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Impressionen Tag 2 (Highfield, 2018) © Christian Grube

Das 21. Highfield Festival bot ein Wochenende voller Spaß, Musik und jeder Menge Sonne und Staub. Von Unwettern blieb das Festival hingegen 2018 verschont, so dass die ausgefallenen Konzerte des Vorjahrs nachgeholt werden konnten.

Das Highfield lob ich mir. Was als eher kleineres Festival am Stausee Hohenfelden bei Erfurt begann, hat sich zum wichtigsten Indie-Rock und inzwischen auch Hip-Hop Festival im Osten Deutschlands gemausert.

Acht Jahre nach dem Umzug an den Störmthaler See südlich von Leipzig ist das Highfield größer denn je. Insgesamt besuchten 2018 nicht weniger als 35.000 Zuschauer das Highfield, 5.000 mehr als im Vorjahr.

Nochmal eingeladen

Aufgrund von Gewittern und Regen musste der Festival-Freitag 2017 abgebrochen werden.

Am Samstag ging weiter, aber Bands wie Billy Talent, Bosse oder Clueso konnten damals nicht auftreten. Nicht verwunderlich, dass man den gleichen Acts ein Jahr später die gleichen Slots anbot. Und diesmal konnten ihre Auftritte tatsächlich stattfinden.

Lasst die Spiele beginnen

Dennoch war die Vorfreude groß, als Itchy (ehemals Poopzkid) auf der Green Stage das 21. Highfield Festival eröffneten. Sogleich wurde der Unterschied zu 2017 deutlich: Es ist staubig – sehr staubig. Obwohl die Veranstalter vor dem Einlass mit Wassertanks über das Infield pflügten war das eher nur ein Tropfen auf den glutheißen Stein.

Sobald die ersten Besucher auf dem Feld tanzten, war die Luft mit feinstem Staub durchzogen, der sich in jeder Pore festsetzte. Das ein Gewitter am Festivalgelände entlang zog, war eher als Gruß an 2017 zu verstehen. Abgebrochen wurde diesmal glücklicherweise nicht.

Wortlastig

Wie in den vergangenen Jahren dominiert auf der Blue Stage der Hip-Hop. Am Freitag zuerst noch The Subways mit stadionorientiertem Rock, durften danach die 257er ihren Auftritt aus dem Vorjahr beenden – natürlich nicht ohne witzige Seitenhiebe. Ihnen folgte Alligatoah, der aktuell mit seiner Akustikshow durch die Lande zieht. Nur von einem Organisten begleitet hangelt sich Alligatoah durch sein Bühnenbild, das eine Kanalisation darstellt. Mit viel Witz lässt er seine Songs in anderem Gewand quasi aus dem Orkus.

Jedoch ist die Frage, ob diese Show als Headlinerslot gut platziert ist. Um 22:00 Uhr wollen die Leute ausgelassen feiern, weshalb ein ambivalentes Gefühl zurück bleibt. Direkt nach Alligatoah fegen Bilderbuch mit ihrem progressivem Sound die Langeweile weg. Maurice Ernst, der wie eine wilde Mischung aus Freddy Mercury, James Dean und Falco wirkt, lebt seine Musik und überträgt seinen Enthusiasmus überträgt direkt aufs Publikum. Ein absoluter genialer Ausklang des Freitags.

Eklektisch

Auch der Samstag war auf der Blue Stage mit Kontra K, Dendemann und Prinz Pi komplett in den Händen von HipHoppern – erst am Abend bezog Parov Stelar mit seiner genialen Mischung aus Elektro, Swing und Jazz einen Gegenpol. Seine Frau Lilja Bloom als echter Hingucker heizte dem Publikum deftig ein und die Instrumentalisten allesamt von hohem Niveau fügten sich perfekt in die Beats ein.

Auf der Green Stage gibt es traditionell deftigen Rock. Freitag am Anfang mit Itchy und Massendefekt. Danach Gogol Bordello, die mit ihrem Gypsy-Punk mit Dubeinflüssen für eine ausgelassene Party sorgen. Die bunt zusammengewürfelte Truppe um den noch bunteren Frontmann Eugene Hütz donnert ein Feuerwerk heraus, dass einfach Spaß macht. 

Vorwärts immer

Direkt danach geht es krachend weiter: die Dropkick Murphys liefern wie gewohnt ab. Während die Band aus Boston in Sachen Studioalben in den letzten Jahren eher weniger überzeugen konnten, sind sie live nach wie vor eine Wucht.

Al Barr und Ken Casey rennen über die Bühne und feuern das Publikum kräftig an. Vor der Bühne hat sich in dessen ein gewaltiger Moshpit gebildet. Nebelmaschinen brauchen die Bühnentechniker an diesem Wochenende definitiv nicht.

Headliner am Freitagabend sind Billy Talent. Die Kanadier sollten im Vorjahr schon den ersten Abend beschließen, doch dann kam der Regen. Grund mehr für die Alternativerocker richtig Gas zu geben. Mit Hits wie "Surrender" oder "Rusted From The Rain" wissen sie zu begeistern.

Wenn ich sie wär

Am Samstag beginnen Fjort und Sondaschule bevor Klaas Heufer Umlauf und der Wir Sind Helden Musiker Mark Tavassol mit ihrer Band Gloria die Green Stage entern. Klaas wirkt routiniert und lächelt die vielen "Ich will 'Wenn ich du wäre' mit dir spielen"-Rufe professionell weg. Ihre Musik funktioniert auch auf der großen Festivalbühne erstaunlich gut.

Kurz vor dem Highfield mussten die Punklegenden Bad Religion leider absagen. Als Ersatz fragten die Veranstalter bei den Donots an und die Ibbenbührener konnten dank eines gefundenen Hundesitters und eines ICE den Gig annehmen. Ein Donots Konzert ist immer eine Mischung aus grenzenlosem Spaß und fettem Rock. Die Bilder sprechen für sich.

Gold Broiler

Vor dem eigentlichen Headliner den Broilers gaben sich Flogging Molly und The Hives die Ehre. Während die Iren mit gewohnt solidem Folkrock nach vorn gingen, fragt man sich bei den Schweden, warum sie seit Jahren die gleiche Show liefern.

Die Broilers sind ein Phänomen. Seit 4 oder 5 Jahren sind die Düsseldorfer nun im Mainstream angekommen. Einige Fans der ersten Stunde sind wenig begeistert, doch welche Band möchte nicht möglichst viele Platten verkaufen und Erfolg haben – in jedem Fall weiß die Gruppe um Sammy Amara, wo sie anzusetzen hat.

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Nach dem zweiten Tag mussten die Besucher sich erholen, denn der Sonntag bot mit Marteria, den Fantastischen Vier und Editors eine ganze Reihe Hochkaräter, die für jede Menge gute Laune sorgten.

Nach so viel Party ist die Vorfreude auf das Highfield 2019. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

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