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Loreena McKennitt (live in Mannheim 2017) © Rudi Brand

Nach fünf Jahren Abstinenz stattet Loreena McKennitt den Bühnen Europas wieder einen Besuch ab. Trotz eines eher unausgewogenen Sounds kann die Sängerin im Rosengarten in Mannheim voll überzeugen.

Bereits seit fast 30 Jahren erkundet die gebürtige Kanadierin Loreena McKennitt musikalisch die Welt der Kelten, sowohl auf zahlreichen Tonträgern als auch live. Und doch, so stellt die Künstlerin während des ausverkauften Konzerts im Mannheimer Rosengarten selbst mehrmals fest, ist die aktuelle Trio-Tour ihr erster Besuch in Europa seit fast fünf Jahren.

Der reduzierte Impetus, den der Titel "A Trio Performance" schon andeutet, zeigt sich auch im Bühnenbild: Ein dezent beleuchteter Vorhang und fünf große Kerzenständer dominieren die Bühne, davor drapiert stehen drei Stühle für die Musiker sowie deren Instrumente; auf aufwendige Dekoration wird verzichtet.

Bescheidene Opulenz

Deko ist jedoch auch gar nicht notwendig, wie schon beim Auftakt des ersten von zwei Blöcken klar wird. Auch wenn die Beleuchtung Spots auf alle drei Musiker wirft, dominiert Loreena McKennitt vom ersten Moment an klar die Bühne. Die fühlbare Präsenz der Musikerin in Kombination mit ihrer über alle Zweifel erhabenen, glasklaren Sopranstimme füllt den ganzen Saal aus.

Die Gesangsmelodien McKennitts begleitet sie selbst abwechselnd mit Harfe und Klavier, während Gitarrist Brian Hughes und Cellistin Caroline Lavelle für weitere Klangfarben sorgen. Die Songs selbst faszinieren durch ihre keltisch, manchmal auch orientalisch angehauchten Melodiebögen, und überzeugen – auch ohne Drums oder Percussion – durch ihre kraftvolle und dynamische Rhythmik.

Vom Äther auf die Erde

Besonderes Lob gebührt in dieser Hinsicht Lavelle, die mit ihren variantenreichen Cello-Passagen gerade diese Rhythmik besonders unterstreicht. Hughes wiederum verstärkt mit Bouzouki, Oud und akustischer Gitarre den folkigen Charakter vieler Stücke; noch häufiger trägt er jedoch mit ambient-artigen Swellsounds auf der E-Gitarre zur ätherischen Atmosphäre der Kompositionen bei. Leider wirkt sein Spielstil grade in dieser Ambient-Spielweise mangels wirklicher Variation auf Dauer eher langweilig. 

Erst im zweiten Block nutzt Hughes die Gitarre häufiger, um auch verzerrte Soli und definiertere Licks zu spielen. Zwar sind diese auch nicht immer unbedingt kreativ, aber doch zumindest eine willkommene Abwechslung. Hier fällt jedoch der sehr höhenlastige Gesamtsound negativ auf: Im oberen Frequenzspektrum klingen die Instrumente sehr klirrend und überlagern sich in lauteren Passagen, so dass der Sound zu einem eher undefinierten Matsch wird.

Geboren zum Erzählen

Nichtsdestotrotz fällt das Fazit positiv aus: Loreena McKennitt punktet mit einer abwechslungsreichen Songsauswahl, die von bekannten Songs bis hin zu einer (unveröffentlichten?) viertelstündigen Suite reicht, die einer historischen Aufarbeitung des Themas Immigration gleichkommt. Und dann ist da natürlich ihre brilliante und variantenreiche Stimme.

Auch die äußerst sympathische Art McKennitts darf nicht unerwähnt bleiben: Immer wieder gibt sie zwischen den Songs unterhaltsame Anekdoten aus ihrer Karriere oder fast schon wissenschaftlich anmutende historische Erläuterungen zu den Kelten zum Besten, und präsentiert sich als bodenständige und augenzwinkernde Erzählerin, der man auch gern noch länger zuhören würde.

Setlist

Set 1: Samain Night / All Souls Night / Annachie Gordon / Between the Shadows / Bonny Portmore / Morrison's Jig / The Wind that Shakes the Barley / Down by the Sally Gardens / The Emigration Tunes / The Lark in the Clear Air

Set 2: On a Bright May Morning / Stolen Child / Penelope's Song / The Bonny Swans / The Lady of Shalott / The Old Ways / Dante's Prayer // The Mummer's Dance / Full Circle

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