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Kreator (live in Frankfurt, 2018) © Leonard Kötters

Kreator, Dimmu Borgir, Hatebreed und Bloodbath - das war das Line-up der European Apocalypse Tour. Wir waren beim Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle und verraten euch, ob diese ungewöhnliche Mischung live funktioniert hat.

Die Ankündigung der European Apocalypse Tour sorgte bei Fans harter Gitarrenmusik für Freude, Metal-Puristen blickten allerdings eher skeptisch auf die gewagte Mischung aus Hardcore sowie Death-, Black- und Thrash Metal.

Der mäßig gefüllte Parkplatz der Jahrhunderthalle Frankfurt lässt befürchten, dass das Konzept nicht aufgehen wird. Später zeigt sich, dass diese Befürchtung unberechtigt ist, obwohl die Halle nur etwa zur Hälfte gefüllt ist.

Entspannter Auftakt

Beim Einlass zeigt sich ein sehr entspanntes Bild. Die Zuschauer, viele davon in voller Metalmontur, gehen respektvoll miteinander um, trinken Bier und lassen die Einlasskontrolle gelassen über sich ergehen. Das macht Hoffnung auf einen runden Konzertabend.

Pünktlich um 18 Uhr betreten Bloodbath dann die Bühne. Die Supergroup wurde einst von Mikael Åkerfeldt von Opeth, den beiden Katatonia-Mitgliedern Anders Nyström und Jonas Renske sowie Tausendsassa Dan Swanö gegründet. Aus dieser Besetzung sind nur noch Nyström und Renske Teil der Band – allerdings nicht bei Liveauftritten, was Bloodbath aber nicht weniger interessant macht.

Ausgereifte Schweden

Zum einen tummeln sich im Line-up immer noch namhafte und sehr professionelle Musiker – stellvertretend sei hier Nick Holmes (Paradise Lost) genannt – zum anderen ist die Musik ausgereift. 

Häufig werden die früheren Entombed als Vergleich bemüht. Unbestritten steht die Band nach wie vor in der Tradition des skandinavischen Death Metals – und der funktioniert wunderbar auf der Bühne. Solide Songs und abgestimmtes Bühnenoutfit machen den Auftritt zu einem kurzweiligen, aber nachhaltigen Erlebnis.

Hardcore passt

Die Genregrenzen zwischen Death, Thrash und (manchmal auch) Black Metal sind oft fließend, aber man fragt sich, wie eine Hardcore Band wie Hatebreed in den Abend passt. Die Reaktionen der Fans sprechen aber eine eindeutige Sprache. Gekonnt lässt Frontmann Jamey Jasta von Anfang an keine Zweifel aufkommen und setzt mit seinen Bandkollegen auf die mit Hardcore assoziierte brachiale Energie.

Es hilft natürlich ungemein, dass die Band seit 1994 Musik macht und ein dementsprechendes Repertoire aufgebaut hat. Die Fans jedenfalls sind Feuer und Flamme. Und welche Kräfte dort walten, zeigt sich direkt am Anfang des Sets bei einem kleinen Zwischenfall. Aus nicht eindeutigen Gründen wird ein Fan von den großartigen Jungs der Security aus der ersten Reihe geholt und von den Sanitätern durchgecheckt.

Eine Frage des Zusammenhalts

Die Band unterbricht prompt ihr Set und macht mit allen Anwesenden einen Deal. Alle sollen mit einem Lächeln und "sweaty balls und sweaty tits" nach Hause gehen. Dafür werde die Band alles geben, sagt Jamey Jasta, im Gegenzug sollten alle wachsam miteinander umgehen.

Sehe man jemanden, dem es nicht gut geht, ob im Pit oder anderweitig, dann solle man sich um ihn kümmern. Metal ist halt auch eine Frage des Zusammenhalts. Und den gibt es im Hardcore ja schon seit der Geburtsstunde. Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage, wie Hatebreed als Hardcore Band in den Abend passen?

Death Metal ohne Skandale

Nach kurzer Umbauphase betritt mit Dimmu Borgir, der erste Co-Headliner des Abends, die Bühne. Die Band zählt zur "zweiten Welle" des Black Metals und in den damals stürmischen Zeiten von Gewalt, Brandstiftung und (leider auch) Mord hat sich die Band um Frontmann Shagrath immer nur mit ihrer Musik Gehör verschafft.

Dimmu Borgir sind im Verlauf der Jahre in ihrem bombastischen Black Metal vollends angekommen, stellenweise vielleicht sogar darin gefangen. Kritische Stimmen haben das neue Album der Band mit Nightwish verglichen, nur dass bei Dimmu Borgir aktuell keine Sängerin mitwirke.

Kurzer Prozess

Aber niemand zahlt hier Eintritt, weil er die Musik der Band nicht überzeugend findet. Und Dimmu Borgir machen natürlich im Rahmen ihres siebzigminütigen Auftritts kurzen Prozess. Priorität liegt auf dem aktuellen Album "Eonian" und generell auf dem neueren Schaffen der Band. Mit "Mourning Palace" schafft es lediglich ein Klassiker älteren Datums in die Setlist.

Der Zuspruch aus dem Publikum bleibt durchgehend hoch, obwohl Fans der ersten Stunde vermutlich nichts mit dem Auftritt anfangen konnten. Den Norwegern ist es aber gelungen, den Sprung von den rauen Anfangstagen in die großen Hallen zu vollziehen.

Zerstörung zum Schluss

Als Kreator schließlich die Bühne betreten, ist die Halle sichtlich gut gefüllt. Die Thrash-Veteranen machen mit ihrem beeindruckenden Intro klar: Be prepared to be destroyed. Auf die klare Ansage folgt die direkte Umsetzung. Über den Einsatz von Konfettikanonen auf Metal-Konzerten lässt sich streiten, sie verfehlen aber ihre Wirkung nicht. Beim Einsatz der Pyrotechnik bei "Satan is real" sind sich aber wieder alle einig: Kreator reißen alles nieder. 

Die Band wirkt hochmotiviert und die Reaktionen der Fans huldigen den Königen des Abends. Natürlich haben sich Kreator auch 2018 nicht neu erfunden; trotz steter Weiterentwickelung bleiben sie sich selbst treu.

Vielfalt über Genregrenzen

Schlachtrufe wie "Smash Homophobia!" hört man leider viel zu selten im Metal-Genre. Sie beweisen aber, dass die Band um den (vegan lebenden) Mille Petrozza hellwach ist und den aktuellen Herausforderungen zwar mit einfachen, aber durchweg kritischen positiven Botschaften begegnet.

Damit beantwortet sich auch, wie die European Apocalypse Tour funktioniert: Die Liebe zur harten Musik sorgt für den nötigen Zusammenhalt. Im teilweise sehr kleinteilig zersplitterten Metal-Genre ist der Aufruf zu Vielfalt ein Statement, das bei allen Differenzen über Geschmacksfragen verbindend wirken kann.

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