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Parquet Courts (live in Weinheim 2017) © Daniel Nagel

Mit Indie, der oftmals nach Post-Punk, gelegentlich aber auch ganz anders klingt, verführen Parquet Courts aus New York das Café Central in Weinheim zum Tanzen, Jubeln und Schwitzen.

So bunt gewürfelt, wie die Mitglieder der New Yorker Band Parquet Courts aussehen, so divers sind auch die Anleihen, die während ihres gut einstündigen Sets immer Mal wieder durchscheinen.

Von Pavement über Television bis hin zu den Meat Puppets und Talking Heads, die Band zockt sich munter durch das subkulturelle Stilsammelsurium der letzten drei bis vier Jahrzehnte.

Gradlinig schräg

Das soll nun beileibe nicht heißen, dass die Parkay Quarts, wie sie sich (vermutlich augenzwinkernd?) gelegentlich nennen, derivativ wären. Im Gegenteil: ein ganz eigener Stil, eine irgendwie bizarre Note im Songwriting liegt jedem Song zu Grunde, lässt jeden Song nach niemandem sonst als der Band selbst klingen.

Dieser eigenartige Stil liegt irgendwo vergraben im meist recht simpel-monotonen, aber zu jedem Zeitpunkt groovenden Drum/Bass-Fundament, dem Zusammenspiel der beiden Gitarristen Austin Brown und Andrew Savage, dem Hang zu merkwürdigen kompositorischen Entscheidungen – abrupte Pausen, unerwartete Stimmungs- oder Tempowechsel – und den Stimmen, oh, den Stimmen.

Der singende Costanza

Mit einer Leichtigkeit, die man beinahe als frech bezeichnen könnte, singen die beiden Gitarristen und der Bassist Sean Yeaton mal abwechselnd, mal im Chor, in verschiedensten Stimmlagen und -farben und verleihen so jedem Song einen ganz eigenen Touch.

Insbesondere die tiefe, ausdrucksstarke Stimme von A. Savage, die man hinter seiner George Costanza-Brille und dem laut gemusterten Hemd so gar nicht erwartet hätte, besitzt ein gewisses Gänsehaut-Potential.

Schwitz-Spaß

Das Set, das die Parquet Courts im ordentlich gefüllten – und brütend heißen – Cafe Central in Weinheim zum Besten geben, besticht neben dem stets tanzbaren, post-punkigen Rhythmusfundament auch durch seinen Abwechslungsreichtum.

Nach einigen Songs im Stil der straighten, rockigen Eröffnung ("Dust"), die neben einem rohen Indie-Charme gerade durch ihre Gitarrenlinien ein starkes Marquee Moon-Feeling verbreiten, bewegt sich die Band weiter über eindringlich groovende Nummern mit Beck'schem Sprechgesang hin zu verschrobeneren, psychedelischen Nummern (Up On The Sun-Ära Meat Puppets, anyone?).

Disassemble it yourself

Zum Ende dann lässt die Band jegliche Stilbegrenzungen hinter sich, und verliert sich nach der überraschend souligen beinahe-Ballade "Instant Disassembly", die Savage mit seiner kraftvollen, leidenden Stimme beinahe völlig alleine trägt, kurzzeitig in noisigen Gitarreneskapaden. Ein letzter, kurzer Rocker beendet dann das Set, und unter frenetischem Applaus verlässt die schweißnasse Band die kleine Bühne.

Dieser eklektische Stilmix trägt viel zum Live-Appeal der jungen New Yorker bei, wie auch ihre unbändige Spielfreude, die hinter jedem Ton hervorlugt. Jeder der Musiker lebt sein Instrument, spielt es mit solcher Innbrunst, dass es gewaltigen Spaß macht, einfach zuzuschauen und mitzutanzen.

Ebenso eklektisch wie die Band ist das Publikum. Aus Spanien und Frankreich sind Fans angereist, um die Band mit ihrem irgendwie kosmopolitischen und doch ur-amerikanischem Sound zu erleben. In der heutigen Zeit ist das auch ein Verdienst.

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