Nicki Minaj (2018)

Nicki Minaj (2018) © Universal Music

Eigentlich sollte Nicki Minaj gerade zusammen mit dem Rapper Future auf globaler Konzertreise sein. Dass die New Yorkerin nach dem Scheitern dieser groß angelegten Tourpläne auch im Alleingang die Massen in Hysterie versetzen kann, beweist ihr mit viel "Bling-Bling" garnierter Auftritt in der Frankfurter Festhalle.

Mit ca. 100 Millionen verkauften Tonträgern allein in den USA ist Nicki Minaj bereits jetzt die kommerziell erfolgreichste Rapperin aller Zeiten. Ob das nun mehr an ihrem Talent für Sprechgesang oder an ihrer aufreizenden Selbstdarstellung liegen mag, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Daher war es aber umso verwunderlicher, dass die Tickets für ihre groß angelegte gemeinsame Tour mit Future in den Vereinigten Staaten wenig Abnehmer fanden und die komplette Konzertreise in dieser Form kurzerhand wieder abgesagt wurde.

Super(sized)-Star

In Deutschland braucht sich Nicki Minaj um solche Kleinigkeiten allerdings keine allzu großen Sorgen zu machen: Das Interesse an den Live-Shows der 36-Jährigen ist hierzulande womöglich so groß wie sonst nirgends, ob mit Future oder ohne. Auch wenn die Frankfurter Festhalle nicht komplett ausverkauft ist, macht sich das Publikum zumindest im Innenraum gefühlt ähnlich breit wie das markante Hinterteil der Rapperin. Das gilt über weite Strecken sogar schon beim Auftritt des ersten Supports Azet & Zuna aus der Dresdner KMN Gang.

Eine Welt voller Saft

Nach einer längeren Umbauphase geht es auf der Bühne dann eher um Flüssiges als um die Zukunft. Denn anstelle von Future hat sich Nicki Minaj für diese Konzerte Shootingstar Juice Wrld als Anheizer geladen. Das macht der 20-Jährige aus der Nähe von Chicago auch eine gute halbe Stunde lang gar nicht schlecht. Er rappt, er posiert und hat eine tighte Band hinter sich, mit der zusammen er ein gehöriges Maß an Energie in die Festhalle bringt. Den Fans gefällt es jedenfalls. Sie spenden Juice Wrld und Co. nämlich jede Menge Applaus.

Wenn's mal wieder länger dauert...

Die gute Stimmung verpufft aber zunächst wieder, da die selbsternannte Queen Nicki Minaj sich auch genau wie eine aufführt und erst einmal auf sich warten lässt. Das ist insofern unverständlich, weil auf der Bühne praktisch nichts umgebaut werden muss. Deutlich nachvollziehbarer ist hingegen der leichte Unmut, der sich wegen der langen Wartepause im Publikum breitmacht und Raum für wilde Spekulationen bietet: Schafft es die Rapperin etwa nicht in eines ihrer hautengen Kostüme und muss noch freizügiger als üblich auftreten?

Sagenhaftes Wesen

Irgendwann geht es dann doch los. Die Bühne ist in Nebelschwaden gehüllt, als ein paar leichtbekleidete Tänzer auf ihr auftauchen. Schließlich teilt sich die Videoleinwand in zwei Hälften und gibt den Blick auf ein übergroßes geflügeltes Einhorn preis, auf dem sich Nicki Minaj breitgemacht hat. Der Jubel der Frankfurter Zuschauer kennt nun keine Grenzen mehr. Binnen Sekunden hat die aus Trinidad und Tobago stammende Künstlerin allen Unmut in der Halle weggefegt, der völlig zurecht entstanden war.

Arsch auf Eimer

Ab diesem Zeitpunkt ist die Nicki Minaj-Show in vollem Gange, und sie geizt nicht mit Körperlichkeiten jeglicher Art. Die P(r)otagonistin räkelt sich auf Betten und dem Bühnenboden gleichermaßen und streckt den Fans immer wieder ihr opulentes Hinterteil entgegen. Zudem präsentiert sie dem Publikum an diversen Stellen ihre beachtlichen Schenkel, die den Eindruck erwecken, als könne sie zwischen ihnen durchaus den Kopf eines ausgewachsenen Menschen ohne Schwierigkeiten wie ein Nussknacker zerquetschen. So etwas nennt sich dann wohl Körperoptimierung.

Globaler Pop(o)star

So ganz jugendfrei wirkt die von vorne bis hinten durchgetaktete Aufführung nicht gerade – soll sie wohl auch nicht. Immerhin möchte Nicki Minaj selbst gerne "nasty" werden und holt sich unter anderem deshalb auch einen Fan auf die Bühne, der ihr von einer futuristischen Duschkabine aus erst auf den Popo starren und dann ein Küsschen geben darf. Eigentlich würde das Ganze auch kein großes Problem darstellen, wären da nicht die vielen noch jungendlich wirkenden Zuschauer, die das Konzert in Begleitung Erwachsener besuchen und unter normalen Umständen zu dieser Uhrzeit vermutlich längst hätten zu Hause sein sollen. 

Gewaltiges Spektakel

Auffällig ist außerdem die gesamte Ausgestaltung der Bühne: Die Tänzerinnen und Tänzer, die Nicki Minaj ständig umschwänzeln, füllen nämlich einen Großteil davon. Ansonsten sieht es in Sachen Begleitband eher mau aus: Es gibt lediglich einen Drummer und einen Keyboarder, der sich hinter einer riesigen Burg aus Tasteninstrumenten verschanzt. Den Rest erledigt Staffage wie Laser, Nebel, Betten und Einhörner.

Große Augen ob großer Ohren

Dass bei diesem ganzen Drumherum die Musik ein wenig unterzugehen droht, liegt geradezu auf der Hand, obwohl sich Nicki Minaj in den nicht ganz anderthalb Stunden Spielzeit durch fast 40 Songs inklusive ihrer größten Hits wie "Super Bass" und "Anaconda" arbeitet. Man könnte beinahe von optischer Sinnesüberflutung sprechen - zumal es an mehreren Stellen ins Auge sticht, dass sie zumindest teilweise auf Playback zurückgreift, so dass man sich doch ein wenig wundern mag, wie viel von der Show wirklich live ist.

Hinter(n) dem Horizont

Wer (in gleich mehrfacher Hinsicht) auf große Inszenierungen steht, ist bei Nicki Minaj auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Nur allzu viel Substanz sollte man angesichts solcher Songtitel wie "Dance (A$$)" besser nicht erwarten. Dafür gibt es jede Menge "Bling-Bling", visuell wie klanglich. Nicki Minaj demonstriert mit jeder Faser ihres Körpers, wie sehr sie ein Leben im Luxus liebt. Der animalische Stimulus ist also gegeben, der intellektuelle allerdings eher weniger. Vielleicht braucht der Hedonismus von heute aber auch gar nicht mehr.

Setlist von Juice Wrld

Armed & Dangerous / Black & White / Lean Wit Me / All Girls Are The Same / Fine China / Legends / Long Gone / Scared Of Love / SAD! / Wasted / No Bystanders / Robbery / Lucid Dreams

Setlist von Nicki Minaj

Majesty / Hard White / Feeling Myself / Only / Truffle Better / Did It On'em / Beez In The Trap / Rake It Up / Dance (A$$) / FEFE / Anaconda // Bust Down Barbiana / Roman's Revenge / Plain Jane / Your Love / BedRock / Make Me Proud / Throw Sum Mo / Hold Yuh / Letting Go (Dutty Love) / Touch Down / Queen's Speech 4 / Yu Zimme / Rihanna / Monster // Beam Me Up Scotty (interlude) / Turn Me On / Whip It / Pound The Alarm / Starships // Where Them Girls At (interlude) / Blazin' (interlude) / All Things Go / Save Me / Right Thru Me / Grand Piano // Ganja Burn (interlude) /Bed / Side To Side / Swalla / Chun-Li / Moment 4 Life // The Night Is Still Young (interlude) / Super Bass

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