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Udo Lindenberg (live in Frankfurt 2015) © Rudi Brand

Mit einer brillanten, mehr als dreistündigen Mega-Show in der ausverkauften Commerzbank-Arena in Frankfurt überwältigt Udo Lindenberg das Publikum und zementiert seine Stellung als einer der wenigen deutschen Megastars im Musikbereich.

Nachdem er sich zwischenzeitlich ein wenig rar gemacht hatte, hat Udo Lindenberg in den vergangenen Jahren ein grandioses Comeback gefeiert. Durch Zusammenarbeiten mit jüngeren Mitstreitern wie Jan Delay, Clueso, Max Herre und Silbermond sowie dem Erfolg des letzten Livealbums "Ich mach‘ mein Ding" scheint er populärer denn je.

Die Commerzbank-Arena, früher besser bekannt als das legendäre Frankfurter Waldstadion, ist dann auch fast restlos ausverkauft, als der schnodderige Sänger mit dem Hut und der Sonnenbrille an einem heißen Sommerabend für das Abschlusskonzert seiner "Panik Party 2015"-Kurztournee seine Zelte dort aufschlägt.

Komik statt Panik

Wer mit gutem, alten Rock’n’Roll im Vorprogramm gerechnet hat, dürfte etwas überrascht sein. Mit dem deutsch-türkischen Comedian Bülent Ceylan hat Udo Lindenberg einen für dieses Event ungewöhnlichen Support am Start.

Dennoch gelingt es dem Mannheimer, das Publikum für die Hauptveranstaltung entsprechend anzuheizen – nicht dass dies bei heißen Sommertemperaturen im Stadion notwendig wäre. Partyatmosphäre schafft Ceylan neben einem kurzen Stand-up-Programm, einer Tanzeinlage und Späßen mit der Kamera mit einem in bester Headbanger-Manier wiedergegebenen Anti-Rassismus-Lied, bei dem die Zuschauer eifrig mitgrölen.

Die "Nachtigall" fliegt

Beinahe überpünktlich schwebt Lindenberg dann singend zu den Klängen des knackigen Openers "Odyssee" in die inzwischen restlos gefüllte Commerzbank-Arena ein. Von der ersten Sekunde an macht "der kleine Udo" unmissverständlich klar, dass er "sein Ding" durchziehen wird.

Das perfekt aufeinander abgestimmte Panikorchester um Schlagzeuger Bertram Engel und Basser Steffi Stephan ist ebenso gut aufgelegt wie ihr Chef. Hinzu kommt eine Armada an Gaststars, die Lindenberg für seine "Panik Party 2015" rekrutiert hat. Standesgemäß unterstützt Clueso den Altmeister bei "Cello", während ihm Adel Tawil bei "Bunte Republik Deutschland" tatkräftig unter die Arme greift.

Tohuwabohu mit Konzept

Überhaupt herrscht auf der Bühne praktisch pausenlos ein heilloses Durcheinander, ein ständiges "Kommen und Gehen", wie es Udo einst selbst in einem Lied besungen hat. Es spricht für die makellose Organisation der Veranstalter, dass jeder der vielen Beteiligten bei dieser komplexen Konstellation genau weiß, wann genau er an welcher Stelle zu sein hat.

Zu den Mitwirkenden an diesem Abend gehören ein vierköpfiger Bläsersatz, die Gastsänger Josephin Busch (aus Lindenbergs "Hinterm Horizont"-Musical), Ole Feddersen und Nathalie Dorra sowie ein kompletter Kinderchor, mit dem Udo bei der Pazifismusballade "Wozu sind Kriege da“"das Publikum zu Tränen rührt.

Alte Männer braucht das Land

Einen besonderen Applaus erhält The Animals-Bandleader Eric Burdon, mit dem Lindenberg bereits Ende der 1970er gemeinsam auftrat, für seine gesangliche Leistung bei seinem eigenen Hit “We Gotta Get Out Of This Place“. Der Mann mit Hut und sein Panikorchester können eben nicht nur deutsch, sondern auch international.

Später betritt auch noch der bekannte Komiker und Multiinstrumentalist Helge Schneider unter Beifall unangekündigt die Bühne. Zunächst packt er bei "Das kann man ja auch mal so sehen" sein Saxofon für ein großartiges Solo aus, bevor er schließlich mit Udo zusammen bei "Der Greis ist heiß" ein schmetterndes Duett abliefert.

Für jeden etwas dabei

In etwas über drei Stunden Spielzeit bleiben, wenn überhaupt, nur wenige Wünsche offen. Fast alle Klassiker aus Lindenbergs langer Karriere wie "Ich lieb‘ Dich überhaupt nicht mehr", "Die Klavierlehrerin", "Horizont", "Sonderzug nach Pankow", "Alles klar auf der Andrea Doria", "Candy Jane" oder "Reeperbahn" kommen zum Zuge.

Zudem feiert noch ein gänzlich neuer Song, die wunderschöne Ballade "Wir werden jetzt Freunde" über das Schicksal von Flüchtlingen in Deutschland, auf den diesjährigen Stadionkonzerten seine Premiere. Das Lied beweist, dass Udo Lindenberg auch im Alter nicht den Sinn für soziales und humanitäres Engagement verloren hat.

Alles geht

Mit der Kurztournee hat sich der Sänger selbst einen Herzenswunsch erfüllt. Als “Elder Statesman“ der deutschen Musikszene besitzt er nunmehr die Freiheit, tun und lassen zu können, was er möchte, und nutzt dies in der Commerzbank-Arena auch dementsprechend aus.

Die Spezialeffekte reichen von seinem spektakulären Einzug über die Köpfe der Zuschauer hinweg über eine fantastische Licht- und Lasershow, kostümierte Komparsen, leicht bekleidete Cellistinnen und Tänzerinnen und einem groß ausgeleuchteten Ufo bis hin zu einem Pyrotechnikfinale. Lindenberg weiß, wie er sein Publikum beeindrucken kann und die Fans staunen an diesem Abend mehr als nur einmal nicht schlecht.

Stark wie zwei

Optisch merkt man Udo sein gehobenes Alter mittlerweile leicht an. Die Falten im Gesicht sind etwas tiefer und markanter geworden. Ansonsten präsentiert sich die "Nachtigall" aus Gronau fidel wie immer. Er singt, tanzt und springt wie ein junger Hund. Zu keiner Sekunde denkt man als Zuschauer, dass dort ein fast 70-jähriger Mann auf der Bühne steht. Lindenberg gibt wirklich alles.

Als er nach einer mehr als dreistündigen Show ohne Unterbrechung schließlich im Astronautenkostüm gen Nachthimmel emporsteigt, gilt das Motto, das Udo zuvor selbst mit freundlicher Unterstützung von Helge Schneider zum Besten gegeben hat: "Der Greis ist heiß" – und er zeigt es auch.

Setlist

Odyssee / Die Heizer kommen / Boogie-Woogie-Mädchen / Mein Ding / Cello (mit Clueso) / Ich lieb‘ Dich überhaupt nicht mehr / Ganz anders / Wozu sind Kriege da (mit Kids on Stage) / Straßenfieber / Sie brauchen keinen Führer / Wir werden jetzt Freunde / Mädchen aus Ost-Berlin / Gegen die Strömung (mit Josephin Busch) / We Gotta Get Out Of This Place (mit Eric Burdon) / Das kann man ja auch mal so sehen / Die Klavierlehrerin / Bunte Republik Deutschland (mit Adel Tawil) / Das Leben / Sternenreise /  Gerhard Gösebrecht / Honky Tonk Show / Highway To Hell / Der Greis ist heiß (mit Helge Schneider) / Horizont // Bis ans Ende der Welt / Johnny Controletti / Sonderzug nach Pankow / Alles klar auf der Andrea Doria / Candy Jane / Reeperbahn / Goodbye Sailor / Ich schwöre / Woddy Woddy Wodka / Outro

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