Von Wegen Lisbeth (live beim Happiness Festival, 2017) Fotostrecke starten

Von Wegen Lisbeth (live beim Happiness Festival, 2017) © Beatrix Mutschler

Obwohl die 25. Ausgabe des Happiness Festivals komplett ausverkauft ist, bleibt die Meute noch überschaubar. Friedlich und ausgelassen tanzen die Besucher unter (meist) klarem Himmel und freuen sich über Punk, Folk-Rock, Hip-Hop und Ska.

Der erste Tag des Happiness Festivals 2017 wird von manchen kritisch betrachtet: Kurzfristig müssen die Opener Smile & Burn absagen und außerdem wird ein Unwetter erwartet. Aber natürlich lassen sich die Happianer ihre Laune nicht vermiesen, denn schließlich bleibt es doch trocken.

Das Gelände ist liebevoll ausgebaut, mehrere Bars, Sitzgelegenheiten und Zelte wurden von den Veranstaltern selbst gebaut und aufgestellt. Außerdem sind etliche Fressbuden vor Ort, die eine Bandbreite an kulinarischen Leckereien bereitstellen.

Deutsche Rapper an die Macht

Den Anfang am Freitag macht 3Plusss. Trotz den noch relativ wenigen Gästen machen die, die da sind, ganz schön Lärm. Ein gelungener Auftakt, um schon mal in Nick- und Wippstimmung zu kommen. Nach 3Pluss folgt dann kurz nach vier Nimo. Er lässt sich vorher mit Zurufen bitten, doch als er die Bühne betritt, liefert er ab. Seine härteren Beats ernten Applaus, und das Publikum erfreut sich an der kleinen Wasserdusche, die Nimo ihnen verpasst. Zum Abschluss verkündet er seinen "Schatzis": "Hass ist sinnlos" und appelliert so an die Menschlichkeit.

Lauter und voller

Mit Itchy hat das Happiness alte Hasen geladen. Die Punkrocker erfreuen sich an der guten Laune des Publikums, das sich immer zahlreicher vor der Bühne versammelt. Mittlerweile sind die Gäste nicht nur von der Hitze, sondern auch vom Bier so aufgeheizt, dass sie ihre Shirts ausziehen und im Rhythmus mitspringen. Nach ausgelassenem Applaus laden Itchy noch zum Merch-Stand ein, um auf das Festival anzustoßen - na denn Prost.

Ein sichtliches Highlight für viele Besucher folgt dann mit Emil Bulls. Nach einer Abkühlung durch den Wasserschlauch sind die Zuhörer wieder regeneriert. Mit ganz viel Nebel wird die Bühne verschleiert, bevor die Alternative Rocker mit ihrem Programm loslegen. Ganz schön laut und energiegeladen regen sie das Publikum zum Pogen und Headbangen an.

International und vielseitig

Um kurz vor acht ist der Platz vor und um die Bühne noch beträchtlich voller geworden. Kein Wunder, denn Irie Révoltés stehen bereit. Ihr besonderer Gute-Laune Genre-Mix gepaart mit politischem Engagement kommt gut an. Schon mit ihrem ersten Lied starten Irie Révoltés im Publikum eine Dance-Party. In ihrem Abschlussjahr lassen sie es noch mal richtig krachen und senden eine klare Nachricht: Rassistische Übergriffe müssen verhindert werden, die Welt muss zusammenarbeiten. Mit einer "Refugees Welcome"-Flagge und einem lauten Knall beenden sie ihren Auftritt beim Happiness – die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.

Es folgt eine Neuheit beim Happiness Festival: Die irisch-amerikanische Folk-Rock Band Flogging Molly ist angereist. Man merkt schnell, dass sie wissen, wie man ein Publikum mitreißt. Die Instrumentenkombination mit Flöte, Mandoline und Akkordeon versetzt in frühere Zeiten und verleitet zum Hüpfen und Verausgaben. Endlich kommt auch die Lichtshow zur Geltung und die Besucher auf dem mittlerweile komplett gefüllten Gelände reagieren euphorisch.

Das Beste zum Schluss

Es ist keine Überraschung, dass vor Marterias Auftritt wirklich jeder freie Fleck belegt ist. Ein Blick ins Publikum zeigt, dass von Grundschülern bis Großeltern alles vertreten ist. Mit einem Knall geht's schließlich los und die Menge kann sich kaum noch halten. Die Hände schnellen in die Luft, und so gut wie jedes Wort wird vom Publikum mitgesungen. Die Publikumsinteraktion Marterias erntet natürlich Zurufe, und die Videos, die nun auf der Leinwand abgespielt werden, sind wirklich beeindruckend.

Bei Marteria bringen nicht nur die Texte, sondern auch die Bühnenshow die Stimmung zum Überkochen. Es fliegen Becher durch das Publikum, auf der Bühne wird vom einen Ende zum anderen gerannt, es gibt mehrere rasante Kostümwechsel. Das grand finale wartet dann mit Flammenwerfern auf und mit einem letzten Aufbäumen aller Energie des Publikums. Marteria weist das Publikum an, es ihm und seine Kollegen gleich zu tun und die Shirts auszuziehen und sie in die Luft zu werfen. Gesagt, getan - und so regnet es Klamotten, während zum Ende noch eine Luftschlangenexplosion die Show besiegelt.

Ermüdungserscheinungen

Der zweite Tag des Happiness Festivals 2017 beginnt für viele erst später. Der Vortag hat seine Spuren hinterlassen: Hier und da liegt noch ein zertretener Becher, das Gras ist plattgedrückt und nur wenige haben es für den ersten Act schon aus dem Zelt geschafft. Dennoch schaffen es Ace Tee & Kwam.E die Müden zum Tanzen zu bringen.

Nach und nach haben die Happianer wieder Essen im Magen und tummeln sich für Razz vor der Bühne. Mit ihrem Indie-Rock lebt wieder die Festival-Stimmung auf, die zum Mitsingen und -springen animiert. Auch der kurze aber intensive Regenguss während der Show tut der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil: Er ist eine willkommene Abkühlung in der drückenden Hitze. Das Publikum fordert schließlich noch eine Zugabe der Emsländer und feiert den Abschluss mit lautem Applaus. Der Tag kommt ins Rollen.

Stimmungshoch

Nach einem kleinen Soundcheck-Song und sehnlichen Zurufen beginnen Montreal ihre Show. Der Punk-Rock ist perfekt, um sich zu verausgaben und das tut das Publikum auch. Mit vielen humorvollen Ansagen und Fragen ins Publikum können Montreal punkten und locken außerdem noch mehr Leute vor die Bühne. Mitgröler und Poger feiern richtig ab und spenden verdienten Applaus.

Als dann Errdeka die Bühne betritt, rasten die Fans nochmal aus. Er erinnert an das Happiness 2015 und hat sich vorgenommen, 2017 eine noch bessere Show abzuliefern. Er nimmt die ganze Bühne ein und kann mit seiner guten Laune auch die Zuschauer begeistern. Es scheint, als ginge die Stimmung konstant nach oben.

Die Headliner des Samstagabends sind genauso heiß ersehnt wie Marteria. Kraftklub liefern eine Mega-Show ab, die wieder jeden Besucher anlockt und vor allem auch wieder eine Tanzparty auslöst. Die Lautstärkegrenzen werden durchbrochen und die Euphorie erreicht ihren Höhepunkt.

Kein Ende in Sicht

Das Happiness Festival 2017 hat seinem Jubiläum wirklich alle Ehre erwiesen. Als Ort der Begegnung ging es zwar hauptsächlich um Feiern und Spaß, aber dennoch wurden auch politisch wichtige Themen gut verpackt angesprochen.

Obwohl das Publikum bunt durchmischt war, blieb es friedlich und war einfach glücklich, so eine tolle Show gemeinsam genießen zu dürfen. Bis zum nächsten Happiness Festival!

Kommentare