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Scorpions (live in Bonn 2019) © Torsten Reitz

An einem Sommertag, der von widrigen Witterungsumständen geprägt ist, fegen die Scorpions zum Abschluss des diesjährigen Kunst!rasen in Bonn wie ein Wirbelsturm der guten Laune über das Gelände und zeigen, dass sie auch im Alter noch nichts von ihrer Live-Präsenz eingebüßt haben.

Dem geneigten Musikfan muss man die Scorpions wohl nicht groß vorstellen. Rammstein mögen dieser Tage zwar die bei uns wie auch im Rest der Welt größere deutsche Nummer am Himmel der härteren Gangarten sein. Die Hannoveraner sind allerdings in der Beständigkeit ihres internationalen Erfolgs seit vier Jahrzehnten kaum zu überbieten – obwohl sie hierzulande des Öfteren belächelt wurden. Doch die hiesige Kritik hat die giftigen Tierchen um Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker laut eigener Aussage über ihre lange Karriere hinweg nur noch viel (be)stechender gemacht.

Neue Rosen braucht das Land

Bevor die Scorpions mit ihrem Auftritt das diesjährige Kunst!rasen-Festival in Bonn beschließen, erhalten die Besucher auf dem vom starken Regen an diesem Tag durchnässten Gelände aber zunächst einmal eine gehörige Dosis The New Roses: Die umtriebigen Wiesbadener Hardrocker um Frontmann Timmy Rough, die bereits in der US-Fernsehshow “Sons Of Anarchy“ zu hören waren, feuern als Opener etwa eine Dreiviertelstunde aus allen Rohren – und schon ist die schlechte Stimmung im Matsch des Areals versunken.

Alles bei(m) Alten?

Es ist also angerichtet für die rastlosen Scorpions, die trotz ihres inzwischen gesetzteren Alters in den vergangenen Jahren keinerlei Ermüdungserscheinungen zu zeigen pflegten. Das musikalische Programm der Hannoveraner an diesem Abend orientiert sich zwar im Großen und Ganzen an ihren 2016er Shows vor und nach dem Einstieg des früheren Motörhead-Drummers Mikkey Dee. Ein paar Überraschungen haben die stechenden Gliederfüßer dennoch in petto: So geben sie in Bonn etwa das reggae-artige “Is There Anybody There?“ und den Rocker “Bad Boys Running Wild“ zum Besten.

Urlaub (r)aus, Stimmung (r)ein

Einige andere Songs wie die Ballade “Holiday“ und das fulminante “Dynamite“ mussten dafür zwar weichen, doch die Scorpions präsentieren sich beim Kunst!rasen beinahe noch ein wenig druckvoller als auf ihren Konzerten der vergangenen Jahre. Den dank der New Roses bereits gut aufgelegten Zuschauern gefällt jedenfalls, was sie von den Hannoveranern zu hören und auch zu sehen bekommen. Speziell Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker, die beiden markantesten Köpfe der Band, begeben sich immer wieder zum Posieren und für Interaktion mit dem Publikum ganz nach vorne.

Multimediale Gliedfüßer aus einem Guss

Auch die futuristische Bühne mit den vielen Videoleinwänden, die im Laufe der letzten Jahre noch einmal ein wenig dazugewonnen zu haben scheint, trägt ihren Teil dazu bei, die Scorpions multimedial zu inszenieren. Die Rocklegenden wirken in dieser Besetzung und Verfassung wie eine gut geölte Maschine, angefangen von der schwedischen Dampfwalze Mikkey Dee hinter dem Drumkit über die sehr solide Rhythmusarbeit von Schenker und Bassist Paweł Mąciwoda bis hin zu den virtuosen Gitarrenleads von Matthias Jabs und dem stimmlich weiterhin äußerst gut aufgelegten Meine.

„… und jetzt alle!“

Zwischen Rockern wie dem schwergängigen Groove von “The Zoo“, dem stimmungsvollen Instrumental “Coast To Coast“ oder dem krachenden “Blackout“ dürfen natürlich auch die für die Scorpions typischen Gänsehautmomente nicht fehlen. Im Mittelteil der Show bedienen sich die Hannoveraner dazu zweier Stücke ihres 1990er Hitalbums “Crazy World“, nach dem die aktuelle Tour benannt ist: Bei der akustisch wiedergegebenen Ballade “Send Me An Angel“ und ihrer absoluten Überhymne “Wind Of Change“ singt das Bonner Publikum jede einzelne Silbe aus voller Kehle mit.

Rockende Skorpione aus sämtlichen Epochen

Den Rest der Show dominieren davor und danach – mit Ausnahme der ersten Zugabe “Still Loving You“ – allerdings eher härtere Nummern, seien es nun der relativ neue Opener “Going Out With A Bang“, das gleich darauf folgende “Make It Real“, das Medley der Uli Jon Roth-Jahre mit “Top Of The Bill“, “Steamrock Fever“, “Speedy’s Coming“ und “Catch Your Train“ oder der erst kürzlich eingeführte Dreischlag aus den direkt ineinander übergehenden “Bad Boys Running Wild“, “I’m Leaving You“ und “Tease Me Please Me“. Die Scorpions haben im Alter weiterhin „Bock auf Rock“.

Gestochen scharf

Auf diese Weise beschließen sie auch ihren Auftritt beim Kunst!rasen. Zunächst verabschieden sich die Hannoveraner kurz mit “Big City Nights“, bevor sie sich für den Zugabenteil noch einmal zurück auf die Bühne begeben. Den Schlusspunkt setzt – wie könnte es anders sein – das inzwischen obligatorische “Rock You Like A Hurricane“, das sinnbildlich für den Abend steht: Die Scorpions, die in diesem Sommer noch einmal besser aufgelegt wirken als vor wenigen Jahren, haben die Unwetter und die anfangs etwas getrübte Stimmung mit einem Wirbelsturm der guten Laune wie weggefegt.

Setlist

Going Out With A Bang / Make It Real / Is There Anybody There? / The Zoo / Coast To Coast / Medley: Top Of The Bill – Steamrock Fever – Speedy’s Coming – Catch Your Train / We Built This House / Delicate Dance / Send Me An Angel / Wind Of Change / Bad Boys Running Wild – I’m Leaving You – Tease Me Please Me / Mikkey Dee Schlagzeugsolo / Blackout / Big City Nights // Still Loving You / Rock You Like A Hurricane

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