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Lord of the Lost (live beim Black Castle Festival, 2018) © Natalie La

Am 31. August und 1. September 2018 feierte das Black Castle Festival auf dem Maimarktgelände in Mannheim trotz einiger kleiner Schönheitsfehler ein erfolgreiches Debüt. Schon jetzt ist klar, dass es 2019 weitergeht: Die ersten Acts stehen bereits fest.

Das zweitägige Black Castle Festival stellt für die Gothic-Szene in der Rhein-Neckar-Region ein Novum da. Bislang mussten hiesige Gothic-Fans für ein ähnliches Erlebnis zum Amphi Festival nach Köln, zum M'era Luna nach Hildesheim oder zum Wave Gotik Treffen nach Leipzig reisen.

Mittelaltermarkt als Rahmenprogramm

Neben zwei Tagen voller Konzerte bot das Black Castle Festival als Rahmenprogramm einen Mittelaltermarkt – komplett mit Klassikern wie einer Feuertanzshow. Der Mittelaltermarkt wirkte in der Betonwüste des Maimarktgeländes zwar etwas fehlplatziert, stellt aber dennoch eine Bereicherung dar.

Allerdings wurden dort keine kulinarischen Köstlichkeiten angeboten, wie man sie sonst auf Mittelaltermärkten antrifft. So mussten sich die Besucher an dem üblichen Festivalessen aus Hamburgern, Pommes und Würsten gütlich tun.

Die denken an die Kinder

Für Besucher, die von weiter anreisten, gab es einen Campingplatz am Gelände. Die übliche Campingplatz-Party-Stimmung kam bei der Premiere zwar nicht auf, aber so hatten Besucher aus größerer Entfernung die Möglichkeit, auch ohne teures Hotel zum Festival zu fahren.

Besonders lobenswert ist, dass auf dem Black Castle Kinderbetreuung angeboten wurde. Zwei ausgebildete Erzieherinnen kümmerten sich um die Kleinen, während die Eltern in Ruhe das Festival genießen konnten. Von diesem Service können sich andere Festivals noch etwas abschneiden.

Rockiger Sound im Fokus

Der musikalische Fokus des Black Castle lag vor allem bei den Genres Neue Deutsche Härte, Gothic Rock und Gothic Metal. Die eher elektronisch geprägten Subgenres der schwarzen Szene wie Industrial, EBM, Synthpop und Dark Electro waren deutlich unterrepräsentiert. Dadurch deckte das Festival nicht die ganze musikalische Bandbreite der Szene ab.

Ebenfalls unterrepräsentiert waren Bands aus Rhein-Neckar Region. Da die Region in dieser Hinsicht einiges zu bieten hat, wäre das eine Möglichkeit gewesen, weitere lokale Fans anzulocken.

Die musikalischen Highlights

Was die Performance der Bands angeht, konnten neben den Headlinern Stahlmann und Lord Of The Lost vor allem Nox Interna, Ost+Front und Schattenmann das Publikum mitreißen. Nox Interna lieferten eine unterhaltsame Show mit vielen stimmungsvollen Accessoires auf der Bühne. Ost+Front feuerten mit ihrem brachialen Sound und ihrer durchgedreht-verstörenden Show das Publikum kräftig an.

Als echte Überraschung entpuppte sich die relativ neue Band Schattenmann, die sich mit einer wahnsinnigen Lichtshow, pumpendem Sound und einem mehr als sympathischem Frontmann als echte Stimmungsbombe erwiesen.

Nicht alle Bands reißen mit

Hinter den Erwartungen blieben Schwarzer Engel und Still Patient? zurück. Bei beiden Acts sprang die Stimmung nicht so recht auf das Publikum über. Schwarzer Engel traten direkt nach der durch den massiven Einsatz von Playbacks aufgerüsteten Performance von Ost+Front auf und taten sich schwer, in Hinblick auf Sound und Showeinlagen daran anzuknüpfen.

Still Patient?, die auf dem Black Castle ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feierten, wurden ihrer langjährigen Bühnenerfahrung nicht gerecht. Die Gothic-Rocker spielten das Schlagzeug lediglich per Playback ein, wodurch ihre Show einiges an Dynamik einbüßte. Auch ihre Showeffekte blieben im Vergleich zu anderen Acts eher blass. Es müssen ja nicht wie bei ihren direkten Vorgängern Heimataerde gleich Ritterkämpfe und Blutopfer auf der Bühne sein.

Ein gelungenes Debüt

Trotz kleiner Wermutstropfen feierte das Black Castle Festival ein überzeugendes Debüt ab. Die Organisation funktionierte und das Maimarktgelände bietet für das Festival die richtige Infrastruktur.

Obwohl die Besucherzahlen größer sein dürften, hatten diejenigen definitiv Spaß, die gekommen waren. Unglücklicherweise fiel der Premierentermin auf das erste Wochenende im Monat, an dem am Samstag traditionell die Partyreihe Super Schwarzes Mannheim im MS Connexion stattfindet, die jedes Mal hunderte Fans anlockt. Da dort ebenfalls Konzerte stattfinden, machten sich beide Veranstaltung an diesem Tag auch in dieser Hinsicht Konkurrenz.

2019 geht es weiter

Das zweite Black Castle Festival wird dieses Problem nicht haben, da es am 30. und 31. August 2019 stattfinden wird. Der Headliner für die nächste Ausgabe steht derzeit noch nicht fest, mit dabei sein werden jedoch unter anderem Suicide Commando, Crematory, Heldmaschine und Funker Vogt. Aufgrund der bereits bestätigten Bands ist schon jetzt klar, dass die musikalische Bandbreite deutlich erweitert werden wird.

Das sollte für mehr Besucher sorgen und so die Stimmung vor Ort noch einmal heben. Für alle Fans der schwarzen Szene lohnt sich der Besuch nächstes Jahr mit Sicherheit.