Art Garfunkel (2014)

Art Garfunkel (2014) © MLK

Mit Art Garfunkel steht in der Alten Oper in Frankfurt ein außergewöhnlicher Sänger auf der Bühne und lässt sein Publikum träumen. Auch wenn das Konzert nicht perfekt ist, überwiegen am Ende die tiefen Emotionen jedes stimmliche Defizit.

Ein Konzert mit Art Garfunkel, das unter dem Motto "An Evening Of Songs And Stories" steht, kann letztlich nur eine nostalgische Reise werden. Genau dies erleben die Besucher in der Alten Oper in Frankfurt.

Das Bühnenset ist total puristisch, reicht für dieses Konzert aber völlig aus. Ein Keyboard samt Sitz und zwei hohe Stühle für Art Garfunkel und den Akustikgitarristen genügen. Art Garfunkel betritt den Saal und beginnt mit "The Things We've Handed Down", einem Cover von Marc Cohn. Es ist eine sanfte, gefühlvolle Ballade, die gleich das Spannungsfeld des Abends aufzeigt.

Wer hat hier die Hits?

Art Garfunkel trifft mit seiner Stimme emotional immer noch mitten ins Herz, hat aber nicht mehr die stimmliche Kraft, alle Töne durchgängig zu halten. Nach einer schweren Kehlkopferkrankung ist es nicht verwunderlich, dass die Stimme immer wieder kurz wegbricht. Als Zuhörer zuckt man kurz, lässt sich dann aber wieder in die Musik fallen.

Stimmlich aufgefangen wird das Konzert dann mehrfach von Garfunkel's Sohn Art Jr., der seinen Vater auf der Tour begleitet. Er löst seinen Vater ab, singt mit glockenklarer Stimme "Wednesday Morning 3 A.M." Der lächelnde Kommentar seines Vaters: "He has the voice, but I had the hits".

Zurück in die 1960er

Die ersten Takte von "The Boxer" lassen das Publikum sofort mitklatschen. Auch wenn Art Garfunkels Stimme immer wieder wackelt, erzeugt das Lied berauschende Gefühle. So nimmt er das Publikum wieder zurück in die 60er Jahre und lässt sie mit einem besonders intensiven "Scarborough Fair" schweben.

Dem schnellen Up-Tempo Folk von "A Poem On The Underground Wall" folgt mit "Perfect Moment" wieder eine echte Gefühlsballade, ein Song als Ausdruck von Schönheit. Garfunkel selbst beschreibt es so in seinen Kommentaren und Geschichten, die er immer wieder einwirft.

Dem Duett "Homeward Bound" von Vater und Sohn folgt mit "Smile", einem Cover von Charlie Chaplin", noch ein Solo von Art Jr. mit starker Kopfstimme am Ende, während sein Vater an der Seite steht und langsam im Takt hin und her wiegt.

Die Songwriter

Nach der Pause erzählt Art Garfunkel zuerst von seinen Idolen, den fünf größten Songwritern, mit denen er gearbeitet hat. Neben Paul Simon erwähnt er seinen Freund James Taylor. Der legendäre Singer/Songwriter soll der nächste US Präsident werden, wenn es nach ihm geht. Auch Randy Newman gehört dazu und so covert er dessen ebenso wunderschöne wie sarkastische Ballade "Real Emotional Girl".

Das Konzert bietet eine gelungene Mischung von Hits. Nach der akustischen Folk-Pop Ballade "April Come She Will" darf Art Jr. wieder glänzen. Unter den Augen seines Vaters lässt Art Jr. die Legende Dean Martin mit "That's Amore" wieder aufleben.

Wie wichtig die Durchsetzungskraft von Art Garfunkel gegenüber seiner Plattenfirma war, zeigt der Welthit "Bright Eyes". Dieses Lied wollte das Label zunächst nicht haben, weil es sich angeblich in den USA nicht verkaufen würde. 

Legendäre Welthits

Stimmlich nicht perfekt, aber dennoch emotional brillant inszeniert feiert das Publikum "Bridge Over Troubled Water" wobei Art Jr. seinen Vater am Ende stimmlich unterstützt.

Die Geschichte zum nächsten Hit ist skurril. Der Student Art Garfunkel ist in seiner Wohnung. In der Küche laufen überall Kakerlaken rum, als sein Kumpel Paul Simon ihm seinen 6. Song vorspielt, der beste, den er je geschrieben hat. Kann man so sagen über "The Sound Of Silence". Diese Version beginnt und endet ganz zart, besitzt in der Mitte aber viel Tempo und Kraft.

Höhepunkt und Abschluss

Die Emotionen erreichen einen Höhepunkt, als Vater und Sohn Arm in Arm gemeinsam "Let It Be Me" singen. Die faszinierende Dynamik von "Kathy's Song", die einmal mehr das geniale Songwriting von Paul Simon aufzeigt, ist ebenso begeisternd wie der letzte Song "Now I Lay Me Down To Sleep".

Das Publikum im Saal steht und feiert Art Garfunkel. Eine lebende Legende, getragen von einer Welle tiefgehender Emotionen, obwohl der Mann mit der einst goldenen Stimme nicht so hell scheinen kann wie einst.

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