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Dave Matthews Band (live in Hamburg, 2019) © Falk Simon

Im Hamburger MEHR! Theater lässt die Dave Matthews Band keine Wünsche offen und beglückt ihre Fans mit einer gelungenen Mischung aus alten und neuen Songs, viel Spielfreude und jeder Menge Energie.

Er kann sie nicht täuschen: Als Dave Matthews, mit Blue Jeans und kurzärmeligen T-Shirt maximal gewöhnlich gekleidet, um 20:10 Uhr auf die Bühne des gut gefüllten Hamburger Mehr! Theaters schlurft, begrüßt ihn das Publikum so, wie es andere Künstler nach einem grandiosen Konzert entlässt.

Es ist ein frenetischer Willkommensapplaus, den nur Musiker erhalten, die in Vorleistung getreten sind. Als Dave Matthews-Fan weiß man, dass dieser Abend eben nicht gewöhnlich werden wird, dass die Gigs dieser Band etwas Besonderes, vielleicht Einzigartiges, sind.

Noch immer ein Geheimtipp

Matthews, begleitet von seinen Langzeitkollegen Carter Beauford (Schlagzeug), Stefan Lessard (Bass) und Tim Reynolds (Gitarrist) sowie von Jeff Coffin (Saxophon), Rashwan Ross (Trompete) und Neuzugang Buddy Strong (Keyboard), führt diese Band seit beinahe 30 Jahren rund um den Globus.

In den USA ein Act für ganz großen Venues, gelten sie in Europa noch immer irgendwie als Geheimtipp. Matthews aber scheint die kleineren Hallen zu genießen. Er ist von Beginn an bestens gelaunt, lacht, tanzt, albert mit den Kollegen herum.

Neue Energie

Und noch etwas ist mit der ersten Sekunde spürbar: Die Dave Matthews Band setzt in neuer Besetzung – Saxofonist LeRoi Moore ist 2008 gestorben, Geiger Boyd Tinsley wurde nach Missbrauchsvermutungen gefeuert – neue Energie frei.

Der Opener "Warehouse", 1994 auf "Under the Table and Dreaming" erstmals veröffentlicht, gewinnt in der aktuellen Besetzung an Tempo und Dynamik – und setzt den Ton für einen Abend, der allen noch länger in Erinnerung bleiben dürfte.

Gut gemischt

Insgesamt 21 Songs in über zweieinhalb Stunden wird die Band an diesem Abend spielen – alte wie neue, eigene wie Cover-Songs, erwartbare wie überraschende. Dabei fällt auf, wie gut sich die fünf Stücke vom neuen Album "Come Tomorrow", das erste nach einer sechsjährigen Pause, ins Set einfügen.

"That Girl Is You" zum Beispiel läuft so gut, dass Matthews es gleich noch einmal spielen will. "Again And Again", für das der 52-Jährige die Akustische ablegt und sich ganz aufs Singen konzentriert, besitzt eine mitreißende Tiefe.

Hier hat auch Keyboarder und Neumitglied Buddy Strong seinen ersten großen Auftritt mit einem funkigen Orgelsolo, das der Band eine bisher unbekannte Soundfarbe verleiht. Strongs Spiel verändert nicht nur den Bandsound, sondern hebt auch das Niveau jedes einzelnen Mitglieds auf ein neues Level. Was vor allem Reynolds, Coffin und Ross da solieren, ist von allererster Güte.

Verneigungen vor den Helden

Ein weiteres Highlight ist das The Zombies-Cover "Time Of The Season", das sich weitgehend am Original orientiert und dennoch eine eigene Note erhält. Auch das als letzter Song vor dem Zugabenblock gespielte "All Along The Watchtower" – dazu gleich mehr – zeigt, welchen Platz sich die Dave Matthews Band inzwischen in der Tradition großer Bands erobert hat.

Ihr Mix aus Funk, Folk, Jazz und Rock hat bei aller Eigensinnigkeit zahlreiche Anknüpfungspunkte an die ganz großen Namen der Musikgeschichte. Auf ihrer aktuellen Tour coverte die DMB schon Songs von Prince, Peter Gabriel, den Talking Heads, Aerosmith und der Steve Miller Band. Es sind Verneigungen vor ihren Helden und gleichzeitig Belege für die eigene Klasse.

Ritt durch die Gefühlswelten

Die Band reiht Kracher an Kracher. Dem Gewitter von "Don’t Drink The Water" lässt sie das sanfte und rührende "Here On Out" folgen. Dem hymnischen "Lying In The Hands Of God" das bissige "So Much To Say". Dem dramatischen "Gravedigger" das zuckrige "You And Me".

Und schließlich folgt auf das sehnsüchtige "Grey Street" das Dylansche "All Along The Watchtower", das die Band auf dieser Tour mit "Stairway To Heaven" kombiniert, nahtlos eingefädelt, mit einer brachialen Wucht gespielt, die Led Zeppelin das Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte.

Danach gönnen sich Band und Publikum fast fünf Minuten Pause, um dieses Erlebnis nachwirken zu lassen. Der Zugabenblock beginnt um 22:20 Uhr und umfasst dann mit "Some Devil" und "Ants Marching" noch einmal zwei Kraftdemonstrationen, die es in sich haben.

Auf Distanz zu Trump

Zwei Dinge bleiben noch zusagen: Erstens, Der stets authentische und sympathische Matthews, ist nicht gerade für eloquente Ansagen bekannt. In einem Moment aber ist er ernst und konzentriert, um sich im Namen der ganzen Band von US-Präsident Trump und seiner Politik zu distanzieren: "Not all Americans think like that idiot in the White House. We feel ashamed und embarassed. It would be funny if it wasn’t so scary".

Zweitens: Wie viel Spaß Dave Matthews an den neuen Songs und vor allem an der neuen Besetzung hat, sieht man auch daran, wie viel er lächelt, anerkennend nickt, wenn einer seiner Kollegen sich im Solo mal wieder über die eigenen Grenzen gepusht hat oder wenn er nach Ende eines Stücks den Handschlag oder die Umarmung sucht. Es ist eine Energie, die sich bis in die letzte Reihe überträgt. Am Ende stehen sich Band und Publikum glücklich gegenüber. Es war ein großer Abend.

Setlist

Warehouse / What Would You Say / That Girl Is You / Seven / #41 / Again and Again / Stand Up (For It) / Time of the Season / Don't Drink the Water / Here on Out / Kill the Preacher / Why I Am / Lying in the Hands of God / So Much to Say / Can't Stop / Gravedigger / Grey Street / You & Me / All Along the Watchtower // Some Devil / Ants Marching

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