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Emma Ruth Rundle (live in Frankfurt, 2017) © Leonard Kötters

Beim Konzert der amerikanischen Songwriterin Emma Ruth Rundle im Zoom in Frankfurt sind Musiker und Publikum fast gänzlich in Schwarz gekleidet. Das ist kein Zufall, sondern optischer Ausdruck einer gemeinsamen Stimmung, die alle Anwesenden verbindet

Wer einen feucht-fröhlichen Abend verbringen will, sollte den nahegelegenen Weihnachtsmarkt an der Hauptwache besuchen. Wer intensive Düsternis schätzt, ist hingegen bei Emma Ruth Rundle im Zoom richtig.

Support aus Louisville

Bereits ihre Vorband Jaye Jayle gibt die Richtung vor: Die Bühne ist so gut wie nicht beleuchtet, nur gelbliches Licht strahlt an kärglichen Lampen nach unten und beleuchtet den Boden – aber kaum die Musiker.

Die Band spielt brodelnden Düster-Rock, irgendwie ungreifbar, aber doch interessant genug, um die Aufmerksamkeit zu erhalten. Vielleicht fehlen ihnen etwas die Songs mit Wiedererkennungswert, aber eine gute Einstimmung ist das allemal.

Im Gegensatz zur musikalischen Stimmung stehen die Ansagen: "Wusstet ihr, dass es auch ein Frankfort in Kentucky gibt? Es ist die Hauptstadt", erklärt der Leadsänger der Band aus Louisville, Kentucky. "Aber geht dort nicht hin, euer Frankfurt ist viel schöner." So hat eben jedes Land sein Offenbach.

Sicher und ausdrucksstark

Emma Ruth Rundle eröffnet ihren Teil des Abends mit zwei Solosongs, die sogleich verdeutlichen, wie faszinierend und zugleich unnahbar die Sängerin ist. Ihre gedehnte Phrasierung macht es zu Beginn unmöglich die Texte zu verstehen, wenn man sie nicht gut kennt. Ihr Gesang transportiert Klagen ebenso sehr wie Entschlossenheit. Die Musik besitzt fraglos eine Basis im Folk, ist aber rockiger und kampfesmutiger.

Mit Band gewinnt die Musik noch eine andere Dringlichkeit. Jaye Jayle ergänzen die sehr persönlichen Stücke von Emma Ruth Rundle kongenial, indem sie ihnen mehr Körperlichkeit verleihen. Wenn die Sängerin hingegen ganz alleine auf der Bühne steht, begeistert sie mit enormer Sicherheit und Ausdrucksstärke.

Konzentriert und intensiv

Im Vergleich zu ihrem Album ist die Musik noch kantiger, unmittelbarer und abgründiger. Alle im Studio glattpolierten Flächen werden live nochmal kräftig aufgeraut. Ganz selten lässt sich Emma Ruth Rundle ein Lächeln entlocken, ansonsten dominiert Konzentration nach innen und Intensität nach außen.

Das Publikum im Zoom ist angetan von so viel wohldurchdachter Finsternis und spendet reichlich Applaus. Dass beide Sets eher kurz gehalten sind, jeweils knapp unter einer Stunde, stört nicht, denn das genügt vollauf, um in die Schwärze einzutauchen. Gegen 23 Uhr verlassen die meisten Besucher den Club und betreten die hell erleuchtete Frankfurter Innenstadt. Dort regnet es in Strömen.

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