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Mo (live auf dem Maifeld Derby in Mannheim, 2016) © Achim Casper

Unkonventionell und stilsicher, so präsentiert sich MØ, der heißeste Musikexport Dänemarks, im Hamburger Docks. Kein Zweifel, dass mit ihr auch als Solosängerin zu rechnen sein wird.

 ist die Power-Frau der Stunde. Die unkonventionelle Pop-Prinzessin, von Kritikern schon länger als heißester dänischer Pop-Export seit WhoMadeWho gepriesen, überrennt mit ihrer eingängigen Stimme und einem kantigem Sound irgendwo zwischen Elektro-Pop, Dance- und R&B-Beats nun auch das einfallslose und eintönige Radiogedudel musikalischer Kolleginnen und Kollegen.

Als Co-Pilotin an die Spitze

Auf sich aufmerksam machte Karen Marie Aagaard Ørsted Andersen – aka MØ – zunächst durch Kollaborationen mit ebenso namhaften wie vielgestaltigen Künstlern: Sie unterstützte Rapperin Iggy Azalea auf deren Track "Beg for it" und machte einen Avicii-Song ("Dear Boy") zumindest erträglicher.

Der endgültige internationale Durchbruch gelang der Dänin dann aber in diesem Jahr mit dem Major Lazor/DJ Snake-Feature "Lean On" – mit einer unfassbaren Milliarde Streams der meistgehörte Song auf Spotify im Jahre 2016. Im gleichen Jahr schafft es die Major Lazer-Single "Cold Water", auf der MØ dem Weltsternchen Justin Bieber gesanglich zur Hilfe springt, aus dem Stand auf die oberen Chartplätze in Europa, UK und den USA.

Hohe Wellen schlagen

Erste musikalische Gehversuche unternahm Ørsted allerdings mit einer zwei Frau starken, linken Elektropunk-Band. Ihr erstes Solo-Album, nun unter dem Künstlernamen MØ, ("No Mythologies To Follow") war schließlich im Jahre 2014 erschienen und wurde in ihrem Heimatland mit einer 38 Wochen andauernden Chartplatzierung belohnt.

Jüngste Late-Night-Show-Auftritte, diverse Festival-Stopps (wie auf dem Maifeld Derby 2016), eine engagierte Headline-Tour rund um den Globus lassen erwarten, dass MØ mit ihrem in Kürze erscheinenden, zweiten Album auch im Alleingang noch weitaus höhere Wellen schlagen wird. 
Mit vielversprechenden Appetizern machte die Sängerin am Freitagabend ihre Hamburger Fans im Docks auf St. Pauli sichtlich heiß darauf.

Vor der Abfahrt

Als Support-Act spielt zunächst aber die Band Cosby ziemlich deutschen Indie-Pop. Auf Englisch. Ja. Na gut. Zeit für obligatorische Publikum-Beobachtungen: Ein Großteil der sich ins restlos ausverkaufte Docks drängenden ZuschauerInnen könnte gut und gerne der Fraktion "Belieber" angehören und hat zur Feier des Tages noch einmal ganz tief in die Glitter-Kiste geschaut. Na gut.

Da heißt es nur Warten. Der Einlass verzögert sich und so dauert es etwa zwei Stunden bis die Saalbeleuchtung endlich erlischt.

Heiße Fahrt

Die Geduld wird belohnt als die 28-Jährige, stilsicher mit einem Fransenshirt des ansässigen Kult-Vereins FC St. Pauli bekleidet, das blondierte Haar in gleichgültige Zöpfe gelegt, zu einer Slow-Version von "Don’t Wanna Dance" die Bühne betritt und gekonnt die Hüften kreisen lässt. Das war’s dann aber auch so ziemlich mit "slow", denn eine Fahrt in niederem Gang? Nein, das wäre nun wirklich nicht MØs Ding. Sie rennt, sie springt und tanzt, wechselt das Tempo von einem lasziv-souligen "Slow Love" zu ihrem Dance-Hit "Kamikaze".

Schnell gibt es aber auch neues, noch unveröffentlichtes Material der Allrounderin zu bestaunen. So etwa das poppige "Riot Gal" oder "All I Do", ein  R&B-lastiges Stück, bei dem die vor Energie sprühende Dänin beweist, dass sie nicht nur ganz schön kamikaze-mäßig über die Bühne zischen, sondern dazu vor allem auch eines kann: singen.

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Von Berührungsängste kann dabei keine Rede sein und so stürzt sie sich, wie etwa zum Power-Track "Walk this Way", immer wieder in die Arme ihrer Fans und animiert zum Tanzen. Das klappt besonders in den vorderen Reihen nicht allzu gut – es ist einfach zu eng im inzwischen glühenden Zuschauerraum. Egal, man tut was man kann und reißt zumindest die Ärmchen in die Luft.

Zu "Pilgrim", ihrem persönlichen Lieblingssong, wie sie verkündet, nimmt MØ das mit dem Tanzen dann nochmal auf ihre ganz eigene Art und Weise selbst in die Hand, schlägt sich gekonnt durch die Massen und steigt kurzerhand auf den Bartresen auf der anderen Seite des Raumes.

Einfach und gut

Besagtes Justin Bieber Feature gibt es dann übrigens auch noch. In einer Akustik-Version und ohne JB, versteht sich – kreischenden Mädchen-Kehlen scheint’s egal zu sein. Mit der Single-Auskopplung des noch für dieses Jahr angekündigten Albums "Final Song" – ein Track wie die Spice Girls auf einem EDM-Festival – schließt MØ mit reichlich Gewusel und von Schweiß getränkter Euphorie seitens des Publikums das reguläre Set.

Natürlich lässt sie den Abend so nicht enden, sondern kommt mit ihrer brandheißen Single "Drum" zur Zugabe zurück. "Dance, to the beat of your drum...to the beat of your heart, to the beat of your drum" ertönt das ruppige Goldkehlchen zu ein paar simplen, treibenden Beats. Nicht gerade die komplexeste Komposition und doch bringt sie genau das auf den Punkt, was MØ macht, was sie kann und woran sie sichtlich viel Spaß hat: einfach gute Pop-Musik.

Genau so soll es sein und so geht es an diesem Abend mit "Lean On" zu Ende. Eins ist klar: MØ braucht keine bekannten Namen, um auf ihrer rasanten Erfolgstour immer weiter empor zu schießen.

Setlist

Don’t Wanna Dance / Waste of Time / Slow Love / Kamikaze / Riot Gal / All I Do / Fire Rides / Walk This Way / Dust Is Gone / Maiden / Pilgrim / On & On / Cold Water / True Romance / Glass / Final Song // Goodbye / Drum / Lean On

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