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Patricia Kaas (live in Hamburg, 2017) © Falk Simon

Frankreichs Vorzeige-Chanteuse Patricia Kaas versetzt ihr Publikum im Mannheimer Rosengarten nach einer Warmlaufphase in pures Entzücken. Sie zeigt mit starker Begleitband, neu arrangierten Klassikern, aber auch aktuellen Songs, wie gut ihr dunkel schimmernder Popchanson auch nach 30 Showjahren funktioniert.

Neun Jahre nach ihrer "Kabaret"-Tournee, die eine Hommage an die kulturellen Metropolen der 1930er Jahre darstellte, steht die ikonenhafte Patricia Kaas wieder im Scheinwerferlicht des nahezu ausverkauften Mannheimer Rosengartens.

Eine neue Platte und alte musikalische Stärken

Sie startet verhalten mit "La langue que je parle" von ihrem aktuellen Album in ihr zweistündiges Programm. Mit zunehmendem Bewusstsein ihrer Stärken nähert sich Patricia Kaas ihrem Publikum, das dankbar die ersten Begrüßungsworte auf Deutsch entgegennimmt: "Bonsoir, Guten Abend".

Neben zwölf Klassikern ihrer 30-jährigen Musikkarriere präsentiert sie acht Stücke ihres selbstbetitelten neuen Albums. "Madame tout le monde" besitzt die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die französischer Pop immer noch ausstrahlen kann.

"Ne l'oublie jamais" und "Cogne" überzeugen die Fans ebenso wie der Pop Noir von "Ceux qui n’ont rien" oder das majestätisch-dramatische "Le jour et l’heure". Zu "Adèle" begibt sich die Französin gar ungezwungen an den Bühnenrand, wo sie akustisch begleitet wird.

Klassiker im neuen Gewand

Nicht nur die Diva selbst zeigt sich an diesem Abend in drei verschiedenen Garderoben, auch ihre alten Klassiker strahlen durch zeitgemäße Neuarrangements und ihre famose fünfköpfige Band in neuem Gewand. Autobiographisch kündigt sie mit "Eine Show der Frau, die ich geworden bin" das Motto des Abends an. "Entrer dans la lumière" erhält krachende Gitarren und ein donnerndes Schlagzeug verpasst, "Mon mec a moi" zelebriert noch mehr als früher die denkwürdige Zeile "Il parle d'amour comme il parle des voitures" und "Une dernière semaine a New York" ist purer Gospel mit Hammond-Orgel.

Kaas tut die junge fünfköpfige Begleitband sichtlich gut. Sie gibt ihr genügend Freiraum, um sich mit zunehmender Konzertdauer freizusingen. Das Publikum wird immer wieder zum Mitklatschen animiert und tut dies voller Eifer und Begeisterung. Auch die dunkle Seite von Patricia Kaas ist präsent. Viele ihre Lieder transportieren Schwere, Melancholie und Tiefgang. So widmet sie "Kennedy Rose" den Opfern des Pariser Terroranschlags vom 13. November 2015.

Ein Mädchen aus dem Osten

Patricia Kaas ist mit ihrer Größe, ihrem durchtrainierten Körper und der markanten blonden Pagenfrisur immer noch eine Erscheinung. Sie startet mit 50 Jahren selbstbewusst in einen neuen Karriereabschnitt und parliert mit den Zuschauern in Mannheim standesgemäß auf Deutsch. Dabei gibt sie sich volksnah und berichtet über ihre bequemen breiten Schuhe. Man könne nicht immer nur hohe Absätze tragen, das sei schlecht für den Rücken. Es bleibt nicht die einzige humorvolle Einlage der Frau aus Lothringen.

Ergreifend gerät an diesem Abend ihre Version von "Une fille de l’Est", das ihr 1998 kein geringerer als die französische Poplegende Jean-Jacques Goldman auf den Leib schneiderte und das so unverwechselbar seine Handschrift trägt. Die Quasi-Lebensgeschichte der Frau mit deutscher Mutter und französischem Vater, die im deutsch-französischen Grenzgebiet aufwuchs, gerät mit seiner verhaltenen Melodie und der Verneigung im Refrain an diesem Abend zum absoluten Publikumsliebling.

Diese Mischung ist es wohl auch welche Patricia Kaas so außerordentlich macht. Sie trägt deutschen Schwermut genauso in sich wie französisches Savoir-vivre. In einem Interview erzählte sie kürzlich, dass sie erst jetzt den frühen Tod der Mutter verarbeitet habe.

Zum Finale: Sentiment de bonheur et un jardin de roses

Patricia Kaas ist jetzt voll in ihrem Element. Zu "Madame chante le blues" erheben sich alle von den Sitzen und dieser erste Singlehit aus dem Jahr 1987 ist und blieb ihre Erkennungsmelodie. Sie sprintet ausgelassen über die Bühne, animiert alle zum Tanzen und die Band wechselt zwischen Diskokugel und Bluesclub. Mit "Il me dit que je suis belle" legt sie nach, erzeugt Gänsehaut und hält die Euphorie ihrer Fans am obersten Level. Viele von ihnen drängen nun von ihren Sitzen vor die Bühne und es regnet vornehmlich Rosensträuße auf die sichtlich gerührte Chanteuse.

Mit "Sans tes mains" vom neuen Album als erste Zugabe schafft Patricia Kaas tatsächlich metaphorisch durch die Hände des Publikums die deutsch-französische Freundschaft zu leben. Nicht wenige Anwesende sind aus dem benachbarten Elsass nach Mannheim gekommen. Der Applaus kennt keine Grenzen und der ganze Rosengarten ist vom Charme der "Neuzeit-Dietrich" erfüllt. Mit "D‘Allemagne" entlässt sie die Zuschauer nachdenklich melancholisch in die Frühsommernacht. Alle sind froh an diesem außergewöhnlichen Konzertereignis teilgenommen haben zu dürfen.

Setlist

La langue que je parle / Quand j'ai peur de tout / Cogne / Ma tristesse est n'importe où / Kennedy Rose / Madame tout le monde / Les hommes qui passent / Entrer dans la lumière / Ne l'oublie jamais / Ceux qui n'ont rien / Une dernière semaine à New York / Mon mec à moi / Une fille de l' Est / Je voudrais la connaître / Adèle / Le jour et l'heure / Mademoiselle chante le blues / Il me dit que je suis belle / Sans tes mains / D'Allemagne

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