For Loving You". Beide zeigen hier ihr großartiges Gefühl für Musik und sorgen für einen weiteren Gänsehautmoment. Das große Medley über 8 Minuten von "Take Me Back To London" bis hin zu "I Don't Care" beweist ein weiteres Mal die große musikalische Bandbreite von Ed Sheeran. Seine begnadeten Fähigkeiten als Sänger und Songwriter scheinen schier endlos zu sein.

Wie er trotz aller Gefühle ein ganzes Stadion zum Springen und Toben bringt, zeigt er bei "Celestial". Gefühlt wackelt die Erde, so groß ist die Energie des feiernden Publikums. Auch "Galway Girl" bei dem seine Violonistin um ihn herum springt und am Ende sogar im Sitzspagat landet, wird frenetisch abgefeiert. Beide zusammen zelebrieren auch mit rockigeren Tönen "Nancy Mulligan".

Spiel mit Melodien

Ein weiterer Ohrwurm, den fast alle Zuschauer mitsingen können, ist die fast schwebende Ballade "Thinking Out Loud". Ed Sheeran nimmt sein Publikum auch beim Justin Bieber Cover "Love Yourself" mit und singt mit seinem Publikum. Umrahmt von zahlreichen Handylichtern spielt er das groovig, rhythmische "I See Fire".

Wie emotional großartig er auch traurigere Themen verarbeitet zeigt er beim neuen Song "Old Phone". Darin führt er "conversations with my dead friends" und trotzdem löst der folkige Song keine depressiven Gefühle aus, sondern eher schöne Erinnerungen. Das Lichtermeer bei "Photograph" ist wie ein Blick in die Sterne und  das in blaues Licht getauchte "Tenerife Sea" löst warme Gefühlsregungen aus.

Kampf mit den Tränen

Der emotional schwierigste Moment des Abends beginnt mit einer Erklärung. Seit 2018 hat Ed Sheeran den für ihn emotional sehr schwer zu singenden Song "Supermarket Flowers" nicht mehr live gesungen. Mit brüchiger Stimme kämpft er sich durch den Song und lässt das Publikum an seinen Emotionen teilhaben. Am Ende kämpft Ed Sheeran sichtbar mit den Tränen. 

Aber ganz der Profi fängt er sich wieder und biegt auf die Zielgerade des Konzerts ein. Der nächste emotionale Hit ist "Perfect", der auch viele Emotionen beim Publikum weckt. Völlig anders ist dagegen der Powersong "Bloodstream". Ein Feuerwerk aus Gitarrenpower, rotem Licht und Flammen aus Rundbühne und den sechs Stehlen sorgen für ein grandioses, optisches Schauspiel. Mit der Ballade "Afterglow" endet der Hauptblock.

Alle Register zum Finale

Das wuchtige, energetische "You Need Me, I Don't Need You" lässt das Publikum wieder vor Ekstase tanzen. Der neue Singlehit "Azizam" mit den pochenden Herzen auf der Videowand geht gut ins Ohr und in den Körper. Bei "Shape Of You" singt Ed Sheeran wieder mit einem völlig entfesselten Publikum.

Der große Kracher am Schluss ist "Bad Habits". Das ganze Stadion klatscht den Rhythmus. Ed Sheeran zündet alle Register. Er singt mit den Fans und überall wird gesprungen und getanzt. Zum Ende steigen nicht nur die Feuersäulen hoch, sondern in der Mitte zündet ein hochexplosives Feuerwerk und steigt hoch in den inzwischen dunklen Nachthimmel. Eine fantastische Show von einem der größten Musiker, der aktuell unter uns weilt.

Setlist:

Castle On The Hill / BLOW / Shivers / The A Team / Don't / Lego House / Sapphire / Eyes Closed / Life Goes On / Give Me Love / I Was Made For Loving You / Medley: (Take Me Back To London / River / Peru / 2Step / Cross Me / Beautiful People / South Of The Border / Own It / I Don't Care) / Celestial / Galway Girl / Nancy Mulligan / Thinking Out Loud / Love Yourself / I See Fire / Old Phone / Photograph / Tenerife Sea / Supermarket Flowers / Perfect / Bloodstream / Afterglow // You Need Me, I Don't Need You / Azizam / Shape Of You / Bad Habits