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The XX (live in Frankfurt, 2017) © Saron Duchardt

Für das Konzert von The xx meldet die Jahrhunderthalle in Frankfurt ein ausverkauftes Haus. Die hohen Erwartungen kann das Trio allerdings nur teilweise erfüllen. 

Das dritte Album von The xx ist definitiv eine positive Überraschung. Nach "Coexist" sprach vieles dafür, das Trio als One Hit/Album-Wonder abzuschreiben. Aber mit "I See You" meldeten sich Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith in spektakulärer Weise zurück. Grund genug, dem Konzert in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle mit Vorfreude entgegenzusehen. 

Gelungene Inszenierung

Ein erstes Ausrufezeichen setzen Bühnen- und Lichtdesign. Mit spiegelnden, drehenden Monolithen, einem mehrstufigen Bühnenaufbau (Jamie Smith thront mit seinen Keyboards über allen) und den abwechselnd kühlen und warmen Farben schaffen The xx eine passende Inszenierung für ihren minimalistischen Indie-Pop.

Auch musikalisch startet der Abend grandios mit "Say Something Loving", einem der besten Songs des neuen Albums. Der gesangliche Dialog zwischen Sim und Croft, so zentral für die Musik des Trios, ist ebenso verführerisch wie eindringlich.

Schwierige Balance

Das im Vergleich zur Albumversion ganz anders arrangierte "Crystalised" gelingt hingegen weit weniger gut. Schon hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem des Abends: Nicht alle Arrangements funktionieren. Für jede gelungene Interpretation ("Islands", "Infinity") gibt es Enttäuschungen ("Fiction", "Shelter"). Das ist schon deshalb verwunderlich, weil die Probleme mit der Qualität der Lieder nichts zu tun haben.

Auf ihren Studioaufnahmen schaffen es The xx, ihrer Musik ungeheuer viel Raum zu geben. Erst in diesem Freiraum entfaltet die Musik ihre ganze Faszination. Im Livekontext wird dieser Raum mit elektronischen Sounds und Saiteninstrumenten aufgefüllt, was der Musik bisweilen nützt, aber auch häufig schadet.

Ein Gefühl der Gleichförmigkeit

Insbesondere Intimität und Verletzlichkeit – zwei zentrale Eckpfeiler der Musik von The xx – treten dadurch stark in den Hintergrund. Die Folge ist, dass Songs wie "Lips" und "Basic Space" gleichförmig, ja austauschbar wirken und nicht eine der Studioversion vergleichbare Wirkung entfalten.

Gut ist das Konzert immer dann, wenn The xx aus ihrem Schema ausbrechen, beispielsweise mit dem neuen Song "Perfomance", den Romy Croft in eindringlicher Weise solo performt. Das etwas andere Format ist eine willkommene Abwechslung von der übrigen Inszenierung, die immer wieder die Emotionen aus dem Konzert zieht.

Auf der Suche nach dem Weg

Die Stimmung des anfangs euphorischen Publikums flacht im Verlauf des Konzerts merklich ab. Die ausgedehnte Version von "Infinity" wirkt fast ein wenig wie Zeitschinderei. Besser gelingen "I Dare You" und die Interpretation von "Loud Places", einem Lied von Jamie xx, das härter und elektronischer als die Musik von The xx daherkommt.

Wirkliche Begeisterung kommt dann wieder bei der Zugabe auf, die mit der Abfolge von "On Hold", "Intro" und "Angels" jeweils einen Song von den drei Alben der Band bietet, die sich nahtlos in einander einfügen und für einen exzellenten Abschluss des Abends sorgen.

Es drängt sich dennoch die Frage auf, ob The xx eine Band sind, die man besser anhand ihrer Platten genießen sollte. Möglicherweise ist es grundsätzlich schwierig, die Intimität der Studioaufnahmen in einen mit mehreren tausend Zuschauern gefüllten Konzertsaal zu transportieren, vielleicht haben The xx auch nur noch nicht das richtige Format gefunden.

Setlist

Say Something Loving / Crystalised / Islands / Lips / Performance / Sunset / Basic Space / Brave for You / Infinity / VCR / I Dare You / Dangerous / A Violent Noise / Fiction / Shelter / Loud Places // On Hold / Intro / Angels

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