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Deine Lakaien (live in Mannheim, 2018) © Beatrix Mutschler

Deine Lakaien sind eine der dienstältesten deutschen Darkwave-Bands. In ihrer langen Karriere haben sie sich nie von Genre-Grenzen einschränken lassen, sondern versuchten stets die Vision ihres Sounds zu verwirklichen. Zeit für eine Bilanz.

Dreißig Jahre Bandgeschichte, drei Stunden Retrospektive: Erst im Verlauf der großen Werkschau von Deine Lakaien im gut gefüllten Musensaal des Mannheimer Rosengartens zeigt sich, welch ein Mammut-Unterfangen sich hinter der lakonischen Phrase von Sänger Alexander Veljanov verbirgt.

Die Herausforderung besteht darin, einen Bogen von den eher im Darkwave-Genre verhafteten Anfangstagen des Duos zu ihrem jetzigen, (neo)-klassisch geprägten Stil zu schlagen.

Hit-Maschine

Dass es Deine Lakaien tatsächlich gelingt, diese Exkursion über die gesamte Spielzeit von drei Stunden spannend zu halten, liegt zu einen an der Qualität des Ausgangsmaterials. Das düstere Duo zeigte schon seit dem selbstbetitelten Debüt von 1986 ein besonderes Talent für aufregende Melodien und stets interessante, wenngleich nicht unbedingt immer innovative Songstrukturen.

Zudem haben Deine Lakaien ein veritables Repertoire an "Hits" angesammelt, mit denen es natürlich leicht fällt, das schwarz gewandete Publikum zu begeistern. Es verwundert nicht, dass Klassiker wie Away, Colour-ize, Fighting the Green oder Dark Star zu Recht einen beträchtlichen Teil des Auftrittes ausmachen.

Neoklassische Klasse

Was den Auftritt von Deine Lakaien jedoch zu einem solchen Erfolg macht, ist die Tatsache, dass Alexander Veljanov und Ernst Horn sich zu keinem Zeitpunkt einzig auf die Wirkung dieser Crowd-Pleaser verlassen.

Obwohl die elektronischen Elemente stets einen großen Teil des Bandsounds ausmachen, gelingt es dem Trio durch den Einsatz zahlreicher Live-Musiker – Drums und Gitarre, ein Streicher-Trio mit Geigen und Cello, Background-Vocals und zahlreiche, elektronische wie analoge Tasteninstrumente –, ihren Songs zusätzliches Leben einzuhauchen.

Hier profitiert die Gruppe insbesondere von Ernst Horns kompositorischem Talent: Als klassisch ausgebildeter Musiker und Pianist besticht er nicht nur durch seine sehr eigene Spielweise am Klavier, sondern auch durch die versierte Weise, in der er die ursprünglichen Songs durch die Live-Instrumente mit neuen Texturen und neuer Tiefe ergänzt.

Gelungene Umwege

Auch dem gebürtigen Mazedonier Alexander Veljanov gebührt Lob. Wenngleich seine Stimme natürlich eines, wenn nicht sogar das Markenzeichen von Deine Lakaien ist, gilt es dennoch sein Stimmvolumen sowie die Souveränität, mit der er die nicht immer einfachen Gesangspassagen meistert, hervorzuheben. Gleiches gilt auch für die Sängerin Sabine Lutzenberger, mit der Ernst Horn einige Stücke seines mittelalterlich inspirierten Nebenprojekts Helium Vola aufführt.

Nicht nur Horn, auch Veljanov performt einige Stücke seiner inzwischen recht zahlreichen Soloalben, die eine ganz andere, "rockige" Seite des charismatischen Sängers in den Vordergrund stellen. Es spricht für die beiden Musiker, dass ihre die Nebenprojekte genuin andere Seiten präsentieren, und nicht bloß wirken wie ein mehr oder weniger inspirierter Abklatsch von Deine Lakaien. 

So gelingt es Deine Lakaien durch die Fluktuation an Musikern und Instrumentierung, durch die Vielfalt der abgedeckten Songs und Projekte, die äußerst stimmige Lichtshow und nicht zuletzt durch ihre großartigen Songs, über drei Stunden lang spannend und abwechslungsreich zu bleiben. 

Musician's Musicians

Dabei ist das Maß, in dem tatsächlich "nur" die Musik im Vordergrund steht, erstaunlich. Ernst Horn verbirgt sich fast den kompletten Auftritt über hinter seinem beeindruckenden Instrumentenrack; auch Veljanov hält sich, abseits einiger kryptischer, aber doch humorvoller Ansagen, häufig im Hintergrund. Die Live-Retrospektive der Gruppe bleibt stets fokussiert auf die Musik, nie rückt der Blick auf die Beweihräucherung der eigenen Ruhmestaten. 

Im Gegenteil, beide Mitglieder geben sich – verbal wie non-verbal – stets selbstironisch, meistern den Spagat zwischen echtem Pathos und einer lockeren, unverkrampften Bühnenpräsenz. Mehr als einmal sieht man, wie sich die Musiker gegenseitig zulächeln oder mit gute Laune ausstrahlenden Blicken miteinander kommunizieren.

Emotionale Highlights

Spätestens, als in einer Zugabe Horns Bass-Synthesizer ausfällt und der grauhaarige Tontechniker der Band spontan mit E-Bass einspringt, zeigt sich die positive Chemie, die hinter dieser Band steckt. Man spürt, mit welcher Inbrunst die Musiker ihre Vision und ihren Sound verfolgen.

Zu den insgesamt zwei Zugabe-Blöcken lässt sich die Band zwar fast ein bisschen zu lange bitten, liefern dann aber – vor allem mit der Duett-Version von "Love Me To The End" von Sabine Lutzenberger und Alexander Veljanov – noch einen letzten emotionalen Höhepunkt des sehr lohnenswerten Rückblicks.

Setlist

Away / Colour-Ize / Gone / Lonely / Mahnung (Helium Vola) / Dormi (Helium Vola) / Seelig (Helium Vola) / Over And Done / Where You Are / The Man With the Silver Gun (Veljanov solo) / The Sweet Life (Veljanov solo) / Return / Fighting The Green // Walk to the Moon / Contact / Where the Winds Don't Blow / Begirlich in dem Hertzen Min (Helium Vola) / Omnis Mundi Creatura (Helium Vola) / Cupid's Disease / Seraphim (Veljanov solo) / Mein Weg (Veljanov solo) / Reincarnation / Dark Star // One Night / Mindmachine / Overpaid // Love Me to the End

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