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Enno Bunger (live bei der Seebühnenregatta in Mannheim, 2015) © Alex Schäfer

Der Konzertabend mit Enno Bunger in der Heidelberger halle02 gleicht einem Kombipaket. Man hört nicht nur emotionale und tiefgründige Songs, sondern auch extrem unterhaltsame Geschichten. Der erzählfreudige Sänger und Pianist hat aber auch politisch einiges zu sagen.

Kaum haben sich die Konzertgänger an diesem kalten Abend in der halle02 eingefunden, werden sie jäh durch Enno Bungers Erscheinen auf der Bühne aus ihren Gesprächen gerissen. Nur vereinzelt ist überraschtes Händeklatschen zu hören.

"Das ist so ein typischer Tennisapplaus: Wenn der Tennisball im Netz landet, klatschen einige Zuschauer, weil sie denken, dass ein Punkt gemacht wurde.", kommentiert der Sänger scherzhaft.

Vorbands aus den eigenen Reihen

Kurz darauf kündigt Enno die zwei Support Acts an, bei denen es sich um eigene Projekte seiner Bandmitglieder handelt. Beide Bands sind stilistisch stark an der Musik Bungers angelehnt.

Während Leicester Vermont sehr ruhige Töne mit zurückhaltender Begleitung anschlägt, die eher Singer-/ Songwriter-Charakter besitzen, spielen Projektor elektronisch angehauchten Dream-Pop, der für erste Tanzbewegungen im Publikum sorgt. Die Musiker beweisen, dass sie auch ohne ihren eigentlichen Frontmann schöne Musik produzieren können.

Musikalisch vielfältig

Die Übergänge an diesem Abend sind fließend. Nach wenigen Minuten steht Enno Bunger mitsamt den zuvor aufgetretenen Musikern auf der Bühne. Der melancholische Gesang wird an manchen Stellen von elektronischen Beats, an anderen Stellen von sehr berührenden Piano-Passagen getragen.

Dementsprechend reicht die musikalische Spannbreite vom berührenden Klavierlied ("Regen") über Gute-Laune-Songs ("Nichts immer alles jetzt") bis hin zu langen Elektro-Tracks wie "Hamburg".

Großartiger Geschichtenerzähler

Sehr schnell zeigt sich, dass der gebürtige Ostfriese nicht nur in den Liedtexten Geschichten erzählt, die sowohl unterhalten als auch nahegehen, sondern auch zwischen den Songs vergnügliche Anekdoten vorzuweisen hat.

So berichtet er belustigt von einem Ereignis während eines Konzerts einer Hardrock-Band, für die er als Support Act auftrat. Nach seiner Show traf er auf einen Hünen in Rockermontur, der ihm nahebrachte, dass er während eines seiner Songs fast weinen musste. Der kabarettistische Vortrag von Enno Bunger bringt das gesamte Publikum zum Lachen.

Lorbeeren für die Männer am Mischpult

Lob verdient auch der Soundtechniker. Wenngleich zeitweise die Gitarre den Gesang Bungers überdeckt, ist der Klang während des gesamten Konzerts ausgesprochen gut. Der Lichttechniker hingegen sollte mit Lorbeeren überschüttet werden. Die Light-Show ist perfekt der Stimmung der einzelnen Songs angepasst. Sogar die Farbgebung könnte nicht perfekter umgesetzt werden. Eine Lichtinszenierung auf einem solchen Niveau sieht man selten.

Der besorgte Bunger der Kulturlandschaft

Im textlich sehr erheiternden Song "Am Ende des Tunnels" offenbart sich der Sänger als "besorgter Bunger der Kulturlandschaft". Dieser politische Anspruch wird auch in "Wo bleiben die Beschwerden" deutlich: Im Lied wird jeglicher Fremdenhass stark kritisiert. Bunger zeigt sich aufgrund des frenetischen Applauses sichtlich berührt: "Jedes Mal, wenn ich diesen Song spiele und ich mitbekomme, was zur Zeit abgeht, werde ich immer trauriger."

Doch den Glauben an die Menschheit darf man nie aufgeben. Wenn der sympathische Sänger mit einem lachenden und einem weinenden Auge "Das Licht am Ende des Tunnels ist kaputt" vorträgt, dann schwingt dabei eine gewisse Hoffnung mit. Eine Hoffnung, die mit den träumerischen Klängen von Enno Bunger und seiner Band langsam Gewissheit wird. Dann erscheint doch ein Lichtschimmer am Horizont.

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