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Mikroboy (Pressebild, 2016) © Arne Landwehr

Aus, basta, Feierabend: Mikroboy haben sich nach fünf Jahren zu einem neuen Album zusammengerauft und spielen in Anwesenheit von guten Freunden und Wegbegleitern ihr allerallerletztes Konzert im Club der halle02 in Heidelberg, bei dem kein Fuß still und kein Auge trocken bleibt. Ganz großes Gefühlskino!

"Leicht" heißt die neue Mikroboy-Platte – paradox, denn leicht wird es an diesem Abend weder für die Band selbst noch für das allseits treue Publikum.

Schon zu Beginn des Konzertes liegen freudiges Erwarten und tiefe Traurigkeit dicht beieinander. Eine Mischung aus Erinnerung und Traum, den die vier Musiker dreizehn Jahre lang ausgiebig gelebt haben. Jetzt herrscht eine bittersüße Abschiedsstimmung, die jeden im Raum einnimmt.

Der schwerste Schritt

Da stehen sie nun, Frontmann Michi Ludes, Bassist Kai-Steffen Müller, Schlagzeuger Tobias Normann und Gitarrist Felix Mannherz, um ein letztes Mal gemeinsam ordentlich in die Saiten zu hauen.

"Das war gerade der schwerste Gang unserer Karriere. Ich lass den Entertainment-Quatsch heute", verkündet Michi. "Wir sind nicht mehr die lustigen Jungs von damals". Wer jemals mehrere Jahre in einer Band gespielt und so vieles zusammen erlebt hat, kennt das Gefühl, wenn die gemeinsame Zeit endet. Und sie endet genau jetzt.

Kein Schnickschnack

Dreht die Verstärker auf, die Mikroboys wollen nochmal ordentlich die Sau rauslassen. "Wir werden erst am Ende traurig, okay?", lautet der Kompromiss. Verlernt haben sie das Zusammenspiel innerhalb der vergangenen fünf Jahre jedenfalls nicht.

Der Elektro-Anteil aus den Anfangszeiten ist schon längst Geschichte, stattdessen wird auf handgemachten Indie-Schrammel-Rock gesetzt, bis die Saiten glühen. Das ist druckvoll, tanzbar, knallt gut rein und ist authentisch. Der Spaß soll an diesem besonderen Abend schließlich auch nicht zu kurz kommen.

Der hoffnungslose Poet

Mikroboy-Songs erzählen hochpoetisch, ergreifend und ehrlich von den dunkleren Tagen im Leben, von Depressionen wie bei "Herzen aus Holz", Trennung wie bei "Niemals bereit" oder Heimweh wie bei "Schnee", der für Sänger Michi Ludes der wichtigste Song überhaupt ist. Gerade bei letzterem kann auch er die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Dass "Leicht", ein Liebeslied über eine Berliner Bekanntschaft, laut eigener Aussage der einzige positive Track sein soll, ist jedoch etwas übertrieben gesagt. Aber eines steht fest: wie Michi Ludes seinen eigenen Mikrokosmos in kleinen Lebensgeschichten immer wieder verpackt, ist schwer beeindruckend.

Ganz viel Liebe

Alles endet und auch dieser Abend. Doch bei all dem Abschiedsschmerz dominiert ein Gefühl: die Liebe, zur Musik, zum Publikum, zum gesamten Team und zu allen anderen Weggefährten.

"Diese Typen hier sind die engste Familie, die man sich vorstellen kann", wendet sich Michi mit Tränen in den Augen an seine Band und die Crew. So stark kann Männerliebe sein. Für das Publikum findet er auch die passenden Worte: "Wir sind alle, was wir sind, weil ihr seid, was ihr seid! Danke für euren Support!".

Am Ende angekommen

Mit "Angekommen" schließen Mikroboy ein hochemotionales Konzerterlebnis und gleichzeitig ein großes Kapitel in ihrem Leben. Denn das sind die vier Freunde, nämlich am Ende ihrer gemeinsamen Reise.

Aber bekanntermaßen ist jedes Ende auch ein Anfang, zu groß ist die Liebe zur Musik, die bei dem Konzert jederzeit zu spüren war. Wir werden den ein anderen Mikroboy sicherlich wieder sehen, wenn auch nicht in dieser Konstellation. Solang der Mut den Zweifel schlägt. Also Jungs, nur Mut!

Setlist

Solang du hier nicht raus kannst / Rückschritt = Fortschritt / Trümmer / Solang der Mut den Zweifel schlägt / Raus mit der schlechten Luft, rein mit der Guten / Vom Leben und Verstehen / Herzen aus Holz / Alles verstanden / Bleib mit mir wach / Du oder ich (oder wir alle) / Leicht / Es hat sich einiges getan / Lass mich irgendwas sein / Herbst / Schnee / Atmen und Aushalten // Immer auf der Suche / Niemals bereit / Angekommen

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