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Trailerpark (live beim Mini-Rock-Festival in Horb, 2015) © Jannik Rulitschka

Da haben mal wieder die Schwarzwald-Tannen gewackelt: Das Mini-Rock-Festival in Horb am Neckar ist zum elften Mal über die Bühne gegangen. Keine Frage, dass wir die Nase natürlich wieder überall dabei hatten.

Viele Festivals haben in diesem Jahr schon lange vor dem eigentlichen Anpfiff für Schlagzeilen gesorgt. Das Mini-Rock-Festival hat hier auch eine skurrile Geschichte auf Lager: Wenige Tage vor Veranstaltungsbeginn sahen sich die Organisatoren genötigt, eine angebliche Absage des Festivals in einem öffentlichen Statement zu dementieren.

Schuld daran war das in einem Nachbarort ausgebrochene Q-Fieber, das von wiederkäuenden Tieren auf den Menschen übertragen wird. Das Missverständnis: Abgesagt wurde ein Dorffest im Horber Stadtteil Dießen, für das Festival bestand also keine Gefahr. Für ein paar Witze auf und vor der Bühne hat es trotzdem gereicht.

Things are getting serious...

2014 haben wir mit der Mini-Rock-Familie noch die Party zum zehnjährigen Geburtstag des Festivals gefeiert, jetzt knüpfen die Macher wieder an ihre Erfolgsstory an. Gerade in diesem Jahr, wo sich große Veranstalter gegenseitig ans Bein pinkeln und mit ihrem Machtkampf die Preise für die kleinen Fische im Teich in die Höhe treiben, ist es schön zu sehen, dass man auch mit einem komplett ehrenamtlichen Team und sehr viel Herzblut ein konkurrenzfähiges Event auf die Beine stellen kann.

Das Line-Up überzeugt, wie auch in den vergangenen Jahren, vor allem durch seine starken deutschen Acts, aufgefüllt wird die Mischung durch ein paar internationale Namen. 

Maultäschle, Strandbar, Massagestation

Der Schwarzwald präsentiert sich auch auf dem Mini-Rock-Festival von seiner gast- und rückenfreundlichen Seite! Die Horbianer sind tolerant und nachsichtig mit dem Trubel direkt vor ihrer Haustür, viele haben auch das Angebot der Organisatoren genutzt und schauen sich ein paar Konzerte kostenlos an. Schlafen ist ja sowieso nicht drin, bis die Hauptbühne um Mitternacht dicht macht. Hut ab für so viel Aufgeschlossenheit! "Isch ja auch gut, dass mal was los isch hier in Horb." 

Neben den gastfreundlichen Eingeborenen hat das Mini-Rock noch andere Schmankerl in Petto: Kulinarisch bewegt man sich regional und futtert Maultaschen statt Asia-Nudeln, direkt nebenan warten Liegestuhl und kalte Cocktails an der Strandbar. Beste Idee der Welt: Die Massage-Station für alle verspannten Camping-Nacken. 

Ja, aber wie war denn jetzt die Musik? 

Der Mini-Rock-Freitag ist fest in deutscher Hand. An der Bandbreite merkt man mal wieder, wie viel die heimische Szene sowohl für Rocker-, als auch für Rapper-Herzen zu bieten hat. Hier die Highlights des Freitags: 

Für die Rocker: Druckvoller Deutschpunk, messerscharfe Texte und ein Frontmann, der sich auf der Bühne regelrecht die Seele aus dem Leib schreit – das sind Adam Angst. Die Zeltbühne ist zwar wegen der frühen Uhrzeit noch nicht allzu gut besucht, wer es allerdings schon zum Konzert geschafft hat, wird von der Energie einfach mitgerissen. Eng wird es gegen Ende dann doch, als Sänger Felix Schönfuss den letzten Song mitten im Publikum zum Besten gibt.

Viel voller ist es am späteren Abend dann bei Heisskalt, hier erweist sich das Zelt allerdings als großes Problem. Die vier Jungs aus der Nähe von Stuttgart feiern beim Mini-Rock quasi ihr Heimspiel, legen sich dementsprechend ins Zeug und liefern einen schweißtreibenden und mitreißenden Auftritt ab. Allerdings ist die Akustik denkbar schlecht und der Lärm aus den Boxen teilweise so ohrenbetäubend, dass selbst die größten Fans den Rückzug nach hinten antreten und sich Taschentücher in die Ohren stopfen. Sehr schade!

Für die Rapper: Die Open-Air-Bühne ist am Freitag fest in der Hand des deutschen Hip-Hop. Erst heizen Genetikk den Fans ein, brechend voll wird es vor der Bühne allerdings erst bei Trailerpark. Die müssten sich eigentlich schon fast ins goldene Buch der Stadt Horb eintragen, so oft haben sie schon auf dem Mini-Rock gespielt. Naja alle bis auf Basti, der ist natürlich wieder nicht dabei.

Eigentlich schade, die frische Schwarzwald-Brise würde ihm bestimmt über das ein oder andere Wehwehchen hinweghelfen. Man wird ja auch nicht jünger. An dieser Stelle meldet sich die gute Erziehung, daher: die allerbesten Genesungswünsche! Die Fans nehmen es ihm sowieso nicht krumm und feiern bis zum Zapfenstreich. 

Den Samstag gab's ja auch noch

Unsere Einordnung vom Freitag funktioniert auch für den Samstag: Der Abend hat wieder für Fans aller Genres einen Act in Petto. 

Itchy Poopzkid und Schmutzki liefern deutschen Punkrock in unterschiedlichen Facetten – die ersten ein wenig nett und zum Gernhaben, die anderen halt eher...schmutzig. Verzeihung für das plumpe Wortspiel.

Das Zelt als gutes Argument

Nicht zu schlagen ist natürlich der Headliner des Abends! Royal Republic spielen sich schon seit Beginn der Saison die Finger auf jedem namhaften Festival wund und dürften im Laufe dessen einige Fans dazugewonnen haben. Was Frontmann Adam Grahn da auf der Bühne abzieht, ist phänomenal. Und mit dem Popo wackeln kann er auch. 

Unsere Hip-Hop-Freunde sind an diesem Abend entspannter unterwegs. Teesy charmant und schnittig wie immer, Chakuza mit überzeugendem Live-Set, einer eingespielten Band und dem Argument schlechthin: Zelt. Draußen regnet es nämlich mittlerweile. 

See you next year, Mini-Rock! 

Das Mini-Rock-Festival ist auch in diesem Jahr seiner Linie treu geblieben, und hat damit alles richtig gemacht. Deutsche Künstler auf die Bühne zu bringen, auch ein paar kleinere Acts zu buchen und das Gelände genauso schnuckelig und gemütlich zu lassen wie es ist – so darf es gerne weitergehen.

Wir drücken die Daumen, dass das entspannte Festival im Schwarzwald noch viele Jahre mit den großen Fischen im Teich mithalten kann. Eines gibt es in Horb, was vielen fehlt: ganz viel Flair. 

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