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Julian Perretta (live beim SWR3 New Pop Festival, 2016) © Joy Dana Görig

Nach dem tollen Opening am Donnerstag bietet Tag 2 beim SWR3 New Pop Festival 2016 Konzerte sehr unterschiedlicher Natur. Während Matt Simons die bisher beste Show abliefert und Julian Perretta ebenfalls überzeugt, spielt Louane ein eher mäßiges Konzert.

Rund um die zehn Konzerte läuft beim SWR3 New Pop Festival 2016 auch wieder ein großartiges Rahmenprogramm. So gibt es viele Partys, offene Konzerte wie von Bosse und auch Lesungen sowie die SWR3 Live Lyrix, das sich mit der Übersetzung englischer Songtexte ins Deutsche beschäftigt und im Herbst auf Tour durch das SWR3 Sendegebiet geht.

Louane bleibt im Mittelmaß stecken

Die französische Sängerin Louane eröffnet im Kurhaus Tag 2 beim SWR3 New Pop Festival 2016. Mit ihrem größtenteils französisch gesungenen Pop und einigen rockigen Anreißern der Gitarre versucht sie, das Publikum mitzureißen. Das gelingt aber nur teilweise, die große Begeisterung bleibt aus.

Etwas besser wird es beim Akustikset, als sie auf Englisch das Cover "Sorry" von Justin Bieber spielt. Allerdings klingt es bei Songs wie "Chambre 12" seltsam, wenn sie englisch mit französischem Akzent singt, als sie zum Abschluss des Songs "Burn" von Ellie Goulding einmischt. Erst in den letzten 10 Minuten, als sie unter anderem ihren Radiohit "Avenir" spielt, kommt etwas Stimmung auf. Insgesamt ist das aber zu wenig. In Hinblick auf den deutschen Markt wirkt Louane aus jetziger Sicht wie ein One Hit Wonder.

Matt Simons rockt das Festspielhaus

Dem amerikanischen Sänger Matt Simons gelingt es hingegen, in kürzester Zeit das Publikum komplett für sich einzunehmen. Ob zu Beginn am Piano oder später am Keyboard und Saxophon: Simons ist unglaublich vielseitig. Sein Konzert ist abwechslungsreich und zeigt alle Facetten seines Könnens. Interessanterweise sind es vor allem die Stücke, die stilistisch einen jazzigen Einschlag haben, die beim Publikum besonders gut ankommen.

Beim Mix aus "Fall In Line" und dem Hit "Sweet Home Alabama" dominiert zuerst der Rock der Gitarren. Dann spielt Matt Simons sein Solo am Saxophon unter Sonderapplaus des Publikums. Schließlich darf auch der Keyboarder noch ein jazztypisches Solo hinlegen. Der nächste Song "It's You" ist ruhiger, dafür aber sehr taktbetont unterlegt durch das Schlagzeug. Dafür gibt es begeistertes Klatschen und Fingerpfiffe.

Nicht zu stoppen

Bei "With You" ist Matt Simons dann ganz allein auf der Bühne. Er sitzt am Piano und spielt den Song, mit dem er bei einer TV-Show entdeckt wurde und mit dem alles angefangen hat. Die Zuschauer auf den Sitzrängen stehen auf, feiern Matt Simons und seine Band frenetisch ab. Seinem Groove, seiner Leidenschaft und seinem Sound kann sich kein Besucher entziehen. Das Konzert steigert sich immer mehr. Für seinen Radiohit "Catch & Release" wählt er zunächst ein reduziertes Intro mit Ukulele. Dann dreht er zur Normalversion hoch und das ganze Festspielhaus steht und feiert Matt Simons für diese Darbietung.

Wie schon am Donnerstag bei Jamie Lawson ist auch dieses Konzert nach einer Stunde nicht fertig, weil das Publikum mit Dauerklatschen eine Zugabe fordert. So bekommen sie zwei zusätzliche Songs, unter anderem eine eigene Version von "Shake It Off", dem Hit von Taylor Swift. Am Ende wird Matt Simons nach dem bisher besten Konzert des New Pop Festivals unter Standing Ovations verabschiedet.

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Partyspaß mit Julian Perretta

Im Theater darf Julian Perretta unverhofft ein ganzes Einzelkonzert spielen, nachdem Alessia Cara krankheitsbedingt absagen musste. Sein moderner Partysound bringt das Theater zum Kochen. Vor allem die jüngeren Fans vor der Bühne springen und tanzen. Sein grooviger, leichter Gute-Laune-Pop wirkt ansteckend. Mit eigenen Songs wie "Rich Kid" und Coversongs wie "Are You With Me" von Lost Frequencies heizt er dem Theater mächtig ein. Kein Wunder, dass er Hits von bekannten DJs auf die Bühne bringt. So ist er bekannt geworden, als er "Mammoth" von Dimitri Vegas & Like Mike in einen neuen Song verwandelt hat und mit der Vocal-Version "Body Talk" seinen Durchbruch gefeiert hat.

Gleich zweimal spielt er seinen eigenen Hit "Miracle", der sich als Abreißer des Konzerts erweist. Ebenso gefeiert wird "Free", im Original von Ultra Nate, das Peretta dank seiner gewaltigen Stimmpower als Ballade singt. Die Zuschauer danken es ihm, tanzen vor der Bühne und auf den Rängen. Sie schwenken die Arme wild hin und her, es herrscht eine tolle Atmosphäre. Nach 65 Minuten ist die Vollgasparty im Theater vorbei.

Kurzes Vergnügen mit Dua Lipa

Nach zwei solch erstklassigen Konzerten wartet zum Abschluss die britische Sängerin Dua Lipa. Ihre Wurzeln aus dem Kosovo spiegeln sich in jeder Faser ihrer Musik wider. Es ist unwiderstehlicher Balkanpop, den Dua Lipa ihren Zuschauern um die Ohren hämmert. Der Elektrosound mit seinen stampfenden Beats bietet wie bei "New Love" einen starken Kontrast zur glockenhellen Stimme von der Sängerin. Die meist jungen Zuschauer schwenken ihre Smartphones, beispielsweise beim Cover von "Good Times", einem Song von Jamie xx. 

Nicht fehlen darf ihr Hit "Be The One". Dazu springt und dreht sich Dua Lipa auf der Bühne. Die Fans springen und filmen die Party auf der Bühne. Die Melodie treibt die Party an, wie auch beim aktuellen Hit "Hotter Than Hell". Dann verlässt Dua Lipa samt Band die Bühne. Alle glauben an die Einleitung zur Zugabe. Doch das war es. Ganz unvermittelt ist nach 50 Minuten Schluss. Schade für das abrupte Ende. Doch die Party in Baden-Baden geht anderswo weiter.

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