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Herbie Hancock (live in Frankfurt 2019) © Torsten Reitz

Jazz-Altmeister Herbie Hancock und Band präsentieren sich in der Frankfurter Jahrhunderthalle als äußerst spielfreudige Truppe, die bei aller musikalischen Klasse aber gelegentlich zur Selbstverliebtheit tendiert.

Meister hat der Jazz im Laufe seiner Geschichte so einige hervorgebracht, von denen nicht wenige mittlerweile ein gesetztes Alter vorweisen können – so auch Herbie Hancock, der inzwischen 79 Lenzen zählt und unlängst sein 60-jähriges Bühnenjubiläum zelebrierte.

Lange hatte sich der ursprünglich aus Chicago stammende Pianist und Komponist in Deutschland rar gemacht. Nun beehrt er die hiesigen Spielstätten endlich wieder mit Auftritten wie dem in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Vertraute Gesichter

Besetzungstechnisch hat sich seit seinen letzten Konzerten hierzulande nicht allzu viel getan: Noch immer besteht das Grundgerüst der Band neben Herbie Hancock aus seinen beiden langjährigen Mitstreitern, Gitarrist und Vokalist Lionel Loueke sowie Bassist James Genus.

Nur hinter dem Schlagzeug hat mit Robert Glaspers Gefolgsmann Justin Tyson anstelle von Kendrick Scott ein anderer Drummer Platz genommen. Weibliche Unterstützung erhalten die vier Herren zudem von der Flötistin und Sängerin Elena Pinderhughes.

Klassiker des Jazz

In dieser Formation arbeiten sich Herbie Hancock und seine Begleiter zunächst durch die ausgedehnte "Overture", in die mit "Chameleon" eines der bekanntesten Stücke des Pianisten kurz Einzug hält.

Ansonsten bedient sich das Quintett der ‚Hits‘ des Altmeisters. Mit "Butterfly", dem gefeierten "Actual Proof" oder dem Klassiker "Cantaloupe Island" kann man die Songauswahl gut und gerne als wenig überraschend bezeichnen.

Effektlastig

Ausgefallener sind dafür die Arrangements, die Herbie Hancock und Co. bei den Stücken auftischen. So darf beispielsweise Lionel Loueke, den der Bandleader zurecht als "einzigartig" bezeichnet, neben dem Wah-Wah-Pedal immer wieder ein ganzes Sammelsurium an Gitarren- und Gesangseffekten einsetzen.

Meistens funktionieren diese Momente, in denen sich der Altmeister vornehm zurückhält und seinen Mitstreitern die Bühne überlässt. Zu monoton gerät lediglich James Genus' mit Loops und Delays gespicktes Bassintro zu "Secret Source".

Weniger wäre mehr gewesen

Hin und wieder scheint es jedoch, als müssten Herbie Hancock und seine vier Mitmusiker fast schon zwanghaft demonstrieren, zu welchen technischen Finessen sie in der Lage sind. Virtuos ist das Ganze sicherlich, den Songs aber nicht immer zuträglich.

Weniger wäre hierbei wohl manchmal mehr gewesen, lebt der Jazz doch immerhin ebenso sehr von den Pausen wie von schnell dargebotenen Passagen. Der Begeisterung der zahlreichen Fans in der Jahrhunderthalle angesichts der lebenden Legende Herbie Hancock tut dies allerdings keinen Abbruch.

Flammendes Plädoyer

In dieser Euphorie sonnt sich dann auch der Meister, der in seinem Outfit fast schon jugendlich wirkt und ein flammendes Plädoyer für die Erde als einziges "Vaterland" (er wählt ganz bewusst dieses deutsche Wort) der Menschheit hält.

Im gleichen Maße lobt er seine zweifelsohne äußerst talentierte Begleitband, angefangen mit der aufgrund ihres jungen Aussehens als "Baby" bezeichneten Elena Pinderhughes bis hin zu seinen angestammten Sidemen, über den grünen Klee. Herbie Hancock hat sichtlich Spaß daran, nach all den Jahren wieder vor seinen deutschen Fans zu stehen.

Standing Ovations zum Abschluss

Vor die inzwischen von ihren Sitzen aufgestandenen Zuschauer tritt der Pianist dann auch gegen Ende des Konzerts beim obligatorischen Rausschmeißer “Chameleon“ mit einem seiner Markenzeichen, der Keytar, um sich feiern zu lassen.

Die musikalische Darbietung seiner Klassiker bei seinem Auftritt in Frankfurt mag sicherlich Geschmackssache sein. Das hält die vielen Fans allerdings in keinster Weise davon ab, ihr Idol von Anfang bis Ende zu umjubeln. Wie oft wird man noch die Gelegenheit haben, Herbie Hancock live zu erleben?

Setlist

Overture / Butterfly / Actual Proof / Come Running To Me / Secret Source / Cantaloupe Island // Chameleon

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