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Gentleman (live in Mannheim 2020) © Rudi Brand

Nach Wochen ohne Konzerte und echte Live-Atmosphäre entsteht durch Gentleman endlich wieder ein Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit. So wird das Autokino CARStival in Mannheim zur gelebten Wohlfühlzone der ausbrechenden Emotionen.

Die Sonne spiegelt sich auf dem Lack der zahlreichen Autos auf dem Maimarktgelände. Die Besucher haben beste Laune, sitzen im oder auf ihrem Auto. Viele Fans haben Campingstühle dabei und sitzen in kleineren Gruppen bei ihrem Auto.

Dazu ist die Open Air Lounge vor der Bühne komplett gefüllt. Zwischen den Autos flitzt der Bringdienst auf E-Scootern hin und her, um die Zuschauer mit bestelltem Essen und Getränken zu versorgen.

Den Rost abgeschüttelt

Um die Stimmung anzuheizen, beginnt Backgroundsängerin Treesha als Einheizer das Konzert mit "Balance Me Out". Die größte Überraschung ist dabei der erstaunlich gute Live-Sound. Im Gegensatz zu vielen vorherigen Shows braucht es diesmal kein Autoradio, um die Musik genießen zu können. 

Ein rhythmisches Opening aus Gitarre und Schlagzeug bereitet den Übergang in die Melodie vor, mit dem Gentleman schließlich unter dem Jubel des Publikums die Bühne betritt. Die ersten Songs wie "Uprising" verbreiten viel Gute Laune und echtes Sommerfeeling. Auch die Message "Don't Do It" im Zuge der Black Lives Matter Bewegung wird mit großem Zuspruch aufgenommen.

Dennoch spürt man vielfach noch ein wenig Zurückhaltung. Auch das Publikum muss sich immer noch an die von Gentleman so benannten "surrealen Zeiten" gewöhnen. Es ist förmlich greifbar, wie sehr vielen Zuschauern zu Beginn die Energie fehlt. Es braucht ein paar Songs, um den Rost der lähmenden Monate abzuschütteln.

Englisch und Deutsch

Mit "Fire Ago Bun Dem" lockert sich die Anspannung allmählich. Die heulende Gitarre gibt gute Energie ans Publikum. Der groovende Sound lässt sich auch vor den Autos ebenso ansprechend vertanzen wie das groovige Duett von Gentleman und Treesha bei "Jah Ina Yuh Life". Dazu gibt Gentleman schon jetzt Einblicke in sein neues Album "Blaue Stunde", das im September 2020 erscheinen soll.

Es wird sein erstes Album in deutscher Sprache werden. Neben dem schon bekannten Song "Ich glaub an mehr" besingt er auch noch ein neues Lied über seinen Garten, der perfekt in die aktuelle Zeit passt. Der Garten wurde in Zeiten des Lockdowns zur kleinen Oase der Freiheit und so will auch Gentleman jetzt "das Leben nur umarmen".

Die Befreiung

Zu "Tranquiltity" klatschen alle Zuschauer zum Rhythmus der Musik und es wirkt wie der erste Anstieg zur großen Gefühlsexplosion. Der ansteckende Rhythmus und die sich langsam aufbauende Energie entlädt sich schließlich bei "Intoxication". Der Song ist ein Energizer, der auf jedem Konzert von Gentleman funktioniert. Es ist der große Befreiungsschlag, es wird ausgelassen getanzt wie in normalen Zeiten.

Der schnelle Up-Tempo Groove von "To The Top" wird aufgegriffen und abgetanzt, egal ob am Auto oder in der Lounge. Es ist ein echtes Stimmungshighlight, angereichert durch ein eingebautes Snippet einer schnellen Reggae-Version von "Sweet Dreams", dem alten Klassiker von Eurythmics. Hits wie "Motivation" und "Ovaload" tun ihr übriges, die Stimmung weiter auf beste Summerparty zu treiben.

Endspurt im Publikum

Mit "Leave Us Alone" schaltet Gentleman im Tempo nochmal einen Gang hoch. Der Reggae-Star heizt das immer ausgelassenere Publikum an, die ihre Autos mit Lichthupen und Huptönen antworten. Als Zugabe kommt Gentleman dann von der Bühne runter und wandert durch die Reihen der Autos und begeisterten Zuschauer. Ein paar Selfies, echte Nähe, für einen kurzen Moment geht die bis dahin großartige Disziplin verloren.

Vor allem die Energie und die überschwankenden Emotionen bei "Superior" sind einfach zu groß. Die Party an der Lounge ist entfesselt, der emotionale Druck der letzten Wochen bricht heraus. Wieder zurück auf der Bühne beendet Gentleman das Konzert mit dem legendären "Redemption Song" von Bob Marley.

Die emotionale Ballade mit dem einsamen Saxophon ist der perfekte Abschluss eines Konzerts, das in diesen schwiergen Zeiten für positive Emotionen sorgt. Nur Musik und Kultur haben die Kraft, solch positive Emotionen zu entfachen. Es ist ein Signalfeuer der Hoffnung, das niemals erlischen darf. Wir alle werden diese Kraft noch dringend brauchen.

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